Arbeitskleidung mieten statt kaufen

Wie das Mieten von Arbeitskleidung funktioniert und worauf Sie bei der Anbieter-Auswahl achten sollten

Das Mieten von Berufsbekleidung ist in der Baubranche nicht unüblich. Handwerksbetriebe geben damit die Bekleidung ihrer Mitarbeiter in Profi-Hände und sorgen für ein einheitliches Auftreten des Teams. Wir zeigen, worauf Sie bei der Auswahl eines Mietservice-Anbieters achten sollten.

Dachdecker und Zimmerer haben täglich mit Baustoffen zu tun, die auf der Arbeitskleidung Spuren hinterlassen. An Hemd, Hose, Weste & Co. findet sich am Ende der Arbeitswoche oft eine Schicht aus Klebstoff und Holzleim, Spänen, Steinstaub, metallischem Abrieb, Bitumen und anderen Verschmutzungen. Um den Dreck wieder loszuwerden, ist der Samstag daher bei so manchem Handwerker der Waschtag.

Andere hingegen können ihr Wochenende genießen, weil ihr Betrieb die gesamte Versorgung an Berufskleidung in die Hände einer Mietservice-Firma gegeben hat. Die kümmert sich um das komplette Procedere, das mit der Auswahl, Einkleidung, Logo-Aufbringung, Pflege und Lieferung der Mitarbeiter-Outfits zu tun hat. So haben die textilen Dienstleister zahlreiche Kollektionen im Programm, die auch den Anforderungen der Dach- und Holzbaubranche gerecht werden. Die Sortimente sind hinsichtlich ihrer Funktionalität, dem Bewegungskomfort, den Witterungsbedingungen und dem Design auf den Arbeitsalltag eines Handwerkers abgestimmt. Außerdem berücksichtigen sie das Branding, also das Aufbringen von Logos und Slogans. Modische Details wie schmale Reflexpaspeln, aktuelle Farben oder Klettverschlüsse sucht man in den Kollektionen meist vergeblich. Stattdessen kommen breite Reflexstreifen, Reißverschlüsse oder Druckknöpfe zum Einsatz. Dadurch lässt sich die Bekleidung einfacher waschen und reparieren.

Individuelle Anprobe vor Ort

Die Kleidung ist eine Seite der Medaille, der Größenspiegel und die Passform sind die andere. Damit das Outfit jedem Mitarbeiter auch wirklich passt, nehmen diverse Mietservice-Anbieter eine individuelle Anprobe vor Ort vor. Hierbei werden Abweichungen von der Bein- und Armlänge festgestellt, damit die Kleidung vor der Erstauslieferung angepasst werden kann. Sollten die vorhandenen Größen partout nicht passen, fertigen viele Textildienstleister auch Sondergrößen. Darüber hinaus nehmen einige Mietservice-Anbieter auf Wunsch Ergänzungen vor. Logos, Namens-Embleme oder Slogans auf der Kleidung können gegen Zahlung einer entsprechenden Gebühr vereinbart werden.

Wöchentlich wird gewechselt

Haben Handwerksbetrieb und Mietservice-Unternehmen die passenden Garderobenteile ausgewählt, die Wechselquote (üblich ist ein wöchentlicher Wechsel der Kleidung) festgelegt und Liefermodalitäten geklärt, nimmt die Dienstleistung ihren Lauf – und zwar üblicherweise für drei Jahre. Entsprechend den vereinbarten Modalitäten wird die für jeden Mitarbeiter bereitgestellte Kleidung mit einem Barcode ausgezeichnet, der eine eindeutige Zuordnung des Teils zu dem Mitarbeiter ermöglicht. So ist sichergestellt, dass jedes Stück „seinen“ Träger erreicht. Dann werden die Outfits geliefert und auf Wunsch in einem Schrank einsortiert.

Flexibel bei Änderungen

Die gebrauchten Jacken, Hosen und anderen Kleidungsstücke werden von den Mietbekleidungsfirmen am Ende der Arbeitswoche mitgenommen, gewaschen, kontrolliert und repariert. Falls nötig, wird kaputte Kleidung aussortiert und durch neuwertige Kleidung der georderten Kollektion ersetzt. Der Ersatz kann manchmal ein paar Tage in Anspruch nehmen. Das ist aber unproblematisch, da jedem Beschäftigten immer zwei Ausstattungen zur Verfügung stehen. Die Ersatzkleidung ist auf jeden Beschäftigten angepasst. Sie ist keineswegs als Reserve für „Neue“ oder Lehrlinge gedacht. Für sie bietet der Mietservice eine passende Lösung: Neue Beschäftigte können zum Service „dazu gebucht“ und ausscheidende Mitarbeiter abgemeldet werden.

Ausstattung je nach Jahreszeit

Flexibilität bieten die Mietservice-Anbieter auch bei jahreszeitlichen Anpassungen. Wenn ein Dachdecker oder Zimmerer im Sommer lieber in Shorts und Shirt ans Werk geht, wird die Ausstattung umgestellt. Über die damit verbundenen Kosten sollte sich ein Betrieb vor Unterzeichnung eines Mietvertrags informieren. Zu den monatlichen Kosten für die Mietbekleidung haben wir sechs Anbieter befragt: Alsco, Bardusch, CWS-Boco, DBL, diemietwaesche.de und Mewa. Das Ergebnis: Generell sind die monatlichen Kosten je nach Ausstattung, Kollektion und Tausch-Rhythmus unterschiedlich. Nur ein Anbieter (DBL) machte eine konkrete Angabe dazu, mit welchen Kosten ein Betrieb für das Mieten rechnen muss. Eine grobe Richtlinie gab DBL mit sieben bis neun Euro pro Woche und Mitarbeiter an.

Vorsicht vor Zusatzkosten!

Alle verglichenen Mietservice-Anbieter haben eine Vertragslaufzeit von drei Jahren. Neben den wöchentlichen Mietkosten für die Bekleidung können am Ende der Vertragslaufzeit noch einmal Kosten auf die Handwerksbetriebe zukommen. Denn Mietservice-Anbieter nehmen die vermietete Kleidung in der Regel nicht zurück, sondern verlangen am Ende der Vertragslaufzeit eine Restwertzahlung. Wie hoch diese ausfallen kann, bezifferte nur DBL auf Anfrage: Bedingt durch die Ausstattung neuer Mitarbeiter oder den Austausch bestehender Kollektionsteile liege der tatsächliche Restwert der Berufsbekleidung am Ende der Vertragslaufzeit bei durchschnittlich 40 Prozent. Betriebe müssten demnach 40 Prozent des Originalpreises am Ende der Vertragslaufzeit als „Ablöse“ bezahlen. Es ist daher ratsam, sich bereits bei Abschluss eines Mietvertrags über etwaige Zusatzkosten zum Ablauf des Vertrags zu erkundigen und diese festzulegen. Dadurch kann ein Handwerksbetrieb unangenehme Überraschungen umgehen. Denn es soll vorkommen, dass die gemietete Kleidung kurz vor Vertragsende gegen neuwertige ausgetauscht wird und dadurch die Restwertzahlungen entsprechend hoch ausfallen.

Alsco in Köln, www.alsco.de

Im Mietservice bei Alsco gibt es Kollektionen wie „BPlus“, „Comfort Plus“ oder „Unique“. Für besonders anstrengende Arbeiten oder die Arbeit unter gleißender Sonne ist die Kollektion „Unique Nature“ geeignet. Sie enthält 30 Prozent „Tencel“ Lyocellfasern (Faserstoff auf Zellulosebasis) und 70 Prozent Polyester, ist robust und funktional. Die Kollektionen von Alsco decken ein breites Größenspektrum ab. Sollten dennoch Sondergrößen notwendig sein, werden sie gegen Aufpreis angefertigt.

Bardusch in Ettlingen, www.bardusch.com

Die Firma Bardusch bietet aktuell eine moderne Linie, die „Work & Wash“, im Mietservice an. Sie ist lässig geschnitten und berücksichtigt aktuelle modische Einflüsse. Alle Metallteile sind verdeckt, damit die Kleidung keine Kratzer auf empfindlichen Oberflächen hinterlässt. Für Zimmerer und Dachdecker, die klassischere Modelle bevorzugen, bietet Bardusch spezielle Kollektionen an. Auf Wunsch sind ab einer bestimmten Betriebsgröße Sonderanfertigungen möglich.

CWS-Boco in Dreieich, www.cws-boco.de

Die „Dachdeckerkleidung“ von CWS-Boco ist die offizielle Innungsbekleidung. Sie steht exklusiv für Betriebe bereit, die Mitglied einer Dachdeckerinnung sind. Mit einer Kombination aus traditionellem Cord und einem strapazierfähigen Mischgewebe schützt die Bekleidung gegen mechanische Risiken. Die flammhemmenden „Nomex“-Gewebe an den Beinsäumen von Latz- und Bundhose sorgen bei Schweißarbeiten für Sicherheit gegen Feuer und Flammen. Zahlreiche Taschen, Jacken und eine Weste mit verlängerter Rückenpartie und Reflexpaspeln erlauben ein bequemes Arbeiten und erhöhen die Sichtbarkeit.

Zimmerer können die „Profi Line Plus“ aus einem robusten, 300g/m² schweren Gewebe mieten. Die Hosen der Kollektion haben eingesetzte Verstärkungen im Taschen- und Kniebereich. Einzelstücke werden auf Wunsch angefertigt.

DBL in Zirndorf, www.dbl-merk.de

Auch der DBL-Verbund mit Hauptsitz in  Zirndorf bei Nürnberg bietet spezielle Dachdecker-Innungskleidung im Mietservice an. Die Linie „Roofing Xperts“ wurde gemeinsam mit dem Zentralverband des Deutschen Dachdeckerhandwerks (ZVDH) entwickelt. Sie nutzt das stilisierte Verbandslogo als Designelement. Dazu kommen zahlreiche Taschen, Reflexstreifen und robuste Cordura-Besätze. Damit auch Nicht-Innungsmitglieder auf dem Dach gut angezogen sind, bietet das Unternehmen weitere Profi-Kollektionen, darunter die moderne „BPerformance“ oder die Premiumkollektion „Icon One“ von Fristads Kansas im Mietservice an. Dazu kommen die Linien „Elements“ in trendigem Design und mit elastischen Stretch-Elementen sowie die DBL-Imagekollektion „Obenauf“ in strapazierfähiger, funktionaler und bequemer Ausführung. Die Anfertigung von Sondergrößen gehört zum Mietservice.

diemietwaesche.de in Villingen,

https://diemietwaesche.de

Für Dachdecker und Zimmerer empfiehlt das Unternehmen zwei Kollektionen: Die „Profi Trendmann“ trägt verschiedenen Umgebungs- und Witterungsbedingungen Rechnung, sie ist in einer schweren, verstärkten Baumwollqualität und einem leichteren Mischgewebe (270 g/m²) zu mieten. Sie umfasst zehn Artikel, die in acht Farben gemietet werden können. Für Betriebe, die sowohl weibliche als auch männliche Beschäftigte in einem modernen, gutsitzenden Outfit zum Kunden schicken möchten, ist die „Profi Kraftmann“ die richtige Wahl. Zum Sortiment zählen neben Weste, Jacke, Bermuda und Latzhose auch eine Damen- und eine Herrenbundhose. Sondergrößen werden bei Bedarf angefertigt. Eine weitere Besonderheit bei diemietwaesche.de sind DEKRA-zertifizierte Fachberater, die Betriebe bei der Auswahl einer geeigneten Schutzkleidung beraten.

Mewa in Wiesbaden, www.mewa.de

Für traditionsbewusste Zimmerei- und Dachdeckerbetriebe bietet die Firma Mewa Zunftkleidung im Mietservice an. Die Kollektion „Mewa Tradition“ ist in den klassischen Schnitten der Zunftkleidung gehalten, das strapazierfähige Gewebe, ein Materialmix mit Cord, und die Funktionen wurden jedoch auf den heutigen Stand der Technik gebracht. Das Sortiment besteht aus unterschiedlichen Hosen, Bundjacken, Sakko und Zunftweste in einem bequemen Schnitt und ist dank vieler Taschen funktionell. Eine Alternative ist die Linie „Mewa Dynamic“. Sie richtet sich vor allem an Betriebe mit weiblichen und männlichen Mitarbeitern und dem Wunsch nach einem einheitlichen Look. Neben den üblichen Modellen für Ihn umfasst sie auch Bundjacken und Bundhosen für Frauen. Weitere Artikel sind in Planung. Die Kollektion hat laut Hersteller eine hohe Bewegungsfreiheit, zahlreiche Taschen und Stauraum für Kleinteile. Mewa bietet auch Testpakete mit kurzer Laufzeit an.

Autorin

Dipl.-Ing. Sabine Anton-Katzenbach ist Inhaberin der Textilberatung Hamburg und arbeitet als Beraterin und Journalistin (www.textilberatung.com).

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