Liebe Leserinnen, liebe Leser,

Gründächer bieten neuen Lebensraum und schaffen einen Ausgleich für versiegelte Flächen. Darüber hinaus können Gründächer Regenwasser speichern und zeitverzögert abfließen lassen. Gerade bei Starkregenereignissen – auf die wir uns künftig klimabedingt öfter einstellen müssen – ist das wichtig, um die Kanalisation zu entlasten und Überflutungen zu vermeiden. Gründächer lassen sich mit Photovoltaik-Anlagen kombinieren, denn sie kühlen die PV-Module und erhöhen so den Stromertrag. Diese und weitere Argumente sprechen laut dem Bundesverband Gebäudegrün (BuGG) und dem Naturschutzbund Deutschland e.V. für Gründächer. Begrünungen von Dächern und Fassaden können in der Summe das städtische Klima positiv beeinflussen und Temperaturspitzen abmildern. Sie sorgen außerdem dafür, dass sich Dächer weniger stark aufheizen. Über die Pflanzen verdunstet Feuchtigkeit, das kühlt insbesondere nachts die Luft – so beschreibt das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung in einem aktuellen Hintergrundpapier die Vorteile von Gründächern.

Manche Dachdeckerbetriebe führen neben Steil- und Flachdacharbeiten bereits Gründächer aus, so auch der Betrieb von Dachdeckermeister Thomas Kantelberg aus Burscheid. Im Vergleich zu anderen Aufträgen seien Gründächer zwar die Ausnahme, erklärt Thomas Kantelberg. Allerdings ist ihm das Thema wichtig – und zwar aus mehreren Gründen: „Gründächer dienen dem Umweltschutz, sind bienenfreundlich, optisch schön und bieten zusätzliche Wärmedämmung, sie sorgen außerdem für eine längere Haltbarkeit der Flachdachabdichtung“, sagt der Dachdeckermeister.

Auch Trockenheit ist für Gründächer nicht unbedingt ein Problem. „In der Regel können fachgerecht geplante und ausgeführte, extensive Gründächer mit Trockenheit und hohen Temperaturen klarkommen“, erklärt Gunter Mann, Präsident des BuGG. Bei extensiven Gründächern auf Steildächern und windexponierten Objekten sollte nach 2-3 Wochen Trockenheit und Hitze jedoch über eine zusätzliche Bewässerung nachgedacht werden. Intensive Dachbegrünungen mit Stauden, Sträuchern oder Bäumen sollten prinzipiell zusätzlich bewässert werden.

Kritisch sehe ich nur, dass bei den meisten Gründachsystemen viel Kunststoff zum Einsatz kommt, etwa in Form der Dränage- und Wasserspeicherelemente – das verschlechtert die positive ökologische Bilanz des Gründachs. Um diesem Problem etwas entgegen zu setzen, hat die Zinco GmbH ein Gründachsystem auf Basis nachwachsender Rohstoffe entwickelt („Natureline“). Die Drainage-Elemente bestehen dabei aus einem Biokunststoff auf Zuckerrohrbasis, die Speicherschutzmatten und Filtervliese aus Polymilchsäure und die Pflanzenerde aus recycelten Tondachziegeln.  Aus ökologischer Sicht ist das noch nicht die perfekte Lösung, aber ein Schritt in die richtige Richtung!

Gründächer sind ein wichtiger Beitrag, um mehr Grünflächen zu schaffen, vor allem in dicht besiedelten Innenstädten. Mit einer wurzelfesten Dachabdichtung schaffen Dachdecker die Grundlage für ein Gründach – können aber auch mithilfe von geeigneten Systemen selbst Gründächer erstellen. Viele Hersteller bieten solche Gründachsysteme an. Mehr dazu lesen Sie hier (Begrüntes Metalldach) und hier (Tiefgaragendächer und Innenhöfe begrünen) und in den Produktmeldungen.

Ich wünsche Ihnen frohes Schaffen,

Dachdecker schaffen die Grundlagen für ein Gründach, können aber auch selbst Dachbegrünungen erstellen!

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