Schulerweiterung in Holzbauweise

Brüninghoff realisiert Ersatz- und Erweiterungsbau für die St.-Michael-Grundschule in Reichswalde (Kleve)

Die St. Michael Grundschule im Ortsteil Reichswalde der Stadt Kleve wurde nach einem verheerenden Brandschaden umfassend erneuert. Die Brüninghoff Group plante und errichtete einen Ersatz- und ­Erweiterungsbau für die Schule in Holzbauweise mit einer Dachbegrünung und Photovoltaikanlage.

Der Neubau an der St. Michael Grundschule in Reichswalde ersetzt nicht nur die durch einen Brand zerstörten Mehrzweckräume, sondern erweitert die Schule um einen Verwaltungsbereich und zusätzliche Räume, um den wachsenden Schülerzahlen gerecht zu werden. Seit Beginn des Schuljahres 2025 nutzen rund 200 Schülerinnen und Schüler sowie zwölf Lehrkräfte die Räumlichkeiten des neuen Erweiterungsbaus. Dazu gehören vier Klassenräume, zwei Inklusions- und zwei Differenzierungsräume, ein Lehrerzimmer, ein Sekretariat, ein Büro für die Schulleitung sowie WCs. Der Verwaltungstrakt ist eingeschossig und der Bereich mit den Klassenräumen zweigeschossig ausgeführt.

An der St. Michael Grundschule in Kleve wurde ein neues Ersatz- und Erweiterungsgebäude in Holzbauweise errichtet
Foto: Brüninghoff

An der St. Michael Grundschule in Kleve wurde ein neues Ersatz- und Erweiterungsgebäude in Holzbauweise errichtet
Foto: Brüninghoff
Die Generalplanung des Neubaus, von der Architektur- und Tragwerksplanung über die Holzbaufachplanung bis zur Technischen Gebäudeausrüstung, übernahm nach internem ­Auftrag die Firma Plansite integral design & engineering, ein Tochterunternehmen der Brüninghoff Group. Die Errichtung des Gebäudes erfolgte im laufenden Schulbetrieb, was eine präzise Planung und enge Abstimmung mit der Schulleitung erforderte. Um den Schulalltag nicht zu beeinträchtigen und die Sicherheit der Kinder zu gewährleisten, wurden Bauzäune und Sichtschutzwände rund um die Baustelle aufgestellt.

Holzbauweise mit hohem Vorfertigungsgrad

Der Neubau der Grundschule basiert auf einer Konstruktion in Holzrahmenbauweise, die auf einem Betonsockel errichtet wurde. Die tragenden Wände bestehen aus vorgefertigten und auf der Baustelle montierten Holzrahmenelementen. Aufgrund des hohen Vorfertigungsgrads konnten viele Arbeiten ins Werk verlagert werden, was Lärmemissionen auf der Baustelle reduzierte. Die Wände bestehen aus einer 24 cm starken Holzrahmenkonstruktion, die mit 240 mm Mineralwolle gedämmt und mit 16  mm dicken Holzfaserdämmplatten versehen wurde. Eine hinterlüftete Holzfassade, die vorvergraut gestrichen wurde, bildet die äußere Schicht des Wandaufbaus.

Brettsperrholzdecken mit Witterungsschutz

Der Neubau mit Holzfassade wurde an das bestehende Schulgebäude (rechts im Bild) angebaut. Die Anbindung des Neubaus an die bestehenden Gebäude erfolgte durch mehrere Übergänge
Foto: Brüninghoff

Der Neubau mit Holzfassade wurde an das bestehende Schulgebäude (rechts im Bild) angebaut. Die Anbindung des Neubaus an die bestehenden Gebäude erfolgte durch mehrere Übergänge
Foto: Brüninghoff
Die Decken des Gebäudes bestehen aus Brettsperrholzplatten (BSP) in einer Dicke von 28 cm für die Geschossdecken und 24 cm für die oberen Decken des zweiten Geschosses. Die Deckenelemente wurden im Werk mit einer Schutzfolie versehen, um den Witterungsschutz während der Montage zu gewährleisten. Die bis zu 11 m langen und 2,5 m breiten Deckenelemente wurden mit Abhangdecken verkleidet. Das Dach des Schulgebäudes wurde extensiv begrünt. Vor der Begrünung wurden eine Dampfsperrbahn und eine Gefälledämmung aus Mineralwolle (WLG 040) auf dem Dach verlegt. Anschließend folgten eine Schutzfolie sowie eine Vegetationsschicht für die Dachbegrünung. Eine Drainageschicht sorgt für die gedrosselte Ableitung des Regenwassers, während eine wurzelfeste Folie die darunterliegende Holzkonstruktion schützt.

Energiekonzept

Ein zentrales Element des Neubaus ist sein nachhaltiges Energiekonzept: Die Schule ist mit einer Photovoltaikanlage ausgestattet, die eine Mindestleistung von 32 kWp erreicht und einen Großteil des benötigten Stroms erzeugt. Ergänzt wird diese Anlage durch eine Luft-Wasser-Wärmepumpe, die sowohl für die gleichmäßige Beheizung als auch für die Kühlung des Gebäudes – in Verbindung mit einer eingebauten Fußbodenheizung – sorgt. Jeder Klassenraum verfügt zudem über ein dezentrales Lüftungsgerät zur Raumtemperierung sowie für die Be- und Entlüftung.

Das Dach des Schulgebäudes wurde begrünt und mit einer Photovoltaikanlage versehen
Foto: Brüninghoff

Das Dach des Schulgebäudes wurde begrünt und mit einer Photovoltaikanlage versehen
Foto: Brüninghoff
Die technische Gebäudeausrüstung (TGA) wurde in den Leistungsphasen 3 bis 5 von Plansite geplant und umfasst Systeme für die Heizung, Lüftung und Beleuchtung, die auf maximale Energieeffizienz ausgelegt sind. Die Dämmung der Wände und Decken ist so ausgeführt, dass die Anforderungen der aktuellen Energieeinsparverordnung (EnEV) deutlich übertroffen werden. Zusätzlich wurde ein erhöhter Schallschutz zwischen den Klassenräumen und Fluren umgesetzt. Hierfür kamen spezielle Vorsatzschalen mit Federschienen zum Einsatz, die die Schallübertragung minimieren.

Barrierefreiheit

Die barrierefreie Gestaltung des Gebäudes, das mit einem Aufzug ausgestattet wurde, war ein zentraler Bestandteil der Planung. Die Klassenräume des Erweiterungsbaus wurden zum Schulhof hin ausgerichtet, der Verwaltungsbereich und die Mehrzweckräume sind zur Straßenseite angeordnet. Die Anbindung des Neubaus an die bestehenden Gebäude wurde durch drei Übergänge gelöst: Zwei im Erdgeschoss führen zur Turnhalle und zum Altbestand, während ein überdachter Übergang im Obergeschoss den Neubau mit einem weiteren Bestandgebäude verbindet.

Logistische Herausforderungen

Die Umsetzung des Projekts war von logistischen Herausforderungen geprägt: Die schmale Zufahrt zur Baustelle erforderte eine präzise Logistikplanung, um den Schulbetrieb nicht zu beeinträchtigen. Da keine Lagerflächen vor Ort zur Verfügung standen, wurden die vorgefertigten Holzbauelemente just-in-time angeliefert und direkt montiert.

Nach dem Abriss der brandgeschädigten Gebäudeteile wurde die bestehende Bodenfläche als Schotterfläche vorbereitet, sodass direkt mit der Erstellung der Bodenplatte begonnen werden konnte. Die Brandschutzmaßnahmen des Neubaus umfassten F30-Geschossdecken sowie eine Brandmeldeanlage. Besondere Aufmerksamkeit wurde dem Brandschutz in den Übergangsbereichen zu den angrenzenden Gebäuden gewidmet.

Eine Fußbodenheizung und ein dezentrales Lüftungsgerät für jeden Klassenraum ermöglichen die Raumtemperierung sowie die Be- und Entlüftung
Foto: Brüninghoff

Eine Fußbodenheizung und ein dezentrales Lüftungsgerät für jeden Klassenraum ermöglichen die Raumtemperierung sowie die Be- und Entlüftung
Foto: Brüninghoff
Mit dem Ersatz- und Erweiterungsbau der St. Michael Grundschule in Reichswalde hat die Brüninghoff Group ein Vorzeigeprojekt für nachhaltigen Schulbau geschaffen. Mit einer Bauzeit von nur elf Monaten wurde das Projekt termingerecht und im vorgegebenen Budgetrahmen im Juli 2025 abgeschlossen.

Autorin

Mareike Wand-Quassowski ist geschäftsführende GbR-Gesellschafterin der Agentur Kommunikation2B in Dortmund.

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