Handwerkerhotel mit wartungsarmer Fassade

Vorgehängte hinterlüftete Fassade aus Faserzementplatten für Handwerkerhotel in Eckental

Beim Neubau eines Hotels in Eckental entschied sich der Bauherr für eine vorgehängte, hinterlüftete Fassade mit Faserzementpaneelen in Holzoptik. Die Platten sind mit einem Nut- und Federsystem ausgestattet und bilden an der Fassade eine langlebige Konstruktion mit geringem Wartungsaufwand.

Im mittelfränkischen Eckental hat der Unternehmer Markus Gildner ein Hotel speziell für Handwerker errichten lassen. Die 25 m² großen Appartements des Neubaus sind jeweils mit einem Badezimmer und einer voll eingerichteten Küche ausgestattet. Satelliten-TV und High-Speed-Internet ermöglichen den Hotelgästen Entspannung und Ablenkung nach einem anstrengenden Arbeitstag.

Markus Gildner ist Generalunternehmer und Bauherr des neuen Handwerkerhotels. Gildner plant und realisiert seit 2015 Wohnprojekte für Menschen in besonderen Lebenssituationen, denen aus unterschiedlichen Gründen ein Zugang zum regulären Wohnungsmarkt erschwert wird oder unmöglich ist. So hat er beispielsweise für Flüchtlinge, Menschen mit psychischen Erkrankungen, Behinderungen und mit Einkommensarmut – insbesondere im Alter – in Bayern und Hessen neue Wohnanlagen gebaut. Mit der Siedlung „Niederfeld“ in Frankfurt am Main hat er nach eigenen Angaben das größte gemeinschaftliche Wohnprojekt im Rhein-Main Gebiet umgesetzt. Das neue Hotel in Eckental erzeugt laut Bauherr jährlich etwa 21 000 kWh Strom aus der Sonne und verbraucht rund 15 210 kWh Primärenergie für Heizung und Warmwasser. Die CO2-Emissionen des Gebäudes betragen mit jährlich 5,49 kg/m² nur 11 Prozent eines durchschnittlichen Gebäudes (49,7 kg/m²). Zudem wurde das Gebäude zu 90 Prozent mit mineralischen und zum Teil mit recycelten Baustoffen erstellt.

 

Nichttragende Innenwände in Holzbauweise

Das Tragwerk des Gebäudes wurde massiv in Schottenbauweise gebaut. Das bedeutet, das mehrere tragende Wände parallel angeordnet sind und quer zur Längsachse des Gebäudes verlaufen. Dabei kam für die tragenden Innenwände Kalksandstein zum Einsatz. Die nichttragenden Innenwände sind in Holzständerbauweise konstruiert, die nichttragenden Außenwände in Holzrahmenbauweise. Die tragenden Stirnwände des Neubaus sind aus Mauerwerksziegeln gemauert. In seinen aktuell laufenden Bauprojekten könne auch diese Außenwand durch eine Holzwand ersetzt werden, erklärt Markus Gildner.

 

Massives Tragwerk an Holzbau angepasst

„Zuerst wurden die Holzwände errichtet, dann das massive Tragwerk dem Holzbau angepasst“, erklärt Gildner. Die Holzaußenwände wurden dabei in die massiven Wände und Decken des Gebäudes eingebunden. „Bei der Verbindung von Holzwänden und dem massiven Tragwerk kamen keinerlei Metallwinkel oder Knotenbleche zum Einsatz“, sagt der Bauherr des Handwerkerhotels. In der Bodenplatte wurden die Holzwände mit „Stexon“-Schnellsteckverbindern positioniert und verankert. Etwaige Quer- und Schubkräfte der Holzwände werden durch die Massivbauteile aufgenommen.

 

Mobile Zimmerei

Alle Holzrahmenwände für den Neubau wurden in einer mobilen, überdachten Zimmerei vor Ort erstellt. „Mit der mobilen Zimmerei lassen sich Dach- und Wandelemente direkt vor Ort fertigen und einbauen, auf einer Grundfläche von 280 m²“, sagt Markus Gildner. Dabei nutzten die Handwerker einen Zimmermannstisch von Randek für die Vorfer­tigung. „Dieser Montagetisch wurde mit einer selbstgebauten, hydraulischen Wendeeinrichtung erweitert, mit der Wände bis 2,5 t Gewicht gewendet werden können“, erklärt Gildner.

 

Holzwände mit vorgehängter hinterlüfteter Fassade

Die nichttragenden Außenwände des Hotels in Holzrahmenbauweise wurden mit einer vorgehängten hinterlüfteten Fassade versehen. Raumseitig wurden die Außenwände einlagig mit der Fermacell-Gipsfaserplatte „Vapor“ (d=15 mm) beplankt. Diese Platte reduziert durch eine auf der Plattenrückseite aufgebrachte Kaschierung die Wasserdampfdurchlässigkeit, sodass zusätzliche, dampfbremsende Schichten in der Außenwandkonstruktion entfallen können. Gedämmt wurden die Außenwände mit Mineralwolle (WLG032) in 240 mm Dicke. Der äußere Wandabschluss wurde im Bereich notwendiger Flure und Treppenhäuser mit der Brandschutzplatte „Fermacell Firepanel A1“ ausgeführt, die nach Baustoffklasse DIN EN 13501-1 als nichtbrennbar (A1) eingestuft ist.

 

Leichtbetonplatten als Putzträger im Außenbereich

Bei allen Wandbereichen, die verputzt werden sollten, wurde der äußere Wandabschluss mit der zementgebundenen, glasfaserbewehrten Leichtbetonplatte „Fermacell Powerpanel HD“ hergestellt. Diese kann als Putzträgerplatte im Außenbereich eingesetzt werden und bietet nach der Montage bis zu sechs Monate Schutz vor Witterungseinflüssen, ohne dass zusätzliche Schutzmaßnahmen ergriffen werden müssten. Mit einem geeigneten Putzsystem, wie es in diesem Fall aufgebracht wurde, verfügen Außenwandkonstruktionen, die mit „Fermacell Powerpanel HD“ erstellt werden, über einen dauerhaft wirksamen Wetterschutz.

Die Dachkonstruktion des Hotels ist ein reines Pfettendach, dass ohne Sparren auskommt und nur aus First- und Fußpfetten besteht. Über den Pfetten wurden gedämmte Sandwichpaneele verlegt, die als Einfeldträger eine Länge von bis zu 10,78 m überspannen. Sowohl die Fermacell-Gipsfaserplatten als auch die zementgebundenen Leichtbetonplatten passen gut ins Konzept des Handwerkerhotels. Die Gipsfaserplatten wurden auf ihre gesundheitliche Unbedenklichkeit vom Kölner eco-Institut geprüft. Die „Powerpanel HD“-Platten können als rein mineralischer Baustoff voll wiederverwertet werden. Das Glasschaumgranulat der Deckschichten wird außerdem vollständig aus Recyclingglas gewonnen.

 

Verdeckte Montage mit Nut und Feder

Die aus der Fluchtlinie des dreistöckigen Baukörpers hervorspringenden Teile des Neubaus, die sogenannten Zwerchhäuser, sind mit einer Putzfassade in einem grau-grünen Farbton („Cardroom Green“) gestaltet. Dazu kombinierte der Bauherr auf den weiteren Fassadenflächen des Hotels eine vorgehängte hinterlüftete Fassade aus Faserzementpaneelen mit Holzoptik im Farbton „Nebelgrau“. Die hier verarbeiteten „Hardie VL Plank“-Fassadenplatten sind mit einem Nut- Feder-System ausgestattet, sodass sie nahezu nahtlos ineinandergreifen. Sie werden verdeckt und ohne Vorbohren horizontal mit Schrauben oder Nägeln auf der Unterkonstruktion montiert. Dabei hat sich die Befestigung auf der Unterkonstruktion mit einem Nagelschussgerät und Coilnägeln aus Edelstahl bewährt.

 

Drei Wochen für die Fassade

Der Zuschnitt der Fassadenplatten aus Faserzement ist mit Tisch- und Handkreissägen und dem „Hardie Blade“-Sägeblatt möglich. Das System wird ergänzt durch Metallzierleisten für den Abschluss von Außen- und Innenecken sowie Tür- und Fensterrahmen. Für die Verarbeitung der etwa 700 m² „Hardie VL Plank“-Fassadenplatten wurden rund drei Wochen benötigt. Insgesamt betrug die Bauzeit für das gesamte Gebäude nur acht Monate – im Januar 2022 wurde das Hotel fertiggestellt und bezogen.

 

Wartungsarme Konstruktion

Neben der schnellen und einfachen Verarbeitung ­waren für den Bauherrn und Generalunternehmer Markus Gildner die robusten Produkteigenschaften der Faserzementpaneele für die Fassade wichtig. Die „Hardie VL Plank“-Platten werden auf Basis von Portland-Zement, Sand und Zellulosefasern hergestellt. Eine spezielle Formel sorgt dabei für die Stabilität und Stoßfestigkeit sowie Witterungsbeständigkeit des Materials. Die Fassadenplatten erfüllen zudem die Anforderungen der Baustoffklasse A2-s1, d0 und sind somit gemäß in­ter­na­tio­naler Klassifizierung nicht brennbar.

 

Kein Streichen nötig

Eine speziell von James Hardie Europe entwickelte Beschichtungs- und Auftragsmethode, bei der die Farbe im Werk in mehreren Schichten aufgetragen und eingebrannt wird, bietet die Grundlage für die hohe Langlebigkeit und Strapazierfähigkeit der Farbbeschichtung der Faserzementpaneele. Sie schützt die Platten außerdem vor dem Verblassen durch UV-Strahlung. Ein regelmäßiges Streichen der ­Faserzementplatten ist deshalb nicht nötig. ­Verschmutzungen können bei Bedarf einfach mit Wasser und einem milden, lösungsmittelfreien Haushaltsreiniger entfernt werden. „Es überzeugte mich, dass die Optik der Fassade dauerhaft und ohne großen Wartungsaufwand erhalten bleibt“, sagt Markus Gildner, „für mich als Investor war das im Hinblick auf die langfristige Rentabilität ein wichtiger Punkt.“ Die hohe Widerstandsfähigkeit der „Hardie VL Plank“-Fassadenpaneele nutzte der Investor außerdem für die Gestaltung der Innenräume und setzte damit ebenfalls markante Akzente in den Gästezimmern.

Autorin

Rita Jacobs ist Inhaberin eines Büros für Public Relations und Kommunikation in Düsseldorf. Sie betreut die James Hardie Europe GmbH bei der Pressearbeit.

Bautafel (Auswahl)

Projekt Neubau eines Handwerkerhotels in Eckental

Bauzeit 06/2021 – 01/2022

Bauherr Markus Gildner, Solgården Holding GmbH, www.solgarden.de

Generalunternehmer Markus Gildner, Master Builders #1 GmbH & Co. KG, Herzogenaurach

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