Gutes Gesamturteil trotz Verbesserungswünschen

Die Mafell-„Erika 85“ Unterflur-Zugsäge im dach+holzbau-Praxistest

Sie ist ein Klassiker: Seit 40 Jahren gibt es die Unterflur-Zugsäge „Erika“ von Mafell und es gibt wahrscheinlich nur wenige Holzhandwerker, die die Säge noch nicht benutzt haben. Nun ist die neueste Generation mit 85 mm Schnitttiefe auf dem Markt. Wir haben die Säge unter die Lupe genommen und einem Praxistest unterzogen.

Die Werkstatt von Schreinermeister Christoph Pahl ist klar gegliedert und aufgeräumt. Neben dem Maschinenraum gibt es einen lichtdurchfluteten Bankraum. Wir bauen die „Erika 85“ (die 85 steht für die Schnitttiefe von 85 mm) in einem Gang zum Maschinenbereich auf. Tageslicht dringt herein und leuchtet die rund 40 kg schwere Maschine aus.

Die Erika-Unterflur-Tischkreissäge war die erste mobile Tischkreissäge, die man in den 1980er Jahren auf Baustellen nutzen konnte. Obwohl es Nachahmer gibt, bleibt die Zuglänge von 430 mm unerreicht. Die Maschine hat einen 2500 Watt-Motor, sämtliche Zuschnitte von Vollholz über Plattenwerkstoffe bis hin zu sonstigen Werkstoffen sind damit möglich.

Hohe Wertigkeit

Tatsächlich wirkt die Maschine auf den ersten und auch auf den zweiten Blick – mit Begutachtung der verschiedenen Möglichkeiten – sehr wertig. Der Sägetisch aus robusten, aber dennoch leichten Aluminiumprofilen ist rundherum mit einem Schwalbenschwanzprofil umsäumt. Daran lassen sich Anschläge und Sonderzubehör befestigen. Die Zugvorrichtung lässt sich leicht bedienen, ebenso die Neigefunktion des Sägeblatts (3° bis 48° Neigung sind möglich). Die Funktion zum Auseinanderbauen und Zusammenklappen der Säge ist durchdacht und alleine bedienbar. Mit einem Klick kann man am vierten Fuß mit dem integrierten „Quickstand“ Unebenheiten ausgleichen, perfekt für Baustellensituationen. Gummistopper an den Füßen sollen ein Verrutschen oder Anecken vermeiden. Das Gewicht der Säge von 40 kg ist für eine Person allerdings grenzwertig. „Alleine wollte ich die Säge nicht in den zweiten Stock hochtragen“, sagt Christoph Pahl. Hier braucht es also eine weitere Person. Zum Verschieben der Säge sind im aufgebauten Zustand an zwei Füßen Rollen angebracht. Wird die Säge gekippt, kann sie einfach verschoben werden.

Sinnvolle Funktionen

Um beim Zusammenbau die Sägeblatthaube mit dem versenkbaren Spaltkeil zu verbinden, wird ein Arretier-Knopf an der Haube gedrückt. Wenn der Sägeblattschutz richtig eingerastet ist, beginnt bei eingestecktem Strom das Arbeitslicht zu leuchten, das ist quasi die Arretier-Kontrolle. Danach kann die Absaugung am Sägeblattschutz angebracht werden. Der  zweigeteilte Absaugschlauch wird auch unter dem Tisch an der Vorrichtung montiert und dann mit einem Staubsauger verbunden. Die Spanabfuhr läuft bei eingeschaltetem Staubsauger sehr gut.

Die Schnitttiefe von 85 mm beträgt bei 45 Grad Schrägstellung immer noch 59 mm und ist deshalb auch für  größere Abmessungen gut geeignet. Die Schrägstellung geht bis auf 48 Grad, somit sind auch Hinterschnitte bei Gehrungen möglich. Das ist sinnvoll bei Anpassungen auf der Baustelle. Der durchzugsstarke Motor kann auch dickere Holzkanteln sauber schneiden, doch dazu später mehr.

Es gibt diverse Features am Parallel- und Queranschlag. Mit einer leicht zugänglichen Schraube an der Oberseite des Multifunktionsanschlags können einfach und präzise Schnittwinkel eingestellt werden. Der Multifunktionsanschlag erlaubt zudem zwei Gehrungsschnitte ohne Verstellen oder Wechseln des Anschlags für einen 90°-Winkel. Damit können auch  sogenannte „falsche Gehrungen“ getätigt werden, also 90°-Verbindungen mit zwei unterschiedlich breiten Hölzern.

Verbesserungswürdig: die Arretierschraube am Queranschlag

Kopfzerbrechen bereitete unserem Tester Christoph Pahl allerdings der Queranschlag und dabei die Arretiermöglichkeit beim Anschlag für Längsschnitte. In der gelieferten Ausfertigung ist die Schraube für die Arretierung ein wenig versteckt unter einem abnehmbaren, abgerundeten Queranschlag zu finden. Zum einen stört hier – gerade beim Einstellungsbereich von 6 bis 8 cm – die scharfe Kante, die einem das Festdrehen erschwert, zum anderen kommt man mit den Fingern, wenn man vor der Säge steht, nicht gut an die Schraube heran. Dem Anschlag mit der scharfen  Kante kann man begegnen, indem man den Halbrund-Anschlag einfach dreht. Für die Idee, gut an die Schraube zu kommen, half neben Hirnschmalz auch Glück: „Wie es der Zufall will, habe ich eine längere Schraube mit gleicher Gewindestärke gefunden und mit einer Aluminiumhülse modifiziert“, berichtet Christoph Pahl. Die neue Schraube – nun verlängert und damit fingerschonend – erfüllt ihre Funktion zu hundert Prozent. Bei der Arretierung zu diesem Anschlag sollte der Hersteller aber nachbessern.

Abgesehen von dieser Ausnahme funktioniert die Bedienung der Anschläge aber gut (Längs-, Quer- und Multifunktionsanschlag). In der täglichen Arbeit hat man oft mit Vorrichtungen an Tischkreissägen zu tun, die ungenau sind oder wackeln. Nicht so hier: Auch auf halbe Millimeter ist der Längsanschlag gut einstellbar und genau.

Säge im Betrieb – an Arbeitsschutz wurde gedacht

Nachdem wir uns mit den Funktionen vertraut gemacht haben, folgt der Praxistest. Mit der Säge sind sowohl in der Werkstatt, aber auch auf der Baustelle komplexe Sägearbeiten möglich. Auffällig für eine Tischkreissäge ist der zweigeteilte transparente Sägeblattschutz mit Absaugung. Durch die Zweiteilung bleibt bei kurzen Abschnitten das Sägeblatt verborgen und bietet so Schutz vor seitlichem Eingreifen. Eine ebenso einfache wie auch funktionale Möglichkeit, den Arbeitsschutz zu erhöhen. Guter Arbeitsschutz auch bei schlechten Lichtbedingungen: Das sensorgesteuerte LED-Licht geht bei Betrieb automatisch an und hat eine starke Leuchtkraft. „Der Arbeitsbereich wird gut ausgeleuchtet, das ist neu und sehr gut“, sagt Schreinermeister Pahl. „Ein Laser, wie man ihn bei Kappsägen kennt, um den Sägeschnitt zu verfolgen, wäre natürlich noch ein weiteres Plus“, sagt er. Möglicherweise wird dieser Verbesserungsvorschlag vom Hersteller aufgenommen und umgesetzt.

Weichholz (Fichte) schneidet die Säge mühelos und sauber. Auch bei Hartholz, wir schneiden ein  4x6 cm-Kantholz der Länge nach auf, wirkt die Säge nicht überfordert. Auch Schrägschnitte, verdeckte Schnitte und Tauchschnitte (der Spaltkeil kann abgesenkt beziehungsweise abmontiert werden) sind ohne Probleme möglich. Die Absaugung funktioniert dabei sehr gut. Der neu entwickelte Staubkanal, der für einen schnelleren Span-Abtransport sorgt, hinterlässt kaum Staub beim Arbeiten. Der Arbeitsbereich bleibt so weitestgehend sauber von Spänen.

Arbeitshöhe – für größere Menschen zu klein

Neben vielen positiven Aspekten hat Christoph Pahl noch einen Verbesserungsvorschlag zur Tischhöhe, diese beträgt vom Boden 89 cm. Für eine gute Ergonomie mit angenehmem Arbeiten sei das zu niedrig, sagt Pahl. Er selbst ist 1,80 m groß. Im gleichen Zusammenhang mit der Arbeitshöhe erwähnt Pahl den Ein- und Ausschaltknopf, den er auch als zu niedrig empfindet. „Mag sein, dass manche das nicht stört, mir ist es aufgefallen“, sagt der Schreiner und Architekt. Er hat sich zu diesem Zweck Kufen gebaut und erhöht so den Arbeitstisch auf rund 95 cm. Seine Argumentation ergibt sich aus der Arbeit im Küchenbau: Hier seien in den letzten Jahren die Arbeitsbereiche immer höher geworden. Möglicherweise kann hier bei einem Relaunch der Säge nochmal nachgebessert werden. Mit kleinen Beson­derheiten, wie der Drehzahlre­gelung direkt am Einschaltknopf oder der cleveren Aufbewahrung des Sägeblattschutzes beim Zusammenbau der Maschine für den Transport, kann die Maschine weitere Punkte sammeln. Das Kabel lässt sich zum Transport einfach seitlich anbringen.

Zusätzlich lässt sich mit Auflage- und Halteschienen ein Zusatztisch montieren, um die Auflagefläche für Werkstücke zu vergrößern. Das optionale Anschlaglineal erleichtert den Zuschnitt von längeren Werkstücken im Längsschnitt bis 1000 mm. Mit dem Schiebeschlitten als weiterem Zusatzelement lassen sich Werkstücke bis 905 mm Schnittlänge fast schon so komfortabel wie bei einer Format-Kreissäge bearbeiten.

Positives Gesamturteil

Das Gesamturteil von Christoph Pahl fällt positiv aus. Die Details und das Handling der Maschine überzeugen ihn, vor allem, seit er nun bei der Anschlagschraube selbst nachgebessert hat. Dies und die Arbeitstischhöhe waren seine Kritikpunkte an der neuen „Erika 85“. Um die Säge als vollwertige kleine Formatkreissäge zu haben, würde er sich noch die weiteren Zusatz-Anbauteile zulegen, wie Zusatztisch und Anschlaglineal. Diese Elemente sind in der Grundausstattung nicht dabei.

Autor

Rüdiger Sinn ist freier Journalist und freier Mitarbeiter der Zeitschriften dach+holzbau und bauhandwerk.

Technische Daten Unterflursäge

„Erika 85“

Schnitthöhe -1 bis 85 mm

Schnitthöhe bei 45° -1 bis 59 mm

Schwenkbereich -3 ° bis 48 °

Zuglänge 430 mm

Nennleerlaufdrehzahl 2050 bis 4300 1/min

Nennaufnahme 2500 W

Gewicht (inkl. Multifunktionsanschlag MFA) 40 kg  

Schnittgeschwindigkeit 26,8 bis 56,3 m/s

Universal-Motor 230 V / 50 Hz

UVP des Herstellers 3063,06 Euro

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