„Die Aufstiegsmöglichkeiten sind enorm!”
Interview mit Dachdeckermeister Dominik Nöcker, Botschafter der Messe Dach+Holz 2026„Ich kann das, ich mache das und ich habe richtig Bock drauf!“ Mit dieser Einstellung geht Dominik Nöcker, Dachdeckermeister und Botschafter der Messe Dach+Holz 2026, jeden Tag zur Arbeit. Im Interview spricht er über Herausforderungen, Leidenschaft sowie den digitalen Wandel im Handwerk.
Dominik Nöcker ist leidenschaftlich gern Dachdecker und findet es wichtig, dass man seinen Beruf mit Motivation und Überzeugung ausübt
Foto: Rosa Köhne
Dominik, du hast einmal gesagt, dass der Dachdeckerberuf für dich das Spannendste ist, was es gibt. Was fasziniert dich am Meisten an deiner Arbeit?
Dominik Nöcker: Vor allem die Tradition und die Vielseitigkeit finde ich faszinierend. Ich finde es spannend, dass der Beruf heute weitgehend noch so ist, wie er früher einmal war, wenn es zum Beispiel um das Schiefern geht. Gleichzeitig hat sich das Leistungsspektrum vergrößert mit der energetischen Sanierung von Dächern oder mit Grün- und Flachdächern. Jede Baustelle ist anders, nie ist etwas gleich.
Was war bisher das lehrreichste Erlebnis in deiner beruflichen Laufbahn?
Schwierige Frage. Eigentlich sind die besten Aha-Momente die, in denen man etwas falsch gemacht hat, daraus lernt und es dann neu macht. Ich schaue auch sehr gerne Altgesellen bei der Arbeit zu, damit ich von ihnen lernen kann.
Was möchtest du als Botschafter der Messe Dach+Holz 2026 vermitteln? Gibt es Themen, die dir besonders am Herzen liegen?
Das Thema Karriere und Ausbildung liegt Dominik Nöcker besonders am Herzen
Foto: Rosa Köhne
Das Thema Karriere finde ich wichtig. Ich bin in unserem Dachdeckerbetrieb Ausbildungsleiter und öfter auf Berufsinfobörsen unterwegs. Die Aussteller dort werben offensiv mit Karrieremöglichkeiten. Wenn dann die jungen Leute zu mir kommen, sagen sie: „Ach ja, Dachdecker…“, als ob man bei uns im Handwerk keine Karriere machen könnte. Dabei sind die Aufstiegsmöglichkeiten bei uns enorm und gehen bis aufs Dach, mindestens! Aber im Ernst: Man kann sich nach der Ausbildung mit Lehrgängen vom Gesellen zum Fachgesellen für spezielle Tätigkeiten oder Arbeitsgebiete fortbilden. Oder zum Vorarbeiter hocharbeiten, wenn man mehr Verantwortung übernehmen will. Wer noch tiefer einsteigen möchte, macht den Meister und übernimmt eine leitende Funktion. Von da an steht einem jede Tür offen: Man kann den Techniker draufsatteln oder auch studieren. Wenn ich das erzähle, schaue ich oft in erstaunte Gesichter. Das ist den meisten nicht bekannt, weder den Berufsberatern noch den jungen Leuten oder deren Eltern.
Wie wichtig sind für dich der Austausch und die Vernetzung mit anderen Handwerksbetrieben?
Dominik Nöcker und das Team der Stappert Dachkonzepte freuten sich 2025 über die Auszeichnung mit der „Dachkrone“ in der Kategorie „Bestes Projekt“
Foto: Jonar
Das ist immens wichtig, ich sehe das in unserem Betrieb, der Firma Stappert Dachkonzepte in Meschede. Mein Chef, der in meinem Alter ist, nimmt selbstverständlich mal den Hörer in die Hand und ruft beim Kollegen an, wenn er bei einem Problem nicht weiterkommt. Noch in der Generation zuvor hat ein Betriebsinhaber dem Wettbewerber nicht „die Wurst auf dem Brot gegönnt“. Bei uns in der Region gibt es inzwischen nicht mehr so viele Betriebe, aber Aufträge sind ja trotzdem da. Es geht dann immer öfter darum, wer dem anderen helfen kann. Wir stehen alle vor den gleichen Herausforderungen und die sind besser gemeinsam zu bewältigen, indem man sich vernetzt und Erfahrungen austauscht. Das geht natürlich besonders gut auf Messen wie der Dach+Holz.
Welche Entwicklungen wünschst du dir für das Dachdeckerhandwerk, sei es im Bezug auf Technik, Nachhaltigkeit oder die Ausbildung?
Jede Technik kann noch so gut sein, wenn die Einstellung zur Arbeit anders wäre, wäre schon viel geholfen, meint der Dachdeckermeister und Markenbotschafter
Foto: Rosa Köhne
Wir haben schon ein gutes Niveau und auch nachhaltige Materialien im Dachdeckerhandwerk, zum Beispiel Dämmstoffe, PV-Anlagen und Gründächer.
Mein Wunsch wäre, dass endlich alle wieder mal sagen: „Ich kann das, ich mache das und ich habe richtig Bock drauf!“ Wenn die Einstellung zur Arbeit anders wäre, wäre schon viel geholfen. Jede Technik kann noch so toll sein: Wenn niemand Bock auf die Arbeit hat, funktioniert das alles nicht.
Du bist seit fast 20 Jahren im Dachdeckerhandwerk tätig. Wie hat sich der Beruf in dieser Zeit verändert?
Was mir am meisten auffällt: Das Denken der Kunden ist anders geworden. Ich habe 2006 angefangen, da hatte der Beruf noch ein etwas verruchtes Image nach dem Motto „Handwerker sind dreckig, alles ist teuer.“ Jetzt stelle ich fest, dass viele Kunden sehr dankbar sind, wenn man kommt. Es gibt wieder eine gewisse Wertschätzung gegenüber der handwerklichen Arbeit.
Welche Rolle spielt die Digitalisierung in deinem Arbeitsalltag und in eurem Betrieb?
Die Digitalisierung vereinfache viele Prozesse im Betrieb und auf der Baustelle, meint Dominik Nöcker
Foto: Rosa Köhne
Wir sind vor etwa einem Jahr auf eine Branchensoftware umgestiegen und haben auch die digitale Arbeitszeiterfassung eingeführt. Das erleichtert die tägliche Arbeit unheimlich. Alles ist digital und leicht zugänglich an einem Ort. Jeder Mitarbeiter kann mit dem Handy auf sein Projekt zugreifen und sieht, was er tun muss oder kann Notizen eingeben. In jedem Auto haben wir iPads, auf denen man alles noch mal in Groß sehen kann, zum Beispiel einen Verlegeplan. Zu jeder Zeit von jedem Ort aus kann man so Projekte einsehen und Fragen oder Probleme gemeinsam durchgehen. Das sorgt für kurze Abstimmungswege.
Gibt es bestimmte digitale Werkzeuge oder Technologien, die du und dein Team regelmäßig nutzen?
Da fällt mir der Akkuschrauber mit Drehmomentmessgerät ein. Die gemessenen Daten lassen sich auslesen und dienen dann als Befestigungsnachweis, zum Beispiel beim Montieren einer PV-Anlage oder einer Fassadenunterkonstruktion.
Inwiefern denkst du, dass die Digitalisierung das Dachdeckerhandwerk zukünftig beeinflussen wird?
Das wird auf jeden Fall so sein! Schon deshalb, weil man dadurch keine Zettelwirtschaft und kein Papierchaos mehr hat. Allein die Zeiterfassung oder die Baustellendokumentation wird ja sehr einfach gemacht. Die Digitalisierung erzieht die Mitarbeiter auch ein Stück weit zur Eigenverantwortung, indem sie diese für ihr Tun in die Pflicht nimmt.
Am Dachdeckerberuf schätzt Dominik Nöcker vor allem die Tradition, die Vielseitigkeit, aber auch die Karrieremöglichkeiten
Foto: Rosa Köhne
Wie stellst du dir die Zukunft des Dachdeckerhandwerks vor?
Ich würde mir wünschen, dass die Löhne und Vergütungen im Handwerk denen in der Industrie angepasst werden. Dass das Handwerk wieder mehr Wertschätzung erfährt und attraktiver wird. Dass mehr junge Leute in unseren Beruf kommen, die Bock haben, arbeiten und Karriere machen wollen. Denn Handwerk wird immer Handwerk bleiben, trotz aller Digitalisierung. Mit ihr kann man zwar vieles einfacher machen und Prozesse optimieren, aber letztendlich kommt es doch auf die Menschen an, die anpacken und die Arbeit erledigen!
Vielen Dank für das Gespräch!
