Karls Hotel in Sigmaringen mit Mansardwalmdächern

Dach aus vorgefertigten Holzrahmenelementen mit Aluminiumrauten und Stehfalzblechen bekleidet

Das Wahrzeichen der baden-württembergischen Stadt Sigmaringen ist das Hohenzollernschloss. Gegenüber vom Schloss entstand das neue Karls Hotel mit zwei Mansardwalmdächern. Die steiler geneigten Dachflächen verkleidete man mit Aluminiumrauten und die Hauptdachflächen mit Stehfalzblechen.

Wo sich bis vor kurzem noch eine unbebaute Grünfläche gegenüber des Schlosses in Sigmaringen erstreckte, steht heute ein neues Hotel. Die Erdgeschosszone des neuen Karls Hotel bildet den Sockel des Gebäudes. In den drei Obergeschossen befinden sich die Hotelzimmer. Eine Startschwierigkeit bei der Planung des Neubaus bildete das Baurecht, denn auf dem ausgewählten Grundstück waren eigentlich keine Gebäude vorgesehen. Nach einem längeren Prozess einigte man sich auf den Bau des Hotels mit dem Kompromiss, dass sich die Konstruktion in die Umgebung einfügen sollte. „Der Grundgedanke war, ein Gebäude zu bauen, das der zeitgenössischen, architektonischen Sprache entspricht, in der man aber trotzdem auch ein paar Elemente der klassischeren Architektur, die wir in der Stadt haben, vorfindet“, erklärt der leitende Architekt Jonas Neusch aus Sigmaringen.

 

Mansardwalmdächer bilden die vierte Etage

Laut gesetzlicher Vorgabe musste man sich beim Bau des Hotels auf maximal drei Stockwerke beschränken. Das stellte eine zusätzliche Herausforderung in der Planung dar. „Die Voraussetzung war, dass wir uns an die Umgebung anpassen und das Hotel nicht höher bauen als die umliegenden Gebäude“, sagt Jonas Neusch. Um dennoch die angestrebten 72 Hotelzimmer zu realisieren, erhielt das Hotel ein Mansardwalmdach. Das erlaubte es, eine vierte Etage in Form des Dachgeschosses aufzusetzen. Das Karls Hotel besteht im Grunde aus zwei Gebäudeteilen mit jeweils einem Mansardwalmdach. Die beiden Gebäudeteile sind durch einen Eingangsbereich mit Flachdach verbunden. Das Flachdach kann von den Hotelgästen als Außenfläche der Sauna genutzt werden.

Das Karls Hotel steht direkt gegenüber vom Schloss Sigmaringen. Die beiden Gebäudeteile mit Mansardwalmdächern sind über einen Eingangsbereich mit Flachdach verbunden
Fotos: Prefa/Michael Zinke

Das Karls Hotel steht direkt gegenüber vom Schloss Sigmaringen. Die beiden Gebäudeteile mit Mansardwalmdächern sind über einen Eingangsbereich mit Flachdach verbunden
Fotos: Prefa/Michael Zinke
 

Holzrahmenelemente für das Dach vorgefertigt

Die Mansardwalmdächer des Karls Hotel bestehen aus Holzrahmenelementen, die von der Zimmerei Gmeiner vorgefertigt und montiert wurden. Die Dach- und Wandelemente plante die Zimmerei mithilfe des Programms Cadwork. Der Abbund erfolgte im Abbundzentrum Bodenseekreis in Heiligenberg. Zusammengebaut wurden die Holzrahmenelemente in der Werkshalle der Zimmerei in Krauchenwies. Auf der Innenseite wurden die Dach- und Wandelemente mit OSB-Platten beplankt.

Die Dach- und Wandelemente für das oberste Geschoss wurden vorgefertigt und von innen mit OSB-Platten beplankt
Foto: Zimmerei Gmeiner

Die Dach- und Wandelemente für das oberste Geschoss wurden vorgefertigt und von innen mit OSB-Platten beplankt
Foto: Zimmerei Gmeiner

Der Zeitplan für das Projekt war straff: Für die Planung und Vormontage hatte die Zimmerei nur sechs Wochen Zeit. Der hohe Vorfertigungsgrad sorgte jedoch für eine schnelle Montage auf der Baustelle: Das Aufrichten der Dach- und Wandelemente auf der Baustelle dauerte insgesamt acht Tage. Durch die einseitig offene Bauweise der Holzrahmenelemente war deren Befestigung im Ringanker des Daches problemlos möglich. Nach dem Einheben und der Montage der Dachelemente verschlossen die Zimmerer diese von außen mit Holzfaser-Unterdeckplatten in 60 mm Dicke.

Nachdem die einseitig offenen Dachelemente verlegt waren, wurden sie mit Holzfaserunterdeckplatten verschlossen
Foto: Zimmerei Gmeiner

Nachdem die einseitig offenen Dachelemente verlegt waren, wurden sie mit Holzfaserunterdeckplatten verschlossen
Foto: Zimmerei Gmeiner

Darüber verlegten sie eine diffusionsoffene Unterdachbahn und erstellten eine Hinterlüftungsebene. Auf die Lattung folgte eine Profilholzschalung in 24 mm Dicke und eine Trennlage. Darüber verlegten die Spengler die Aluminiumrauten und -stehfalzbleche des Daches.

Über den Unterdeckplatten verlegten die Handwerker diffusionsoffene Unterdachbahnen. Darüber erstellten sie eine Hinterlüftungsebene, auf der eine Holzschalung montiert wurde
Foto: Zimmerei Gmeiner

Über den Unterdeckplatten verlegten die Handwerker diffusionsoffene Unterdachbahnen. Darüber erstellten sie eine Hinterlüftungsebene, auf der eine Holzschalung montiert wurde
Foto: Zimmerei Gmeiner
 

Die Dachgauben hatte die Zimmerei ebenfalls im Werk erstellt und mit Eichenholzzapfen und Schrauben verbunden. Genau rechtzeitig zum Einbau kamen die Gauben auf die Baustelle, wurden auf das Dach gehoben und montiert.

Die Gauben für das Dach fertigte die Zimmerei Gmeiner ebenfalls vor, lieferte sie auf die Baustelle und montierte sie an den vorderen Dachflächen
Foto: Zimmerei Gmeiner

Die Gauben für das Dach fertigte die Zimmerei Gmeiner ebenfalls vor, lieferte sie auf die Baustelle und montierte sie an den vorderen Dachflächen
Foto: Zimmerei Gmeiner

Einblasdämmung aus Mineralwolle

Gedämmt wurden die Dachelemente mit einer Einblasdämmung. Aufgrund strenger Brandschutzanforderungen kam eine nicht brennbare Mineralwolleinblasdämmung zum Einsatz („Knauf Insulation Supafil Timber Frame“). Ottmar Gmeiner, Zimmer- und Dachdeckermeister und Geschäftsführer der Zimmerei, sagt: „Wir setzen seit etwa 20 Jahren Einblasdämmung ein und nutzen dabei vor allem Holzfaser- und Zellulosedämmstoffe. Die Mineralwolleinblasdämmung ließ sich genauso problemlos verarbeiten wie andere Einblasdämmstoffe auch.“ Das Ausflocken aller Dach- und Wandelemente auf der Baustelle dauerte vier Tage.

 

Aluminium-Stehfalzschare und Rauten  

Nach einer intensiven Materialsuche für die Bekleidung der Steildachflächen des Hotels fiel die Wahl schließlich auf zwei unterschiedliche Materialien: „Prefalz“-Aluminiumprofile für die flach geneigten Hauptdachflächen und für die Mansarden die Dach- und Wandrauten von Prefa im Format 29 × 29 cm. „Dieses Rautenformat stellte die einzig ansprechende Lösung aufgrund des Verschnitts dar“, sagt Prefa-Objektberater Michael Zinke.

Die steiler geneigten, vorderen Dachflächen wurden mit Aluminiumrauten bekleidet
Foto: Prefa/Michael Zinke

Die steiler geneigten, vorderen Dachflächen wurden mit Aluminiumrauten bekleidet
Foto: Prefa/Michael Zinke
 

Erstes Großprojekt für den Klempnermeister

Die Montage der Stehfalzbleche und der Rauten auf den Dachflächen übernahm Klempnermeister Felix Reger mit seinem Team. Kurz vor Projektbeginn im August 2020 hatte Felix Reger die Klempnermeisterschule abgeschlossen und ging mit viel Herzblut an das Projekt in Sigmaringen heran. Schon seit 2018 arbeitet er als Klempner in der Zimmerei Reger, die von seinem Bruder, Zimmermeister Emanuel Reger, geleitet wird. Die Zimmerei mit Sitz in Deilingen hat 17 Mitarbeiter, davon sind 15 Zimmerer und 2 Klempner oder Flaschner, wie es im süddeutschen Raum heißt. „Wir haben die Zimmerei um den Bereich Flaschnerei erweitert, um kleinere oder größere Metalldacharbeiten mit den entsprechend ausgebildeten Fachkräften ausführen zu können“, erklärt Felix Reger.


Verlegung der Rauten und Stehfalzbleche

Die steiler geneigten Dachflächen wurden mit insgesamt 500 m² Aluminiumrauten und das Hauptdach mit 1200 m² „Prefalz“-Stehfalzblechen im Farbton Bronze versehen. „Prefa hat uns bei der Verlegung sehr gut unterstützt“, sagt Felix Reger, „ein Lehrverleger war mit auf der Baustelle und hat uns die Verlegung der Rauten erklärt.“ Verlegt wurden die Rauten und Stehfalzscharen auf der zuvor mit einer Trennlage versehenen Holzschalung. Die Rauten lieferte der Hersteller vorgefertigt auf die Baustelle. Die Stehfalzbleche kanteten die Handwerker aus 60 cm breiten und 0,7 mm dicken Coils mithilfe einer Profiliermaschine im eigenen Betrieb. Auf dem Dach wurden die Aluminiumschare untereinander in Doppelstehfalztechnik verfalzt, mit einer Falzhöhe von 2,5 cm. „Da die Hauptdachflächen Dachneigungen von nur 7,5° und 12,5° haben, war hier nur die Doppelstehfalztechnik geeignet. Sie bietet eine höhere Regensicherheit als der einfache Winkelfalz“, erklärt Felix Reger.

Auf den Hauptdachflächen wurden Aluminiumschare verlegt und mit Doppelstehfalztechnik verbunden
Foto: Prefa/Michael Zinke

Auf den Hauptdachflächen wurden Aluminiumschare verlegt und mit Doppelstehfalztechnik verbunden
Foto: Prefa/Michael Zinke

Nach Fertigstellung der Hauptdachflächen montierten die Flaschner noch Anschlagpunkte auf der Dachfläche und Schneefangrohre an den Traufen. Die Montage gelang laut Felix Reger problemlos, da das Zubehör des Herstellers gut auf die Aluminiumstehfalzbleche abgestimmt ist. Das Dach wurde hinterlüftet und mit mehreren Durchbrüchen ausgeführt. Durchdringungen am Dach waren unter anderem für den Einbau von Dachlüftern nötig. Für die Durchbrüche wurden zum Teil Klebeeinfassungen von Prefa verwendet.

Nach Fertigstellung der Hauptdachflächen montierten die Spengler Anschlagpunkte auf den Stehfalzen und Schneefangrohre an den Traufen
Foto: Prefa/Michael Zinke

Nach Fertigstellung der Hauptdachflächen montierten die Spengler Anschlagpunkte auf den Stehfalzen und Schneefangrohre an den Traufen
Foto: Prefa/Michael Zinke
 

Jede Gaube einzeln abgemessen und bekleidet

Die 38 Gauben in den Mansarddachflächen zählen zu einer der Besonderheiten des Projekts. „Wir hatten zunächst geplant, die Gaubenbekleidung vorher fertigzustellen, was sich aber als schwierig herausstellte, da es noch Unterschiede in der Dachneigung gab – beim Rohbau gab es einen Unterschied von bis zu einem halben Grad“, sagt Michael Zinke, „daher haben wir uns entschlossen, alles direkt vor Ort in Angriff zu nehmen. Es musste jede Gaube einzeln aufgezeichnet und mit Stehfalzblechen bekleidet werden.“

Die Flachdächer der Gauben dichtete man mit Kunststoffdachbahnen ab
Foto: Prefa/Michael Zinke

Die Flachdächer der Gauben dichtete man mit Kunststoffdachbahnen ab
Foto: Prefa/Michael Zinke
Felix Reger ergänzt: „Die Gauben waren eine Sache für sich und erforderten äußerste Präzision.“ Die Gaubenwangen und Vorderseiten bekleideten die Handwerker mit „Prefalz“-Blechen. Die schmalen Flachdächer der Gauben sollten ursprünglich auch mit Stehfalzblechen verkleidet werden – da diese Dachflächen aber von unten nicht einsehbar sind, entschied man sich hier für eine Abdichtung mit Kunststoffdachbahnen.

„Das Hotel sollte zwar seine Daseinsberechtigung haben, aber nicht das architektonische Gefüge rundherum stören“, erklärt Jonas Neusch. Doch es ordnet sich nicht seiner Umgebung unter, ganz im Gegenteil: Es sticht sogar aufgrund des saisonalen Farbspiels des Daches hervor. Jonas Neusch verweist darauf, dass die unterschiedliche Wirkung des Tageslichts und der Wettersituation auf die Farbgebung nicht zu unterschätzen sind: „Das Dach erhält bei Sonneneinstrahlung einen ganz anderen, fast bronzeglänzenden Farbton, während es im Winter eine eher kühlere Farbe annimmt.“ Im März 2021 wurde das Karls Hotel in Sigmaringen fertiggestellt und eröffnet.

 

Autorin

Alexandra Bendel-Döll ist Leiterin des Marketings bei der Prefa Aluminiumprodukte GmbH in Wasungen.


Stephan Thomas ist verantwortlicher Redakteur der Zeitschrift dach+holzbau.

Bautafel (Auswahl)

 

Projekt Dachkonstruktion für das Karls Hotel in Sigmaringen 

Bauzeit 2019 bis 2021

Bauherr Hotel am Schloss Verpachtungs GmbH & Co. KG

Eigentümerin Katharina von Hohenzollern

Architekt Jonas Neusch, Neusch Architekten, Sigmaringen, www.neusch-architekten.de

Metalldacharbeiten Holzbau Reger, Klempnermeister Felix Reger, Deilingen, www.zimmerei-reger.de

Holzbau (Vorfertigung und Montage) Zimmerei Gmeiner, Krauchenwies, www.zimmerei-gmeiner.de

Produkte (Auswahl)

Metalldach „Prefalz“-Stehfalzprofile mit der Oberfläche „Stucco“ im Farbton Bronze, Schneefangrohre, Dach- und Wandrauten im Format 29 x 29 cm, Prefa, www.prefa.de

Dämmung Einblasdämmstoff „Knauf Insulation Supafil Timber Frame“ aus Glaswolle, Knauf Insulation, www.knaufinsulation.de

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