Gute Geschäftslage, aber getrübte Aussichten

Frühjahrs-Konjunkturbericht des westbrandenburgischen Handwerks

Das westbrandenburgische Handwerk erlebte im Corona-Jahr ein ständiges Auf und Ab: Zeigte Anfang letzten Jahres die Konjunkturkurve noch nach oben, folgte im März 2020 die Vollbremsung. Im März 2020 stellte der Bundestag eine „epidemische Lage von nationaler Tragweite“ fest. Auch in Brandenburg war im März die erste Infektionswelle angekommen, und das Land reagierte mit dem ersten Lockdown.  

Seither erlebt das Handwerk in unterschiedlicher Weise die Auswirkungen bestehender Einschränkungen. Ob vollständige Schließungen, Wiedereröffnung, neuerliche Schließungen, Hygiene- und Gesundheitsschutz von Kund/innen und Mitarbeitenden: die Handwerksbetriebe sahen und sehen sich mit einer Situation konfrontiert, die sie noch nie zuvor erleben mussten.

Umso gespannter schaute die Handwerkskammer Potsdam auf die Ergebnisse der diesjährigen Frühjahrskonjunkturumfrage, die das wirtschaftliche Stimmungsbild der letzten Monate unter dem Einfluss der Corona-Pandemie abbildete.

Die Lage zeigt sich differenziert: Die Corona-Hilfsprogramme, insbesondere das Soforthilfeprogramm im letzten Jahr, federten für viele Unternehmen die schlimmsten Auswirkungen der Pandemie und der Lockdowns ab. Allerdings werden sich die langfristigen wirtschaftlichen Folgen auf die westbrandenburgischen Handwerksbetriebe erst im Laufe der zweiten Jahreshälfte zeigen.

Geschäftsklimaindex und Geschäftslage

Die Auswertung lässt die Hoffnung zu, dass das westbrandenburgische Handwerk den tiefsten Punkt des Konjunkturtals durchschritten hat. Ihre aktuelle Geschäftslage schätzten 81,3 Prozent der Betriebe mit gut oder befriedigend ein (Vorjahr 92,5). Die schlechteste Bewertung gaben dabei die personenbezogenen Dienstleistungen (wie Friseure, Kosmetiker oder Textilreiniger) und das Kraftfahrzeuggewerbe ab. Beide Handwerksgruppen waren und sind am meisten von den Eindämmungsmaßnahmen betroffen.

Auftragsvorläufe von etwa zehn Wochen

Die durchschnittlichen Auftragsvorläufe liegen mit 10,3 Wochen eine Woche unter dem Vorjahresniveau, aber über dem Wert (10,2) aus dem Herbst 2020. Ihre durchschnittliche Auslastung beziffern die Betriebe für die letzten Monate mit 83 Prozent. Auch hier drücken das Kfz-Gewerbe mit 70 Prozent (Vorjahr 76 Prozent) und die personenbezogenen Dienstleistungen mit 58 Prozent (Vorjahr 76 Prozent) das Umfrageergebnis.

Im Vergleich zum Vorjahr zeigen sich die Auswirkungen der Pandemie deutlich auch in den Umsätzen der Handwerksbetriebe: 38 Prozent der Betriebe vermelden Umsatzrückgänge im ersten Quartal (Vorjahr 26 Prozent).

Fast zwei Drittel berichten von gestiegenen Einkaufspreisen

Neben den ohnehin hohen pandemiebedingten Belastungen blicken die Handwerksbetriebe mit großer Sorge auf die Entwicklung der Einkaufspreise: Fast zwei Drittel (63 Prozent) der Betriebe berichten von gestiegenen Einkaufspreisen, die aber nur von gut einem Drittel (36 Prozent) an ihre Kunden weitergegeben wurden. Besonders betroffen vom Anstieg sind die Bauhauptgewerbe, die personenbezogenen Dienstleistungen und das Kfz-Handwerk.

Personal: Betriebe stocken auf

Das Handwerk hält auch in schwierigen Zeiten an seinen Fachkräften fest. Deutlich wird dies daran, dass die Zahl der Betriebe, die ihr Personal aufgestockt oder auf gleichem Niveau gehalten haben, in den letzten Monaten sogar angestiegen ist. Vermeldeten im letzten Frühjahr schon 81 Prozent der befragten Betriebe einen konstanten oder gewachsenen Personalbestand, so waren es in diesem Befragungszeitraum sogar 86 Prozent.

Investitionen: weniger Betriebe investieren

Die pandemiebedingte Vorsicht der Betriebe wird auch in den Investitionsaktivitäten deutlich. Seit Jahren ist die Entwicklung in den Frühjahrsumfragen rückläufig. Nun ist der Anteil der Betriebe, die weniger investierten, noch einmal angestiegen und liegt mit 32 Prozent um drei Prozent über dem Vorjahr. Gerade die von Schließungen besonders betroffenen personenbezogenen Dienstleistungen und die Kraftfahrzeuggewerbe sind bei Investitionen zurückhaltend.

Steigende Einkaufspreise trüben Geschäftsaussichten

Entscheidend für die wirtschaftliche Entwicklung in den kommenden Monaten wird sein, wie sich das Pandemiegeschehen weiterentwickelt und ob Fortschritte beim Impfprogramm die Eindämmungsmaßnahmen entbehrlich machen und damit eine Rückkehr in ein normales (Wirtschafts-) Leben ermöglicht wird.

Das Handwerk in Westbrandenburg ist zum aktuellen Zeitpunkt von einer positiven Entwicklung durchaus überzeugt und hofft auf eine Besserung der Geschäftslage. 23 Prozent der Betriebe gehen im Rahmen ihrer Geschäftserwartungen von einer Verbesserung aus. Nur 13 Prozent der Betriebe rechnen mit einer Verschlechterung.

Getragen wird die insgesamt positive Geschäftserwartung von den Bau- und Ausbaugewerben und den Gewerken für den gewerblichen Bedarf sowie dem Kfz-Gewerbe. Auch bei der Auftragslage wird mit einer Verbesserung gerechnet. Insgesamt geht ein Viertel der Betriebe von einer besseren und weitere 63 Prozent von einer unveränderten Auftragslage aus. Ähnlich wird auch die Umsatzentwicklung eingeschätzt: Ein knappes Drittel erwartet steigende und fast die Hälfte geht von gleichbleibenden Umsätzen aus. Getrübt werden die insgesamt positiven Aussichten allerdings von der Befürchtung bei fast drei Vierteln der Befragten, dass die Einkaufspreise weiter steigen.

Impfen als Schlüssel für Rückkehr in Normalität

Handwerkskammerpräsident Robert Wüst zollt den Handwerksbetrieben mit Blick auf die Erhaltung des Wirtschaftslebens in den Regionen seinen Respekt: „Den Betrieb am Laufen zu halten, jeden Tag mit immer neuen Gegebenheiten den Gesundheits- und Hygieneschutz aufrecht zu erhalten, um das Betriebsgeschehen nicht zu gefährden, fordert Unternehmer und Mitarbeitende gleichermaßen. Mit großem Verantwortungsbewusstsein und Pragmatismus haben sich die Unternehmer auf die Situation eingestellt und machen das Beste aus der Situation. Dank des großen Engagements der Unternehmen ist das westbrandenburgische Handwerk konjunkturell bis jetzt relativ gut durch die Krise gekommen. Dafür gilt den Betrieben größte Anerkennung. Aber wir erwarten auch von der Politik weiter Hilfe und Unterstützung: In vielen Bereichen machen sich jetzt die explodierenden Einkaufspreise und Lieferengpasse bemerkbar, die auch den weltweiten Pandemiefolgen zuzuschreiben sind. Bund und Land müssen das Impftempo erhöhen, um Betrieben eine Aussicht auf Rückkehr in die Normalität zu geben.“

Betriebe müssen steigende Preise an Kundschaft weitergeben

Wüst warnt allerdings auch: „Gerade die am Bau steigenden Preise bereiten große Sorge. Denn Fakt ist, die Betriebe können diese nicht komplett kompensieren, müssen diese an die Kundschaft weitergeben. Hinzu kommt, dass mangelnde Materiallieferungen, lange Lieferzeiten, steigende Rohstoffpreise und insbesondere die Investitionszurückhaltung der öffentlichen Hand eine konjunkturelle Erholung ausbremsen könnten.“

Hier finden Sie die Frühjahrs- und Herbst-Konjunkturberichte der Handwerkskammer Potsdam: 

https://www.hwk-potsdam.de/artikel/konjunkturberichte-9,803,3157.html

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