Aufstockung mit schwer entflammbarer Holzfaserdämmung

Nachhaltiges Wohnen in ehemaliger Kaserne

Acht viergeschossige Gebäude auf einem ehemaligen Kasernenareal in Villingen wurden saniert und um jeweils ein Vollgeschoss in Holzbauweise ergänzt. Um den geforderten Brandschutz der Gebäudeklasse 5 einzuhalten, nutzte man für die Aufstockung schwer entflammbare Holzfaserdämmplatten.

Die Nachverdichtung bestehender Gebäude ist unter den Aspekten des allgemeinen Wohnungsmangels und der Nachhaltigkeit äußerst sinnvoll, denn durch die Aufstockung wird der Versiegelung neuer Flächen entgegengewirkt. Mit dem Abzug der französischen Truppen vom Mangin-Gelände bot sich der Stadt Villingen-Schwenningen im Schwarzwald-Baar-Kreis die Chance, aus dem ehemaligen Kasernenstandort eine attraktive Adresse zum Arbeiten und Wohnen zu schaffen. In diesem Rahmen wurden die acht aus den 1930er Jahren stammenden Zeilenbauten an der Kirnacher Straße, Ecke Dattenbergstraße, aufgestockt und erhielten ein neues Vollgeschoss mit Flachdach. Damit im darauffolgenden Jahr alle Gebäude bezugsfertig wurden, arbeiteten Planer, Zimmerer, Stuckateur und auch die Industrie Hand in Hand.

Vorteil Holzbau

„Beim Bau der neuen Dachgeschosse fiel unsere Wahl auf den Holzfertigbau, da wir in einer waldreichen Gegend leben und es vergleichsweise viele kompetente Unternehmen im Bereich des Holzbaus gibt, welche die benötigten Bauteile regional (vor)fertigen und aufrichten. Das spart Zeit und Transportkosten und ist ökologisch sinnvoll“, erklärt der für das Projekt verantwortliche Architekt Bernd Behnisch aus Villingen. „Jeder eingesparte Transportkilometer und Kubikmeter Stahlbeton sowie eine Sanierung anstelle eines Neubaus leisten einen Beitrag zur Nachhaltigkeit“, ergänzt der Architekt. Ein weiterer Vorteil des Holzbaus ist das geringe Eigengewicht der vorgefertigten Konstruktion. So konnten weitere, gegebenenfalls bei anderen Bauweisen statisch notwendige Maßnahmen vermieden werden.

Schwerentflammbare Holzfaserplatte kommt zum Einsatz

Keine zehn Kilometer von der Baustelle entfernt wurden im Werk des Holzbauunternehmens Brüninghoff die Holzrahmenelemente für die Aufstockung vorgefertigt. Dank der direkten Nähe zum Schwarzwald kann hier auf kurzem Wege regionales Holz für die Wand- und Deckenelemente verwendet werden. Während die Decken in Massivholz ausgeführt wurden, sieht der Wandaufbau ein Holzständerwerk mit 8/20 KVH-Ständern im Raster von 62,5 cm vor. Nach außen schließt die 60 mm dicke Holzfaserdämmplatte „Gutex-Pyroresist wall“ die Konstruktion ab; nach innen werden die Wände als luftdichte Ebene mit 22 mm OSB-Platten beplankt. Da die neuen Dachgeschosse in die Gebäudeklasse 5 fallen, musste unter anderem die Außenbekleidung mindestens schwer entflammbar sein. So kam die Markteinführung der schwer entflammbaren und nicht glimmenden Holzfaserdämmplatte von Gutex gerade recht, „um den Wandaufbau einfach und damit kostengünstig zu halten sowie die Schnittstellen der Gewerke zu minimieren“, sagt Architekt Behnisch.

Stoßsicher und maßgenau

Die Holzfaserdämmplatten werden im Trockenverfahren hergestellt und wie herkömmliche, holzfaserbasierte WDVS mit schwebenden Plattenstößen horizontal montiert. Dabei ist ein Versatz der vertikalen Plattenstöße einzuhalten. Befestigt werden die druckfesten Dämmplatten mit Breitrückenklammern direkt auf den Ständern. Die zulässigen Höchstabstände der Verbindungsmittel und eine gleichmäßige Verteilung der Befestigungsmittel über die gesamte Geschosshöhe ist zu beachten.

Die schwer entflammbaren Holzfaserplatten haben ein Format von 1800 x 600 mm und besitzen eine Nut/Feder-Profilierung. Profilierte Platten werden mit der Feder nach oben montiert. Die werkseitige Stempelung auf den Plattenoberflächen markiert die Verlegeseite. Die Platten sind hydrophobiert, also über die gesamte ­Plattendicke wasserabweisend ausgestattet und erlauben eine temporäre Bewitterung auf der Baustelle. Bei der Verwendung als Putzträgerplatte im Wär­medämmverbundsystem sind keine zusätzlichen Brandschutzriegel erforderlich.  Die vorgefertigten und bis zu 10,3 x 2,88 m großen Elemente wurden in Intervallen von etwa zwei Wochen per Tieflader zu Baustelle gebracht. Hier übernahm die Zimmerei Kienzler aus Vöhrenbach die Montage und den Ausbau der 2- bis 5-Zimmerwohnungen. 

Die neu aufgesetzten Geschosse springen zum Bestand leicht zurück und werden durch eine klare Bauteilfuge getrennt. Verputzt wurden die Wandflächen vom ortsansässigen Stuckateurbetrieb Karlheinz Hirt. Die teilfertige Fassade konnte, bei getroffenen Zusatzmaßnahmen, sogar überwintern. Sobald eine ganztägige Außentemperatur von mindestens 5 °C wieder sichergestellt war, wurde der Oberputz aufgebracht, die Fassade mit dem abschließenden Farbanstrich geschützt und das Gestaltungsbild vollendet.

In Villingen haben sich die WBG (Wohnungsbaugesellschaft Villingen-Schwenningen mbH) und Architekt Bernd Behnisch dafür entschieden, die Aufstockung in einem hellen Grau von der ansonsten überwiegend weißen Putzfassade elegant abzusetzen. Große vorgesetzte Balkone erhöhen zudem den Wohnwert und warten darauf, die neuen Bewohner zum Entspannen einzuladen. Insgesamt entstanden mit der Aufstockung auf dem ehemaligen Kasernenareal rund 2155 m² neue Wohnfläche.

Autorin

Heike Granacher arbeitet im Marketing bei der Firma Gutex in Waldshut-Tiengen.

Bautafel (Auswahl)

Projekt Nachverdichtung (Aufstockung) und Umnutzung des Kasernenareals Mangin, 78050 Villingen-Schwenningen

Bauherr  Wohnungsbaugesellschaft Villingen-Schwenningen mbH, 78054 Villingen-Schwenningen

Architekten Bernd Behnisch Freier Architekt, 78052 Villingen-Schwenningen, www.architekt-behnisch.de

Vorfertigung Brüninghoff GmbH & Co. KG, NL Villingen-Schwenningen, www.brueninghoff-holz.de

Holzbau Zimmerei-Innenausbau Kienzler GmbH, 78147 Vöhrenbach, www.zimmerei-kienzler.de

Putz Hirt Stuckateurbetrieb GmbH & Co. KG, 78050 Villingen-Schwenningen, www.stuckateur-hirt.de

Dämmung WDVS-Holzfaserdämmsystem „Gutex Pyroresist“, Gutex Holzfaserplattenwerk, Waldshut-Tiengen, www.gutex.de

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