Drei Jahre und einen Tag auf der Walz
Steinmetzin und Holzbildhauerin möchte traditionelles Handwerk und andere Kulturen entdecken
Jaime Bolz, Steinmetzin und Holzbildhauerin, bei der Arbeit in der Werkstatt des Betriebs Eduard Schnell in Fridingen an der Donau
Foto: Jaime Bolz / Privat
Schon seit sie 16 Jahre alt ist, plant Jaime Bolz, auf die Walz zu gehen. Was damals als Schülerin eine Idee war, setzt die 22-jährige Handwerkerin nun in die Tat um. „Für mich ist das etwas Unausweichliches“, sagt die Steinmetzin aus Meßkirch, die plant, im kommenden Jahr 2027 das große Abenteuer zu starten. Noch sei sie allerdings auf der Suche nach einem Exportgesellen bzw. einer Exportgesellin. „Das ist jemand, der einen losbringt, die Regeln erklärt und am Anfang begleitet“, gibt sie einen Einblick über die ersten vier Monate zu Beginn der Walz. In dieser Zeit geben die erfahrenen Wandergesellen die Bräuche und wichtige Tipps weiter.
Gut gehütete Geheimnisse
„Für die Walz gibt es viele Regeln und Geheimnisse, die gut gehütet werden“, erzählt sie. Es gäbe unterschiedliche Gruppen (Gesellenvereinigungen und Schächte), die Informationen nur innerhalb der Vereinigung weitergeben. Eine eigene Welt, in die man sich Zugang verschaffen muss.
Auf einer Sommerbaustelle, die jedes Jahr an einem anderen Ort stattfindet, treffen sich jährlich Wandergesell:innen, arbeiten und tauschen sich aus. Dieses Jahr findet die Sommerbaustelle im September im Harz statt. „Da gehe ich auf jeden Fall hin“, sagt Jaime. Mehr über die schachtübergreifende Sommerbaustelle, die vom 31. August bis 11. Oktober im Harz stattfindet, lesen Sie unter diesem Link.
Drei Jahre und einen Tag sind die Wandergesell:innen traditionell unterwegs und dürfen drei Monate keinen Kontakt nach Hause aufnehmen. Danach können sie Briefe schreiben oder telefonieren, ein eigenes Mobiltelefon ist aber tabu.
Traditionelles Handwerk in Thailand entdecken
Schon seit sie 16 Jahre alt ist, plant Jaime Bolz auf die Walz zu gehen. Nächstes Jahr möchte sie ihr Vorhaben in die Tat umsetzen und sucht noch einen Exportgesellen, der sie zu Beginn der Wanderschaft begleitet
Foto: Jaime Bolz / Privat
Dass sie als Frau auf die Walz geht, findet Jaime Bolz nicht problematisch. „Allerdings muss ich mir gut überlegen, in welche Länder ich gehe. In einigen werde ich als Frau keine Arbeit finden.“ Und sie hofft darauf, mit jemandem gemeinsam reisen zu können und sagt: „Ich möchte auf jeden Fall nach Thailand.“
Jaime ist auch Holzbildhauerin, hat diese Ausbildung neben dem Abitur an der Heimschule Kloster Wald im Landkreis Sigmaringen gemacht und möchte in Thailand ins traditionelle Handwerk eintauchen. Dort werde noch viel mit Holz geschnitzt und gearbeitet. „Das interessiert mich sehr. Ich arbeite lieber mit Holz und auch gerne kreativ, figürlich, filigran.“
Die Arbeit mit dem Werkstoff Stein sei zwar schon körperlich anstrengend. Aber in dem Betrieb, in dem sie arbeite, der Firma Eduard Schnell in Fridingen an der Donau (siehe hier), habe man ihr als Frau nicht weniger zugetraut. „Ich habe immer gedacht, was die Jungs schaffen, schaffe ich auch – auch wenn ich länger brauche oder dafür einen anderen Weg finden muss. Wir Frauen können ja nicht nur soziale Berufe. Wenn einen im Handwerk die richtigen Menschen unterstützen, dann wird einem schnell klar ‚Ich kann voll viel‘ und das ist etwas sehr Schönes.“
(Quelle: Handwerkskammer Konstanz)
