Historischer Schwarzwaldhof wird saniert
Martinshof im Kinzigtal wird für neue Nutzung instandgesetzt und erweitertDer Martinshof gilt als einer der ältesten Schwarzwaldhöfe des Kinzigtals und wurde vermutlich Ende des 11. Jahrhunderts erbaut. Nach Jahrhunderten landwirtschaftlicher Nutzung und mehrfachen baulichen Veränderungen wird der Hof nun umfassend saniert und für neue Zwecke erschlossen.
Als Michael Reimold den Martinshof im Kinzigtal im Schwarzwald 2021 erwarb, war dessen Gebäudesubstanz bereits stark angegriffen. Erst durch eine unerwartete Aufhebung des Denkmalschutzes wurde eine rasche Sanierung des Hofes möglich. Nach eingehender Prüfung entschied die Baurechtsbehörde 2023, den Schutzstatus des Anwesens aufzuheben – ein Schritt, der neue gestalterische und technische Freiräume eröffnete und die Sanierung erheblich beschleunigte. Ausschlaggebend für die Aufhebung des Denkmalschutzes war, dass zahlreiche Umbauten früherer Epochen die ursprüngliche Bausubstanz bereits stark verändert hatten.
Der Martinshof im Kinzigtal samt benachbarter Kapelle wird nach Aufhebung des Denkmalschutzes nun schrittweise saniert
Foto: Heco
Seither wird der Hof, der zwischen Fischerbach und Hausach gelegen ist, in enger Zusammenarbeit mit regionalen Handwerksbetrieben Schritt für Schritt saniert und umgebaut, mit dem Ziel, die historische Identität des Gebäudes zu bewahren und gleichzeitig zeitgemäße Nutzungsmöglichkeiten zu schaffen. Unterstützt wird die Sanierung des Hofes vom Hersteller Heco aus Schramberg, dessen Produktion nur wenige Kilometer vom Martinshof entfernt liegt.
Erweiterung und Umbau des Martinshofes
Die Innenräume des Martinshofes wurden inzwischen bereits renoviert. Neben dem Hauptgebäude werden am Martinshof auch ein Gästehaus, ein Anbau über dem ehemaligen Schweinestall und eine restaurierte Hofstube mit Platz für bis zu 30 Personen realisiert. Eine besondere Herausforderung beim Um- und Neubau der Hofstube stellte die Verbindung der Haupt- und Nebenträger in der Deckenkonstruktion dar.
Bei der Sanierung des Hofes kamen „Heco-Topix-plus Combi Connect“-Schrauben zum Einsatz. Eine Einschraubhilfe erleichterte das Eindrehen der Schrauben im 45-Grad-Winkel
Foto: Heco
Um diese Verbindungen herzustellen, entschieden sich Bauherr Michael Reimold und die beteiligten Handwerksbetriebe in enger Abstimmung mit dem Schraubenhersteller Heco für den Einsatz der „Heco-Topix-plus Combi Connect“-Vollgewindeschrauben (8,5 × 250 mm). Diese Schrauben sind speziell für die Übertragung hoher Zug- und Druckkräfte im Holzbau konzipiert. Ihr besonderes Merkmal sind zwei unterschiedlich steile Gewinde, die beim Einschrauben einen aktiven Zusammenzieheffekt erzeugen: Die Holzelemente werden dadurch kraftschlüssig verbunden, wodurch sich auch bei unebenen oder unterschiedlich alten Bauteilen ein dichter, spannungsfreier Kontakt ergibt.
Nach dem millimetergenauen Ausrichten der Hauptträger auf den bestehenden Natursteinauflagern des Gebäudes wurden die neuen Nebenträger exakt eingepasst und anschließend im 45-Grad-Winkel kreuzweise verschraubt. Eine Einschraubhilfe von Heco erleichterte das Verschrauben im passenden Winkel. Dank ihrer speziellen Spitze können die hier verwendeten Schrauben ohne Splitterbildung oder Rissgefahr in das Holz eindringen. Gleichzeitig spart die Kombination aus Schneidspitze und Gewindegeometrie Zeit, da kein Vorbohren oder Nachziehen der Schrauben erforderlich ist.
Bei der Errichtung eines Anbaus über dem ehemaligen Schweinestall wurden die Haupt- und Nebenträger der Decke über Kreuzverschraubungen verbunden
Foto: Heco
Im neuen Anbau in Holzbauweise über dem ehemaligen Schweinestall des Hofes kamen die Schrauben von Heco ebenfalls zum Einsatz: Die Nebenträger wurden über Hilfslatten vorfixiert und anschließend mit den „Combi Connect“-Schrauben kraftschlüssig verbunden. So konnte die neue Balkenlage präzise und zügig errichtet werden, ohne das historische Tragwerk zu beeinträchtigen.
Parallel zur baulichen Erneuerung hat sich der Martinshof auch funktional weiterentwickelt: Die restaurierte Hofstube bietet nun Platz für Seminare, Tagungen oder private Feiern mit bis zu 30 Personen. Direkt angrenzend steht die historische Martinskapelle, die für Trauungen und festliche Anlässe genutzt werden kann. Beide Gebäude wurden in ihrer äußeren Erscheinung bewusst unverändert belassen, während ihre Tragwerke statisch ertüchtigt wurden.
Die Sanierung des Martinshofes zeigt eindrucksvoll, wie historische Substanz und moderne Verbindungstechnik kombiniert und dabei Vergangenheit und Gegenwart harmonisch zusammenfinden können. Mehr über die Historie und die heutige Nutzung des Martinshofes erfahren Interessierte online unter: www.martinshof-einbach.de
AutorDirk Drexlmaier ist Anwendungsberater bei der Firma Heco in Schramberg.
Bautafel (Auswahl)
Projekt Restaurierung des Martinshofs in Einbach
Bauherr Michael Reimold, Martinshof GmbH, www.martinshof-einbach.de
Holzbau Zimmerei Isenmann, Tobias Isenmann, Schiltach; www.isenmann-zimmerei.de;
SR Bau, Handel u. Dienstleistung Akademie GmbH, Schenkenzell
