Schutzhütte in Holzbauweise 

Die Schwarzensteinhütte in den Südtiroler Alpen

Auf über 3000 Metern Höhe entstand in den Südtiroler Alpen mit der Schwarzensteinhütte ein Zufluchtsort für Wanderer und Bergsteiger, um Rast zu machen und den Ausblick zu genießen. Der sechseckige, 18 Meter hohe Neubau wurde in Holzbauweise errichtet und erhielt eine Fassade aus Kupferblech.

Die alte Schwarzensteinhütte im Südtiroler Teil der Zillertaler Alpen musste erneuert werden, da sie wegen auftauender Permafrostböden statisch nicht mehr sicher war. Der Neubau entstand rund 100 m weiter oben am Berg. Die neue Hütte bietet einen Eingangsbereich mit Windfang, einen Aufenthaltsraum und eine Küche sowie Wasch- und Schlafräume für 50 Gäste. Das Erdgeschoss bietet Platz für die Küche und eine Stube mit einem langen Fensterband. Im ersten und zweiten Obergeschoss finden sich die Schlafkojen, im dritten Geschoss wohnt die Pächterin. Das erste Untergeschoss beherbergt Trockenräume, Duschen, Toiletten und Lagerräume. Die Haustechnik ist im zweiten Untergeschoss untergebracht.

Bauen im Extremen

Nicht nur die Witterung, sondern vor allem die Logistik war eine Herausforderung beim Bau der neuen Schutzhütte. Die felsberührenden Bereiche wurden aus Beton gebaut. Alle anderen Bauteile bestehen aus Holz. Die schlanken Wand- und Deckenelemente aus Holz sorgten für eine schnelle Bauzeit, denn sie waren wegen ihres geringen Gewichts leichter auf den Berg zu transportieren. Um das Baumaterial flexibel transportieren zu können, wurde eine temporäre Seilbahn eingerichtet. Diese war eine kostengünstige Alternative zum Hubschrauber, der nur für die Handwerker zum Einsatz kam. Bei dem Neubau der Hütte musste darauf geachtet werden, dass das Baumaterial auch bei Nässe und Minusgraden verarbeitbar und montierbar war. Im August 2016 begannen die Betonierarbeiten, im Oktober wurden die ersten Holzbauelemente für Wände, Decken und Dach der Schwarzensteinhütte montiert. Für die Außenwände in Holzrahmenbauweise setzte man Konstruktionsvollholz ein. Die Innenwände sind aus Brettsperrholz in 100-140 mm Dicke gefertigt, die Decken aus Massivholz in 140-180 mm Dicke. Für die beidseitige Beplankung der Außenwände nutzte man „Swiss Krono OSB/4“ Platten in 18 und 22 mm Stärke.

Ende Oktober 2016 wurde die Baustelle winterfest gemacht und der Rohbau mit OSB-Platten eingehaust. Die gesamte Gebäudehülle war während der Wintermonate mit den Holzwerkstoffplatten verkleidet, um den Rohbau vor der kalten Witterung zu schützen. Erst im Juli des darauffolgenden Jahres wurden die Arbeiten fortgesetzt und im Oktober 2017 abgeschlossen. Die Fassade wurde mit Kupferblech verkleidet, das mittlerweile patiniert und nachgedunkelt ist.

Das Gebäude gewinnt Strom aus einer Photovoltaikanlage. Elektrische Energie wird in einer Batterie gespeichert und kann nach Bedarf abgerufen werden. Trinkwasser wird aus Gletscher- und Schmelzwasser gewonnen und aufbereitet. Die Ausstattung der Hütte ist auf das Wesentliche reduziert, die Schlafkojen sind mit naturbelassenem Fichtenholz ausgekleidet. Es gibt nicht viel Luxus in der Berghütte – aber dafür eine wunderbare Aussicht.

Autorin

Ute Bachmann arbeitet als selbständige Autorin für die Werbeagentur Nowack in Bovenden und betreut Swiss Krono bei der Pressearbeit.

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