Recycling von Kunststoffdachbahnen

Aufgrund ihrer Wurzelfestigkeit eignen sich Kunststoffdachbahnen gut als Abdichtung unter einem Gründachaufbau. Außerdem lassen sie sich am Ende ihrer Nutzungsdauer sammeln und wieder dem Produktionskreislauf zuführen. Wir zeigen, wie das Recycling von Kunststoffdachbahnen abläuft.

Von der Wegwerfgesellschaft zur Kreislaufwirtschaft: Erst Anfang März 2019 hat die Europäische Kommission ihren Bericht zu einem entsprechenden Aktionsplan vorgelegt. In Deutschland hat das Bundesumweltministerium im November 2018 einen eigenen Fünf-Punkte-Plan vorgelegt, der ein verstärktes Recycling von Produkten zum Ziel hat. Die Hersteller von Kunststoffdach- und Dichtungsbahnen gehen bereits seit 15 Jahren mit gutem Beispiel voran: Für PVC-haltige Produkte gibt es im Rahmen einer freiwilligen Selbstverpflichtung das Ziel, alle verfügbaren Kunststoff-Altdachbahnen am Ende ihrer Nutzungsdauer werkstofflich wiederzuverwerten („Roofcollect“-System, siehe Infokasten unten). Dazu kommt: Beim Einsatz als Dachabdichtung weisen Kunststoff-bahnen eine hohe Nutzungszeit auf.

Lange Nutzungszeit

Über die Umweltwirkungen von Bau- und Werkstoffen geben Umweltproduktdeklarationen – englisch: Environmental Product Declarations (EPD) – Aufschluss. Die EPDs betrachten mindestens den Prozess von der Herstellung bis zum Werktor oder gegebenenfalls auch den weiteren Lebenszyklus sowie die Verwendung nach der Nutzungsphase, beispielsweise ob das Bauprodukt wieder in den Produktionskreislauf zurückgeführt wird oder sein Lebensweg endet. Das ermöglicht, die langfristige Wirkung von Bauteilen auf das Ökosystem zu kalkulieren: Produktion, Transport, Nutzung, Rückbau und Recycling von Bauprodukten werden bei der Erstellung einer Umweltproduktdeklaration mit einbezogen. Betrachtet man den gesamten Lebenszyklus der Dachabdichtung, haben Kunststoffdachbahnen mit ihrer hohen Witterungs- und Alterungsbeständigkeit eine hohe Nutzungsdauer.

Wasserschutz bei Dachbegrünungen

Auch während der Nutzung zeigen sich Vorteile bei der Dachabdichtung mit Kunststoffbahnen. Vor allem bei der Realisierung einer Dachbegrünung besteht ein hohes Potenzial: Bei Kunststoffdachbahnen kann auf den Einsatz von chemischen Wurzelschutzmitteln (Herbiziden) verzichtet werden. Somit besteht auch nicht das Risiko der Auswaschung und dem Eintreten solcher Stoffe ins Grundwasser. Kunststoffdachbahnen sind dauerhaft wurzelfest, das haben anerkannte Prüfungen nach dem FLL-Verfahren (Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung Landschaftsbau e. V., Bonn) bestätigt. Damit bieten die Produkte eine wichtige Voraussetzung, um die Abdichtung eines Daches auch unter einer Dachbegrünung zu gewährleisten.

Schritte des Rückbaus und Recyclings

Bei Kunststoffen, die bei der Herstellung von Kunststoffdachbahnen zum Einsatz kommen, handelt es sich um wertvolle Rohstoffe. Sie lassen sich am Ende der Nutzungsdauer einer Dachbahn recyceln. Die European Single ply Waterproofing Association (ESWA) hat dafür mit „Roofcollect“ ein Sammelsystem für Kunststoffdach- und Dichtungsbahnen eingeführt (2004). Die durch die Organisation vertretenen Hersteller beteiligen sich an der freiwilligen Selbstverpflichtung, Kunststoffdachbahnen am Ende ihrer Nutzung werkstofflich zu verwerten. Ziel ist dabei, langfristig alle verfügbaren Altdachbahnen wiederzuverwerten. Sortenrein getrennt lassen sich die Kunststoffe aufbereiten und einer erneuten stofflichen Nutzung zuführen.

In der Praxis ist es ratsam, sich frühzeitig über die konkreten und aktuellen Modalitäten des Rücknahmesystems zu informieren (siehe www.roofcollect.com ). In diesem Zusammenhang kann sich der Dachhandwerker an den Lieferanten der neuen Dachabdichtungsbahn wenden, die anstelle der alten Dachbahn eingesetzt werden soll.

Abholung von der Baustelle

Vor dem Rückbau der alten Dachbahnen säubern die Dachdecker die Abdichtung auf dem Dach im ersten Schritt besenrein. Danach werden die Bahnen in 1 m breite Stücke zerschnitten, abgezogen und die Befestigungselemente wie Schrauben und Lastverteilteller entfernt. Um das benötigte Transportvolumen so gering wie möglich zu halten, sollten die Bahnen so eng wie möglich aufgerollt werden. Die Rollen werden dann mithilfe von Big Bags oder bei Großbaustellen gegebenenfalls per Container von der Baustelle abtransportiert. Die Anmeldung zur Abholung muss einige Tage vor dem geplanten Abholtermin erfolgen und ist mit dem Logistikpartner sowie dem Entsorgungspartner abzustimmen.

Autor

Dipl. Ing. Adrian Dobrat ist Geschäftsführer des Industrieverbands der Hersteller von Kunststoffdach- und Dichtungsbahnen DUD e. V.

Das System „Roofcollect“

 

Der Industrieverband der Hersteller von Kunststoffdach- und Dichtungsbahnen (DUD) ist Mitglied der ESWA (European Single ply Waterproofing Association). Der Europäische Dachverband der Kunststoffdachbahnen-Hersteller beteiligt sich an der freiwilligen Selbstverpflichtung der PVC-Industrie („VinylPlus“), gebrauchtes Material anzunehmen, zu sammeln und wiederaufzubereiten. Fortschritte über die Einhaltung dieser Zielsetzung werden jährlich der Europäischen Kommission vorgelegt und veröffentlicht.

ESWA hat das „Roofcollect“-System eingeführt, welches der Rücknahme von gebrauchten Kunststoffbahnen dient. Dabei wird mit verschiedenen Entsorgungsunternehmen zusammengearbeitet. Alle Arten von Kunststoffdachbahnen werden je nach Verlegungsart und Ausbauzustand getrennt gesammelt und entsprechend gekennzeichnet.

Die Interseroh Entsorgungsdienstleistung GmbH in Köln übernimmt in Deutschland die Abwicklung der Rücknahme für gebrauchte PVC-und PIB-Dachbahnen. Interseroh nennt auf Anfrage Entsorgungspartner, die Big-Bags stellen und die Entsorgung vornehmen. Abgeholt werden die alten PVC-Bahnen in der Regel innerhalb von fünf Werktagen. Die Anmeldeunterlagen für die Entsorgung und Abholung können Sie anfordern bei ISD Interseroh, Tel.: 02203/9147-1366 oder per Mail an .

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