Neues Parkhaus entsteht in Holzbauweise
Österreichs größtes Holzparkhaus mit Konstruktion aus Brettschicht- und Brettsperrholz bietet 500 StellplätzeIm oberösterreichischen Weng entstand im Zuge einer Unternehmenserweiterung das größte Holzparkhaus Österreichs. Der fünfgeschossige Neubau bietet rund 500 Stellplätze für Mitarbeitende. Die tragende Holzkonstruktion besteht aus Stützen und Trägern aus Brettschichtholz sowie Deckenelementen aus Brettsperrholz. Insgesamt kamen rund 45 000 Holzbauschrauben bei der Errichtung des Parkhauses zum Einsatz.
Durch das kontinuierliche Wachstum des Unternehmens Hargassner, Hersteller von Biomasse-Heizsystemen wie Pellet-, Stückholz- oder Hackgutheizungen, wurde 2023 die Erweiterung des Firmensitzes im oberösterreichischen Weng notwendig. Im Zuge der Erweiterung des Firmensitzes entstand die Idee, das neue Parkhaus für die Mitarbeitenden in Holzbauweise zu errichten.
Parkhaus in Holzbauweise und Anbau mit Kita
Das fünfgeschossige Holzparkhaus in Weng bietet rund 500 Stellplätze für Mitarbeitende
Foto: Hargassner Ges. mbH
Das fünfgeschossige Holzparkhaus in Weng bietet 500 Stellplätze auf insgesamt 10 Parkebenen, jede mit rund 1150 m² Fläche. Die Ebenen sind über Rampen verbunden, sodass ein reibungsloser Verkehrsfluss gewährleistet ist. Ergänzt wird das Parkhaus durch einen Anbau mit Kita für die Kinder der Mitarbeitenden.
Die Planung des Projekts übernahm das Büro Matulik Architekten aus Ried im Innkreis. Das Gebäude sollte nicht nur ausreichend Stellplätze schaffen, im Fokus stand laut dem Planungsbüro auch die Entwicklung eines funktionalen, nachhaltigen und architektonisch ansprechenden Parkhauses, das die Unternehmenswerte widerspiegele. Für die Tragstruktur kamen Brettschichtholzstützen sowie Decken- und Dachträger aus Brettschichtholz (BSH) zum Einsatz. Die Deckenelemente wurden aus Brettsperrholz (CLT) gefertigt. Insgesamt wurden mehr als 2300 m³ Holz verbaut.
Die Lamellenfassade lässt viel Tageslicht ins Gebäude, für eine helle, warme Atmosphäre im Innenraum und schützt die tragende Struktur des Gebäudes vor Witterungseinflüssen
Foto: Hargassner Ges. mbH
Gleichzeitig stellte die Planung besondere Anforderungen an den Brand- und Feuchteschutz. Die Fluchttreppenhäuser wurden in Stahlbeton ausgeführt, während die tragende Holzkonstruktion durch eine Sprinkleranlage geschützt wird. Da Parkhäuser durch Witterungseinflüsse und eingetragene Nässe besonderen Belastungen ausgesetzt sind, waren laut dem Planungsbüro Matulik Architekten entsprechende konstruktive Lösungen gefordert. Um die Tragstruktur vor Witterungseinflüssen zu schützen, wurde eine Lamellenfassade aus gehobelten Lärchenlatten geplant, die zugleich eine natürliche Belüftung des Gebäudes ermöglicht.
Ingenieurholzbau mit hohem Vorfertigungsgrad
Träger und Stützen aus Brettschichtholz und Brettsperrholzdecken bilden die tragende Struktur des Holzparkhauses in Österreich
Foto: Hargassner Ges. mbH
Die Umsetzung der Holzkonstruktion übernahm die Wiehag Holding GmbH, ein auf großdimensionierte Holztragwerke spezialisiertes Unternehmen. Wiehag war für die Planung, Produktion, Lieferung und Montage der gesamten Holzkonstruktion verantwortlich. Dabei setzte das Unternehmen auf einen hohen Vorfertigungsgrad. Viele Elemente konnten bereits im Werk vorgefertigt werden, wodurch sich die Montagezeit auf der Baustelle deutlich verkürzte. Holz bietet für die Vorfertigung mehrere Vorteile: Das Material ist vergleichsweise leicht, ermöglicht große Spannweiten und kann dank moderner Fertigungstechnologien präzise verarbeitet werden. Darüber hinaus trägt Holz als nachwachsender Rohstoff zur CO2-Reduktion bei: Durch die Holzbauweise des Parkhauses konnten im Vergleich zu einer konventionellen Betonkonstruktion rund 8200 t CO2 eingespart werden.
Verbindungstechnik für hohe Tragfähigkeit
Bei einem Holzbau dieser Dimension spielen Verbindungsmittel eine zentrale Rolle. Sie sorgen dafür, dass die einzelnen Bauteile dauerhaft miteinander verbunden sind und die auftretenden Kräfte sicher übertragen werden können.
Die „Topix-Plus Combi Connect“-Schrauben von Heco sorgen für sichere Zug- und Druckanschlüsse in der Holzkonstruktion des Parkhauses
Foto: Hargassner Ges. mbH
Im Holzparkhaus in Weng wurden rund 45 000 „Heco Topix-Plus Combi Connect“-Holzbauschrauben in unterschiedlichen Dimensionen eingesetzt. Die Doppelgewindeschrauben sind für den Ingenieurholzbau konzipiert und eignen sich für hochbelastete Zug- und Druckanschlüsse. Sie verfügen über zwei aufeinander abgestimmte Gewinde: Das vordere Gewinde zieht sich schnell ins Holz, während das hintere für einen zusammenziehenden Effekt sorgt. So werden die Holzbauteile kraftschlüssig verbunden und gleichmäßig fixiert. Besonders bei den Verbindungen zwischen den Brettsperrholz-Deckenelementen und Brettschichtholz-Trägern kamen die Schrauben mit ETA-Zulassung zum Einsatz. Übersichtliche Bemessungsunterlagen, Softwaretools und die technische Beratung von Heco halfen dem Planungsbüro Matulik bei der Planung der großen Spannweiten und der Berechnung der schräg belasteten Schraubenverbindungen.
Vorbild für nachhaltige Infrastruktur
Aus Sicht der Beteiligten zeigt das Projekt, das im Mai 2024 abgeschlossen wurde, dass sich auch größere Bauvorhaben in Holzbauweise effizient und nachhaltig realisieren lassen. Voraussetzung ist, dass Planung, Ausführung und Materialeinsatz frühzeitig ineinandergreifen. Zudem wirkt die sichtbare Holzkonstruktion des neuen Parkhauses modern, offen und identitätsstiftend für den Unternehmensstandort. Für Mitarbeitende sind komfortable, helle Parkflächen entstanden – für das Unternehmen Hargassner soll das neue Parkhaus ein Zeichen der Wertschätzung für die Mitarbeitenden sein.
AutorDipl.-Ing. (FH) Uwe Stehle ist Bauingenieur und Produktmanager Holzbau bei Heco-Schrauben.
