Zimmerer aus dem Schwarzwald gewinnt Silber bei den „Worldskills“
Florian Dorer aus Furtwangen hat bei den „Worldskills“ im September 2026 in Shanghai die Silbermedaille im Wettbewerb der Zimmerer gewonnen. Dabei lag der 22-Jährige nur vier Punkte hinter dem französischen Goldmedaillengewinner Benjamin Blegean. Die Bronzemedaille ging nach Österreich.
Florian Dorer, Zimmerergeselle aus Furtwangen im Schwarzwald, trat bei den „Worldskills“ vom 22. bis 27. September 2026 in Shanghai im Wettbewerb der Zimmerer gegen insgesamt 15 Teilnehmende aus 15 Ländern an. Dabei waren bei den diesjährigen „Worldskills“ rund 1400 junge Fachkräfte aus 70 Ländern und Regionen in 64 Disziplinen vertreten. Im April 2026 wurde Florian Dorer für die „Worldskills“ nominiert.
Die Gewinner im Wettbewerb der Zimmerer bei den „Worldskills“ 2026 in Shanghai (v.l.n.r.): Florian Dorer (Silber), Benjamin Blegean (Gold) und Luca Reitböck (Bronze)
Foto: Worldskills International
Der Wettbewerb in Shanghai stellte Florian Dorer allerdings vor eine andere Aufgabe als erwartet. Statt an den im Training intensiv geübten geometrischen Konstruktionen und Aufrissen arbeiteten die Teilnehmenden überwiegend nach CAD-Plänen an einer Konstruktion, die stärker an typische Abläufe auf der Baustelle angelehnt war.
Anspruchsvolle Wettbewerbsaufgabe
Im Wettbewerb der Zimmerer musste ein Pavillon in Holzrahmenbauweise errichtet werden. Diese Aufgabe umfasste drei Module: Das erste Modul bildete die Balkenlage als Unterbau des Pavillons. Diese ruhte auf sechs Podesten und sollte so ausgeführt werden, dass anschließend eine Treppe angebaut werden konnte. Florian Dorer richtete die Balkenlage millimetergenau aus und beplankte sie anschließend mit Platten.
Im Wettbewerb errichteten die Zimmerer einen Pavillon in Holzrahmenbauweise, der aus einer Balkenlage als Unterkonstruktion, Holzrahmenwänden und einem Walmdach bestand
Foto: Höselbarth/ ZDB
Im zweiten Modul erstellte der Zimmerer vier Wände in Holzrahmenbauweise, drei davon erhielten eine Sperrholzbeplankung, eine wurde durch eine eingelassene Strebe ausgesteift. Die Wände mussten zunächst vorgefertigt und anschließend aufgerichtet werden. Dabei mussten Maße von unterschiedlichen Bezugspunkten übertragen und exakt eingehalten werden.
Den Abschluss des Modells bildete mit dem dritten Modul ein Walmdach mit schrägem Giebel. Dafür mussten die Maße rechnerisch ermittelt und die Konstruktion nach CAD-Plänen geplant, gefertigt und montiert werden. Auch die Abschlussbretter an Traufe und Giebel mussten passgenau zugesägt und mit den erforderlichen Überständen angebracht werden.
Konzentration, Flexibilität und Präzision gefragt
Während des Wettbewerbs waren vor allem Konzentration, Flexibilität und sauberes Arbeiten entscheidend – dabei musste Florian Dorer seine Abläufe an die veränderte Aufgabenstellung anpassen. Nach insgesamt 22 Stunden und vier Wettbewerbstagen hatte der Zimmerer die Aufgabe erfolgreich beendet und seinen Pavillon fertiggestellt.
Der Wettbewerb stellte Florian vor eine andere Aufgabe als erwartet: Statt der im Training geübten geometrischen Konstruktionen und Aufrisse arbeiteten die Zimmerer überwiegend nach CAD-Plänen an einer Konstruktion, die aus drei Modulen bestand
Foto: Höselbarth/ ZDB
Zu der herausfordernden Aufgabe im Wettbewerb erklärt Andreas Großhardt, Teamleiter der Zimmerer-Nationalmannschaft: „Die Aufgabe wich stark von dem ab, was wir trainiert hatten. Wir hatten Aufrisse, Schiftungen und Holzverbindungen geübt. Aber Florian hat sich gut an diese veränderten Bedingungen angepasst und schnell und präzise gearbeitet. Am Ende lag das Wettbewerbsfeld an der Spitze sehr eng beieinander. Da können kleinste Abweichungen über die Platzierung entscheiden.“
Knappe Entscheidung
Im Anschluss an den internationalen Wettbewerb folgte die Siegerehrung: Dabei wurde Florian Dorer mit der Silbermedaille und somit dem zweiten Platz im Wettbewerb der Zimmerer ausgezeichnet. Mit 726 Punkten lag er nur vier Punkte hinter dem französischen Goldmedaillengewinner Benjamin Blegean. Die Bronzemedaille ging an Luca Reitböck aus Österreich mit 724 Punkten.
Die Auszeichnung mit der Silbermedaille bei den „Worldskills“ sei ein großer Erfolg für Florian Dorer, meint Peter Aicher, Vorsitzender von Holzbau Deutschland und sagt: „Florian hat sich auf die ungewohnte Aufgabe eingestellt und sein Können unter internationalem Wettbewerbsdruck überzeugend gezeigt. Dazu gratulieren wir ihm herzlich.“
Florian Dorer war mit seinen Trainern, der Teamleitung und zwei weiteren Mitgliedern der Zimmerer-Nationalmannschaft nach Shanghai gereist. Das Team freute sich gemeinsam über die Auszeichnung von Florian bei den „Worldskills“
Foto: Pauline Strack
Gemeinsam mit Florian waren seine Teamkollegen Jakob Schäf und Moritz Klemm aus der Zimmerer-Nationalmannschaft mit nach Shanghai gereist. Zudem waren der Teamleiter Andreas Großhardt sowie die Trainer Michael Rieger und Sascha Brück mit vor Ort, um Florian im Wettbewerb zu unterstützen. Michael Rieger, der seit 2012 Trainer der Zimmerer-Nationalmannschaft ist, war zugleich deutscher Experte im „Skill Carpentry“ bei den „Worldskills“. Linus Großhardt, Goldmedaillen-Gewinner der „Euroskills“ 2025 und ehemaliges Mitglied des Zimmerer-Nationalteams, war ebenfalls mit vor Ort in Shanghai.
Intensive Vorbereitungen und Trainings
Die Vorbereitungen der Nationalmannschaft auf eine Europa- oder Weltmeisterschaft erfordern zahlreiche Trainingseinheiten, die richtige Ausstattung und eine starke Teamleitung. Vieles wird dabei ehrenamtlich geleistet – die Teammitglieder investieren dafür auch ihre Freizeit und ihren Urlaub. Unterstützt wird die Zimmerer-Nationalmannschaft unter anderem von den Holzbau-Deutschland-Leistungspartnern sowie dem Förderverein der Zimmerer-Nationalmannschaft.
Zwei Mal Gold für das deutsche Team
Florian Dorer trat bei den „Worldskills“ 2026 in Shanghai nicht nur als Mitglied der Zimmerer-Nationalmannschaft, sondern auch als Teil des Nationalteams Deutsches Baugewerbe an. Zum Team gehörten neben ihm Maximilian Bürger (Stuckateur), Nico Schleicher (Fliesenleger), Leonhard Eham (Maurer) sowie Tim Arnold und Jakob Distler (Beton- und Stahlbetonbauer). Insgesamt 36 deutsche Kandidat:innen nahmen an den „Worldskills“ 2026 teil und gewannen zwei Goldmedaillen, eine Silber- und drei Bronzemedaillen sowie 15 Exzellenzmedaillen für herausragende Leistungen.
Gold bei den „Worldskills“ 2026 ging an die Beton- und Stahlbetonbauer Jakob Distler (links) und Tim Arnold (rechts), hier gemeinsam mit ihrer Trainerin, der Betonbauermeisterin Jule Janson
Foto: Höselbarth / ZDB
Über den ersten Platz im Wettbewerb der Beton- und Stahlbetonbauer:innen freuten sich Tim Arnold und Jakob Distler gemeinsam mit ihrer Trainerin Jule Janson. Im Wettbewerb der Möbelschreiner:innen gewann Tobias Kelz Gold – mit 731 Punkten setzte er sich gegen die internationale Konkurrenz durch und sicherte sich den Titel mit nur einem Punkt Vorsprung auf den zweiten Platz. Lennard Weitzmann und Marc-Aurel Spalek gewannen bei den „Worldskills“ 2026 im Wettbewerb der Landschaftsgärtner:innen Bronze.
Ausblick auf die „Euroskills“ 2027
Nächstes Jahr wird Deutschland zusammen mit Luxemburg die Europameisterschaften der Berufe – die „Euroskills“ – ausrichten. Rund 150 000 Besucher:innen und 800 Fachkräfte aus ganz Europa werden dazu im September 2027 in Düsseldorf erwartet. Die „Worldskills“ werden das nächste Mal im November 2028 in Aichi (Japan) stattfinden – bis dahin bleibt also noch genügend Zeit, um für die internationalen Berufsmeisterschaften zu trainieren oder sich für die Zimmerer-Nationalmannschaft zu qualifizieren.
AutorStephan Thomas ist Chefredakteur des Magazins dach+holzbau.
