Steildach mit Flüssigkunststoff ertüchtigt

Durch Risse im Bitumenschindeldach eines Einfamilienhauses drang immer wieder Feuchtigkeit in die Dachkonstruktion. Trotz wiederholter Reparaturen gelang es nicht, das Dach vollständig abzudichten. Der Bauherr entschied sich für eine Neuabdichtung mit Flüssigkunststoff.

Das Einfamilienhaus aus den 1930er Jahren, das der Bauherr 2004 in der Beuthstraße in Berlin-Mitte gekauft hatte, war – wie für ältere Bauten aus DDR-Zeiten üblich – mit Bitumenschindeln eingedeckt. „Wir vermuten, dass das Dach, wie der Anbau unseres Hauses, aus den 1980er Jahren stammt – wenn es am Haupthaus nicht sogar noch älter ist“, sagt der Bauherr. Trotz mehrmaliger, partieller Reparaturen kam es am Bitumen immer wieder zu Rissbildungen, aufgrund derer bereits Einlaufschäden vorlagen. Der Bauherr wünschte sich schließlich eine dauerhafte Lösung.

Dachabdichtung ohne Rückbau

Der Bauherr ging zuvor viele Optionen durch: „Es war fraglich, ob eine Neueindeckung mit anderen Schindeln statisch umsetzbar wäre. Und Wellblech war für uns keine Alternative. Wenn, dann hätten es wieder Bitumenschindeln werden müssen.“ Dem Bauherrn lag bereits ein Angebot für eine Neueindeckung vor, das er jedoch als zu kostspielig empfand. „Allein die Entsorgung der Bitumenschindeln als Sondermüll war sehr teuer“, erinnert er sich. Eine befreundete Architektin verwies ihn daraufhin an den örtlichen Dachdeckerbetrieb ABD Bedachungen. Auf der Website des Unternehmens stieß der Hauseigentümer auf die Möglichkeit, das Dach mit Flüssigkunststoff zu sanieren, ganz ohne Rückbau. Aufgrund des geringen Eigengewichts der Flüssigabdichtung kann diese auf den Altbestand aufgetragen werden, ohne die Statik negativ zu beeinflussen. Nach einer Beratung durch Dachdeckermeister und ABD-Geschäftsführer Réne Zschiebsch fiel die Entscheidung zugunsten dieser Methode. „Vor allem die große Zeitersparnis war ausschlaggebend. Und auch, dass wir mit dieser Lösung ein optisch ansprechendes Ergebnis realisieren konnten“, so der Bauherr. René Zschiebsch fügt hinzu: „In Anbetracht der vielen Durchdringungen am Dach, die es in die Abdichtung miteinzubeziehen galt, erwies sich eine Flüssigabdichtung als vorteilhaft. Der Blitzschutz zum Beispiel hätte ansonsten zurückgebaut und neu aufgebaut werden müssen. So konnten wir ihn im Bauteil belassen.“ 

Premiere am Steildach

Der Einsatz des Flüssigkunststoffs am Steildach war für den beauftragten Dachdeckerbetrieb eine Premiere. Réne Zschiebsch arbeitet bereits seit rund 20 Jahren mit Flüssigabdichtungen von Triflex – bislang jedoch ausschließlich am Flachdach. „Das Dach des  Eigenheims der Familie Herbst hat mit bis zu 25º eine relativ starke Neigung. Da darf das Material nicht abgleiten“, erklärt Réne Zschiebsch. Gemeinsam arbeiteten der Dachdeckermeister und der Hersteller Triflex an einer Lösung, die eine Haftung der „Triflex Protect“-Dachabdichtung auch auf einer geneigten Dachfläche sicherstellt. Zusammen mit einem Anwendungstechniker von Triflex erstellte der Dachdeckermeister Muster und führte Haftzugversuche durch. „Wir haben so lange probiert, bis wir die richtige Menge Stellmittel ausgemacht hatten, mit der es zu keinem Abrutschen kam“, sagt Zschiebsch.

Erst die Details, dann die Fläche

Vor Beginn der Abdichtungsarbeiten führten die Dachdecker eine Untergrundvorbehandlung durch. In einem ersten Schritt wurden zunächst alle Durchdringungen mit der systemintegrierten, vliesarmierten Detailabdichtung „Triflex Prodetail“ ausgeführt. Das Material ist hoch rissüberbrückend und haftet selbst an komplexen Geometrien sowie am senkrechten Bauteilanschluss vollflächig. Dann erfolgte die Bearbeitung der Fläche mit „Triflex Protect“. Dabei wird das Harz satt vorgelegt, eine Lage Spezialvlies (ebenfalls von Triflex) eingelegt und schließlich eine zweite Schicht aufgetragen. Die Arbeiten mit der Rolle machten den Dachdeckern auch am Satteldach keine Probleme. Um dem Farbton der Bitumenschindeln so nah wie möglich zu kommen, entschied sich der Bauherr für eine Versiegelung mit „Triflex Cryl Finish 205“ in Blaugrau (7031). Die Wartungswege wurden mit „Triflex Cryl SC 237“ in Signalgelb farblich abgesetzt.

Die Arbeiten am Dach konnten, einschließlich des Austauschs der Dachflächenfenster, innerhalb von fünf Wochen im Dezember 2021 fertiggestellt werden. „Die Reparatur verlief zügig und unproblematisch. Die Farbe sieht sehr gut aus. Jetzt haben wir lange Ruhe“, sagt der Bauherr. Réne Zschiebsch stimmt ihm zu: „Wir haben hier ein ebenso optisch ansprechendes wie dauerhaftes Ergebnis erzielt, ohne das Budget zu überschreiten. Diese Premiere ist uns echt geglückt!“

Autor

Jan Wittemöller ist Leiter der technischen Beratung bei der Triflex GmbH & Co. KG in Minden.

Bautafel (Auswahl)

Projekt Bitumenschindeldach eines Einfamilienhauses in Berlin mit Flüssigkunststoff neu beschichtet 

Dachfläche etwa 250 m²

Bauher R. Herbst

Dacharbeiten ABD Bedachungen GmbH, Berlin, www.abd-bedachungen.de

Bauzeit November bis Dezember 2021

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