Zwei Hallen aus Holz

Mit dem elliptisch geformten Eingangsbereich und dem roten Foyer sind die neuen Hallen 9 und 11 der Messe Dornbirn ein Blickfang. Das Tragwerk, die Außenwände, die 66 m langen Fachwerkträger und die Innenverkleidung der Messehallen bestehen aus Holz.

Die Messe Dornbirn ist der größte „Marktplatz“ Vorarlbergs, dem westlichsten Bundesland Österreichs. Jährlich finden hier neben den großen Fach- und Publikumsmessen auch Sportveranstaltungen, Konzerte, Firmenfeiern, Bälle und Ausstellungen aller Art statt. Nach 40 Jahren im Betrieb entsprachen die alten Hallen der Messe nicht mehr den heutigen Anforderungen. Die Stadt Dornbirn und das Land Vorarlberg hatten als Eigentümer der Messe daher gemeinsam 28 Millionen Euro in die Hand genommen und von 2015-2017 zwei neue, hochmoderne Ausstellungs- und Veranstaltungshallen errichten lassen. Die Pläne stammen von den renommierten Architekten Marte.Marte, die einen monolithischen Baukörper entworfen haben, der beide Hallen und Foyers umfasst und durch drei markante, ellipsenförmige Einschnitte gekennzeichnet ist.

Leuchtender Kontrast

Die Fassade des gesamten Komplexes ist mit mattschwarzem Wellblech verkleidet. Dadurch entsteht ein leuchtender Kontrast zu den roten, geschwungenen Halleneingängen. Form und Farbe dieser Elemente spiegeln sich im „Roten Foyer“ wieder: Wände, Decken und Fußböden sind im gleichen Rotton gehalten und die elliptischen Fassadeneinschnitte finden sich in raumteilenden Bögen wieder. Halle 11 bietet 4800 m2 Platz bei einer Raumhöhe von 11 m. Die kleinere Halle 9 hat immerhin noch 3000 m2 Fläche.

Dachkonstruktion überspannt 8000 m2

Die Hallen 9 und 11 wurden in Holzbauweise realisiert, von der tragenden Konstruktion über die Wand- und Deckenverkleidungen bis hin zum Dach. Die Dachkonstruktion setzt sich aus 65 Fachwerkträgern zusammen, die jeweils 4,5 m hoch und bis zu 66 m lang sind. Die Fachwerkträger wurden auf 11 m hohe Stützen aufgesetzt, die im Abstand von 1,80 m auf beiden Seiten die Außenwände bilden. Ohne weitere Stützen wird für beide Hallen auf diese Weise eine Fläche von insgesamt fast 8000 m2 überspannt.

Für die Vorfertigung der Träger war das Unternehmen Kaufmann Bausysteme aus Reuthe verantwortlich. Bereits im Januar 2016 stellte die Firma einen Prototyp der je 66 m langen und 17,5 t schweren Dachbinder aus Brettschichtholz her und testete so die Konstruktion. Die Holzbauer von Kaufmann haben auch die tragenden Kastenelemente für die Dachflächen hergestellt und mit „Swiss Krono Osb/3 EN300 Contifinish“-Platten (25 mm, geschliffen) beplankt und verklebt. Die Außenwände der Messehallen wurden als vorgefertigte Holzrahmenelemente an die tragenden Brettschichtholzstützen von außen als durchlaufende Hülle verschraubt. Die Deckenflächen über den Untergurten der Kantholzbinder wurden als Lauffläche für Installationen und Leitungen sowie für das Heiz- und Lüftungssystem verwendet. Nur ein geringer Teil des Untergurtes ist sichtbar geblieben. Der Baustoff Holz kommt auf innovative Weise in ­mehreren Bereichen zum Einsatz: beim Tragwerk der Wände, bei den darauf gelegten Fachwerkträgern und bei der Innenverkleidung der Hallen. „Durch die Verwendung des Baustoffes Holz ergeben sich für den Neubau zahlreiche Vorteile. Besonders das sehr gute Verhältnis von Leistung und Wirtschaftlichkeit sowie die positive CO2-Bilanz sind hier zu nennen“, sagt Herbert Rella, Projektleiter vonseiten der Messe Dornbirn. Auch die Innenverkleidung der zwei Hallen besteht aus Holz. Das Messequartier Dornbirn hat nun insgesamt eine Ausstellungs- und Veranstaltungsfläche von 34 000 m2 in 15 Hallen. Das Freigelände umfasst eine Fläche von 18 000 m². „Den Architekten ist ein großartiger Entwurf eines Holzbaus gelungen, der Zweckmäßigkeit, Ästhetik und Funktionalität perfekt zusammenführt“, sagt Uwe Jöst, Geschäftsführer der Swiss Krono GmbH. Auf der Messe Dornbirn wird derzeit weiter gebaut: Zur Zeit entsteht der Neubau der Messehalle 5, dabei spielt Holz wieder eine wichtige Rolle. Aus Brand- und Schallschutzgründen wird die Halle mit Stahlbetonwänden gebaut. Die Außenwände werden aber mit vorgesetzten, schwarz lasierten Sperrholzelementen versehen. Die Dachkonstruktion wird aus Brettschichtholzträgern gebaut, auf denen Brettsperrholz-elemente verlegt werden. Ein Bitumendach mit Dämmung wird den Abschluss des Daches bilden. Der Baubeginn der neuen Halle war im Juni diesen Jahres, im Juli 2019 soll die neue Halle eingeweiht werden.

Autorin

Ute Bachmann arbeitet als selbständige Autorin für die Werbeagentur Nowack in Bovenden und betreut Swiss Krono bei der Pressearbeit.

Bautafel (Auswahl)

 

Projekt Bau von zwei neuen Messehallen für die Messe Dornbirn in Holzbauweise

Bauherr Messe Dornbirn GmbH, A-6854 Dornbirn (Vorarlberg), www.messedornbirn.at

Bauzeit 9/2015 – 4/2017

Architekten Marte.Marte Architekten ZT GmbH, A-6800 Feldkirch, www.marte-marte.com

Projektsteuerung Gbd Projects ZT GmbH, A-6850 Dornbirn, Österreich, www.gbd.at

Holzbau Arbeitsgemeinschaft aus:

Kaufmann Bausysteme GmbH, A-6870 Reuthe, www.kaufmannbausysteme.at;

Kaufmann Zimmerei und Tischlerei GmbH, A-6870 Reuthe, Österreich, www.kaufmannzimmerei.at

Sutter Holzbau GmbH, A-6713 Ludesch, www.sutter
holzbau.at

Kaspar Greber Holz- und Wohnbau GmbH, A-6870 Bezau, www.kaspargreber.at

Webservice Fotos

Weitere Fotos vom Bau der Hallen 9 und 11 der Messe Dornbirn und von den fertigen Gebäuden finden Sie online. Geben Sie dafür einfach den Webcode in die Suchleiste auf unserer Website ein.

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