Vorgefalzte Stahlprofile schnell verlegt

Holzrahmenbau in Büsum mit Klick-Dach von Lindab verkleidet

In Büsum an der Nordseeküste entstand ein dreigeschossiges Wohnhaus in Holzrahmenbauweise mit einem Metalldach. Für die Bedachung des Hauses wählte man vorgefalzte Stahlprofile mit einer organischen Beschichtung. Die Stahlprofile konnten ohne Spezialwerkzeuge verlegt werden.

Die Gemeinde Büsum ist der drittgrößte Touristenort an der schleswig-holsteinischen Nordseeküste und überregional insbesondere bekannt durch die Krabbenfischerei, die am dortigen Hafen betrieben wird. In zentraler Lage, aber dennoch in einer ruhigen Parallelstraße zur Fußgängerzone, entstand dort dieses Jahr ein dreigeschossiges Mehrfamilienhaus mit acht Eigentumswohnungen, die als Ferienunterkünfte vermietet werden sollen. Zwei der Wohnungen in der oberen Etage sind Penthouse-Wohnungen, drei sind barrierefrei gestaltet. Für den Entwurf des Neubaus sind das Architekturbüro Jebens & Schoof aus Heide und die Zimmerei Hauswerk GmbH aus Westerdeichstrich verantwortlich. Die Zimmerei übernahm auch den Bau des Gebäudes in Holzrahmenbauweise und die Dacharbeiten. Der Baubeginn des Projekts war im Herbst 2019.

Der rauen Küstenluft getrotzt

„Die Architektur des Gebäudes ist sehr geradlinig und modern. Das wird vor allem am Dach deutlich, wo wir ohne Überstände gearbeitet haben“, sagt Hauswerk-Geschäftsführer Christian Schmidt, „das Dach hat unterschiedliche Neigungen und dadurch insgesamt eine ungewöhnliche Form.“

Als Bedachungsmaterial war ein Baustoff gefragt, der einerseits dem Gedanken der Langlebigkeit Rechnung trägt, sich andererseits aber auch nahtlos in die Optik des Gebäudes und der umgebenden Häuser einfügt. „Nicht vergessen sollte man auch, dass das Dach den Witterungseinflüssen an der Küste und dem Salzgehalt in der Luft trotzen muss“, sagt Jens-Peter Thede, Geschäftspartner von Christian Schmidt.

Beschichtung: Rapsöl statt Rohöl

Weil die Zimmerei Hauswerk bereits zwei weitere Bauvorhaben mit dem „Klick-Dach“ von Lindab erfolgreich realisiert hatte, fiel auch dieses Mal die Entscheidung zugunsten der Profile aus Stahlfeinblech. Das Metalldachsystem von Lindab wird im dänischen Jels produziert. Die Beschichtung des Stahls zum Schutz vor korrosionsbedingten Schäden wird in einem Werk des schwedischen Stahlkonzerns SSAB aufgetragen. Die Bleche werden mit einer organischen Beschichtung auf Basis von heimischem Rapsöl versehen. Im Gegensatz zu Beschichtungen auf Basis von fossilem Rohöl wird hier während des Aushärtungsprozesses weniger umweltbelastendes Kohlendioxid freigesetzt. Außerdem verdampft der Rapsmetylester nicht, vielmehr wird ein Teil des Moleküls im Zuge einer chemischen Reaktion zur permanenten Farbkomponente der Bleche. Die organisch beschichteten Stahlprofile erfüllen die Korrosionsklasse C4 und eignen sich somit auch für den Einsatz in Küstenregionen. Die patentierte, organische Beschichtung kommt außerdem bereits bei den Trapezprofilen, Dachpfannenprofilen und Kantteilen von Lindab zum Einsatz. 

Für das Neubauprojekt in Büsum fiel die Wahl auf die Stahlprofile im Farbton „Dark Silver“. Mit ihrer Farbe erinnern  die Stahlprofile optisch an patiniertes Zink. „Diese Farbe passte am besten zu der Klinkerfassade des Gebäudes und den Fensterrahmen aus Aluminium“, sagt Christian Schmidt zur Wahl des Farbtons.

Verdeckte Verschraubung

Das „Klick-Dach“ von Lindab verdankt seinen Namen dem Montagesystem: Die vorgefalzten Stahlprofile lassen sich ohne den Einsatz von Spezialwerkzeug mittels einer verdeckten Verschraubung montieren. „Wir benötigen für die Montage nur Akkuschrauber, Hammer, Falzzangen und Tauchsägen, was die Verarbeitungszeit deutlich verkürzt“, erklärt Jens-Peter Thede. Die Stahlprofile wurden auf einer diffusionsoffenen Trennlage mit Geflecht verlegt. Die Trennlage sorgt für die Hinterlüftung der Metallprofile, dämpft Schallgeräusche durch Regen und Hagel und führt Feuchtigkeit unterhalb der Profile ab. Ausschnitte in den Stahlprofilen erstellten die Handwerker mithilfe eines Blechknabbers (auch Blechnibbler genannt), einer Stichsäge und Blechscheren.

Photovoltaikanlage wird zur Herausforderung

Für die Projektplanung und Ausführung stand der Lindab-Außendienst den Handwerkern mit Rat und Tat zur Seite. Vor Ort betreute Lindab-Außendienstmitarbeiter Helmut Waluga das Projekt. „Die geplante Installation einer Photovoltaikanlage auf dem Metalldach stellte zunächst eine Herausforderung dar“, erinnert sich Helmut Waluga, „wir konnten aber schließlich passende Halterungen für die Befestigung der Solarmodule zur Verfügung stellen.“ Inzwischen bietet Lindab auch das „Lindab Solar Roof“ an, es besteht aus Dünnschicht-Solarzellen auf Dachbahnen, die werkseitig auf den Lindab-Stahlprofilen verklebt werden. Dieses System stand allerdings für den deutschen Markt noch nicht zur Verfügung, als das Projekt in Büsum umgesetzt wurde.

Insgesamt war der neue Dachaufbau auf dem dreigeschossigen Holzrahmenbau schnell verlegt. Die Dacharbeiten wurden im April 2020 innerhalb von 14 Tagen ausgeführt. Der Holzrahmenbau wurde abschließend mit einer Klinkerfassade verkleidet.

 

Autor

Ralf Rexin ist Verkaufsleiter im Bereich Baukomponenten bei Lindab in Deutschland.

Bautafel (Auswahl)

Projekt Neubau eines Mehrparteienhauses in

Holzrahmenbauweise mit Metalldach

Architekt Jebens Schoof Architekten BDA, 25746 Heide, www.jebensschoof-architekten.de

Holzbau & Dacharbeiten Hauswerk GmbH,

25761 Westerdeichstrich, http://hauswerk-ts.de

Weitere Informationen zu den Unternehmen
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