„Wir brauchen Lösungen, die intuitiv verstanden und bedient werden können!“

Interview mit Dachdeckermeister Frank Schildhauer zur Digitalisierung seines Betriebs

Für viele Handwerksbetriebe werden digitale   Werkzeuge und Softwarelösungen zunehmend wichtiger. Die Handwerkskammer Potsdam unterstützt daher als Teil des Projekts „Zukunftszentrum Brandenburg“ (siehe Infokasten unten) ihre Mitgliedsunternehmen auf dem Weg zur Digitalisierung. Die Schildhauer Dachdeckermeister GmbH aus Potsdam hat die Unterstützung der Handwerkskammer Potsdam genutzt. Dachdeckermeister Frank Schildhauer setzt in seinem Betrieb nun eine neue Softwarelösung ein, die Arbeitsprozesse erleichtert und von den Mitarbeitenden gut angenommen wird. Im Gespräch mit Ines Weitermann von der HWK Potsdam beschreibt Frank Schildhauer, wie die Einführung des neuen, digitalen Systems in seinem Betrieb gelang.

Interview: Ines Weitermann

Herr Schildhauer, mit einem digitalen Dachsanierungsrechner und Dachfenster-Konfigurator bieten Sie Ihren Kunden bereits digitale Dienstleistungen an. Nun planen Sie weitere Schritte zur Digitalisierung – mit welchem Ziel?

Frank Schildhauer: Im Kern geht es um die Systematisierung und das Bündeln von Informationen. Wir wollen baustellenerhebliche Daten zusammenfassen, elektronisch dem jeweiligen Projekt zuordnen und zu jeder Zeit verfügbar machen. Dafür suchten wir eine Lösung, mit der wir unseren Kolleginnen und Kollegen die Arbeit erleichtern. Zudem sollte sie es ermöglichen, einen Teil der Informationen auch mit unseren Kunden unter Einhaltung des Datenschutzes auzutauschen.

Im Erstgespräch mit den Projektverantwortlichen des Zukunftszentrums Brandenburg bei der HWK Potsdam prägten Sie den Satz „Handwerker sind keine Systemadministratoren ...“

Ja, mit dieser Aussage spreche ich wohl vielen meiner Berufskollegen aus der Seele: Wir brauchen für uns selbst und unsere Teams Lösungen zur Digitalisierung, die intuitiv verstanden und bedient werden können. So wie jeder von uns mit dem Handy schnell umgeht, wünsche ich mir das auch von einer App oder anderen Digitalisierungslösungen. Ich will eine Verbesserung der Unternehmensabläufe erreichen. Dafür muss die Lösung in ihrer Handhabung auch für meine Mitarbeitenden nachvollziehbar sein. Über das Deutsche Handwerksblatt erfuhr ich von der Möglichkeit der Unterstützung durch die Handwerkskammer. Nun begleitet uns die Kammer auf diesem Weg.

Wie lange brauchte die Umsetzung und sind Sie mit dem Ergebnis zufrieden?

Nachdem unsere Entscheidung gefallen war, brauchte es nur drei Wochen bis zum Einsatz des neuen Systems! Auch die Einarbeitung ging schnell. Einen Großteil der Daten erheben wir inzwischen just in time auf der Baustelle und übertragen sie in das System. Leistungsverzeichnisse, Baustellenbilder, Analyse- und Abnahmeprotokolle, Aufmaß-Skizzen, handschriftliche Stundenzettel usw. werden nun zentral erfasst. Der Mehrwert für meine Crew ist im Vergleich zu den jährlichen Lizenzkosten im zweistelligen Bereich unvergleichlich. Seit Mitte April arbeitet meine Mannschaft unter den neuen Bedingungen. Es funktioniert gut, die Umsetzung entspricht unseren Bedürfnissen. Meine Mitarbeitenden nutzen die Software nicht nur, sondern bringen in der Praxis weitere Ideen und Verbesserungsmöglichkeiten ein. Sie fühlen sich als Teil des Wandlungsprozesses.

Sind dank der positiven Erfahrungen weitere Schritte geplant?

Ja, das Thema begleitet uns weiter – sei es bei der Hinterlegung von allgemeinen Gefährdungsbeurteilungen, Nachweisdokumenten bei Kontrollen auf der Baustelle oder einer Login-Möglichkeit für unsere Kunden. Für mich ist eine geplante Befragung meiner Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen von Bedeutung, denn sie gestalten primär den digitalen Wandel. Ich möchte wissen, an welchen Stellen der Schuh drückt. Auch hier unterstützt uns die Handwerkskammer als Projektbeteiligte des Zukunftszentrum Brandenburgs.

Herr Schildhauer, danke für das Gespräch!

Unterstützung auf dem Weg zur Digitalisierung

Ziel des „Zukunftszentrums Brandenburg“ ist die Unterstützung von Handwerksbetrieben im digitalen Wandel unter partizipativen und sozialpartnerschaftlichen Ansätzen. Die Auswirkungen des digitalen Wandels auf die Mitarbeiter stehen dabei besonders im Fokus. Handwerksbetriebe erhalten über das Zukunftszentrum kostenfreie und individuelle Qualifizierung und ­Beratung. Das Zukunftszentrum Brandenburg wird durch Mittel des Euro­päischen Sozialfonds, des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales und des Landes Brandenburg gefördert.  Mehr Informationen unter www.­zukunftszentrum-brandenburg.de .

Bei Fragen können sich Betriebe an oder telefonisch unter 033207/34-235 melden.

Regionale Zukunftszentren befinden sich ebenfalls in Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen, siehe online unter www.zentrum-digitale-arbeit.de.

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