Dachschiebefenster statt Gaube
Bauen im Bestand trägt entscheidend dazu bei, dem Wohnungsmangel in Metropolen zu begegnen. Doch wer zusätzlichen Wohnraum schaffen will, gerät dabei schnell in Konflikt mit dem Denkmalschutz. Der Ausbau eines Dachspitzes mit Dachschiebefenstern zeigt, wie sich beide Anforderungen vereinen lassen.
Nach mehreren Jahren beruflicher Tätigkeit als Architektin in Berlin kehrte Magdalena Allekotte im Herbst 2025 nach München zurück. Dort übernahm sie die Planung des Dachspitzausbaus eines Hauses im Glockenbachviertel sowie die Abstimmung mit dem Denkmalamt. „Da die Dachschräge des Hauses bereits beim 3. Obergeschoss beginnt, sprechen wir beim darüberliegenden Raum nicht von einem Dachgeschoss, sondern von einem Dachspitz“, erläutert die Architektin.
Dank der Sonderkonstruktion bleibt die Schienenführung für die Fensterflügel für Außenstehende „unsichtbar“. Auf den verdeckten Schienen werden die Flügel manuell seitwärts geschoben, um die Fenster zu öffnen
Foto: Lideko
Bauen im Bestand ist ihr Spezialgebiet, und so sah sie ein großes Potential, um Wohnraum in bester Lage und mit hoher Lebensqualität zu schaffen. Der Grundriss unter dem Dach umfasst 100 m²; unter Berücksichtigung der Dachschräge beträgt die anrechenbare Nutzfläche rund 80 m². Zuvor war der Dachspitz zweigeteilt: Eine Hälfte diente als Trockenspeicher, wo nur Wäsche aufgehängt wurde. Die zweite Hälfte wurde kaum genutzt. Erst mit der Zusammenführung beider Teilbereiche und der Modernisierung konnte hier vollwertiger Wohnraum geschaffen werden.
Der ursprüngliche Entwurfsansatz sah vor, den Dachspitz mit Gauben auszubauen und so für mehr Lichteintrag und Wohnkomfort zu sorgen. Es zeigte sich jedoch schnell, dass dies mit dem Denkmalschutz, unter dem das Gebäude steht, nicht vereinbar ist.
Alternative zur Dachgaube
Die Markisen der drei Fensterkombinationen können unabhängig voneinander genutzt werden. Die links eingebaute Fensterkombination dient auch als Notausstieg
Foto: Lideko
Es musste also eine andere Lösung gefunden werden. Ein Bekannter von Magdalena Allekotte, der ebenfalls Architekt ist, berichtete ihr von seinen positiven Erfahrungen mit Dachschiebefenstern von Lideko. Diese können in vielen Fällen eine genehmigungsfähige Alternative zu Dachgauben sein. Die Fenster bieten einen weiteren großen Vorteil: Ihre Fensterflügel werden – anders als bei üblichen Dachflächenfenstern – beim Öffnen über ein spezielles Schienensystem zur Seite geschoben. Dadurch verschwinden sie komplett aus dem Blickfeld der Bewohner und geben die Sicht nach außen frei. Die Aussicht, mit den Dachschiebefenstern viel Tageslicht und Lufteintrag zu erzielen, überzeugte die Architektin sofort.
Herausforderung Denkmalschutz
Das Problem: Das Schienensystem, wie Lideko es standardgemäß für seine Dachschiebefenster montiert, war aus Gründen des Denkmalschutzes so nicht gestattet, denn auf der Dachhaut durften keine Schienen das Bild stören. Im Austausch mit den Technikern von Lideko offenbarte sich frühzeitig eine für alle Beteiligten gute Alternative. Daniel Lüdeke, Zimmerermeister und Abteilungsleiter für die Dachfenstersysteme bei Lideko, übernahm die Beratung. Für andere Projekte hatte er bereits mit Pfosten-Riegel-Konstruktionen gearbeitet, bei denen die Lideko-Dachschiebefenster mit festen Scheiben zu langen Lichtbändern kombiniert wurden. Auf dieser Basis entwickelte er im Rahmen dieses individuellen Auftrags eine maßgeschneiderte Lösung: Durch eine Sonderkonstruktion wurden die Schienen auf dem Dach verdeckt.
Die Markisen, hier bei der Pfosten-Riegel-Konstruktion mit dem „Premium“-Dachschiebefenster, lassen sich ganz nach Bedarf herunterfahren
Foto: Lideko
„Auf den Punkt gebracht, bestand die Lösung darin, nicht auf die Schienen zu verzichten, diese aber sozusagen unsichtbar zu machen“, schaut Daniel Lüdeke auf die Planungsphase zurück. Dabei wurden feste Fensterelemente mit Lideko-Dachschiebefenstern per Pfosten-Riegel-System verbunden. Die für das Öffnen und Schließen der Schiebefenster benötigten Schienen sind jeweils auf den festen Fensterelementen platziert. Ein spezieller Rahmen deckt die Technik optisch harmonisch und dem Denkmalschutz entsprechend ab.
Drei Kombinationen aus Dachschiebefenstern und festen Glaselementen
Insgesamt drei Fensterkombinationen wurden so erstellt: Auf der Hofseite des Gebäudes wurden links und mittig jeweils die einflügeligen „Classic“-Versionen der Lideko-Dachschiebefenster genutzt. Das bedeutet, dass die Fensterflügel beim Öffnen jeweils über ein 58,4 cm breites, fest installiertes Fensterelement gleiten und damit die Sicht nach außen freigeben. Die „Classic“-Fenster sind 1,50 m breit und 2,25 m hoch. So profitieren die Bewohner des Dachgeschosses auf Wunsch von viel Licht und Luftaustausch.
Die Kombination aus einflügeligen „Classic“-Dachschiebefenstern von Lideko und festen Glaselementen im Dachspitz des Münchner Wohnhauses sorgt für lichtdurchflutete Räume
Foto: Lideko
Der Effekt der beiden kleineren „Classic“-Fenster von Lideko ist bei der größeren „Premium“-Variante noch umso deutlicher. Dieses Fenster ist ebenfalls 2,25 m hoch, bietet aber eine Öffnung, die sogar 1,73 m breit ist. Auch hier werden die Fensterflügel beim Öffnen wie sonst üblich jeweils nach rechts und links geschoben; allerdings überdecken sie damit ebenfalls feste Fensterelemente (je 58,4 cm breit), wobei ihre Schienen von außen unsichtbar sind. Von innen ergibt sich in der Kombination aus den festen Scheiben und dem „Premium“-Dachschiebefenster eine Fensterfläche mit einer Breite von insgesamt drei Metern.
Manuelle Bedienung
Magdalena Allekotte betont die räumliche Wirkung der großformatigen Glasschiebefenster, die den Dachraum öffnen und für einen hohen Tageslichteintrag sorgen. Dass die Schiebefenster in diesem Fall allesamt manuell bedient werden, stört sie nicht. Eines der beiden kleineren Fenster dient als Notausstieg und darf deshalb ohnehin nur manuell zu öffnen sein. Da die Fenster beinahe bodentief installiert sind, müssen noch Absturzsicherungen eingebaut werden. Schutz vor allzu starker Sonneneinstrahlung bieten speziell zugeschnittene Markisen an allen drei Fensterkombinationen. In der Frage der Farbgebung für die Außenansicht der Lideko-Fenster kam erneut der Denkmalschutz ins Spiel. Die pulverbeschichteten Aluminiumprofile und sonstigen Teile sind im RAL-Ton 7022 („Umbragrau“) in Seidenmatt ausgeführt. Somit fügen sie sich ideal in das Bild der Stehfalzeindeckung aus Kupferblechtafeln ein.
Handwerkliches Know-how aus der Region
Unabdingbar bei der Montage von Lideko-Dachschiebefenstern ist ein Kran, der hier von der Zimmerei Scheuregger gestellt wurde, um die schweren Fenster auf das Dach zu befördern
Foto: Lideko
Den Einbau der drei Pfosten-Riegel-Konstruktionen inklusive der Verglasungen übernahmen die aus Osnabrück angereisten drei Lideko-Mitarbeiter selbst. Tatkräftige Unterstützung erhielten sie vom Münchner Zimmerei- und Holzbauunternehmen von Christoph Scheuregger, der die Gesamtkoordination des Umbaus mit allen beteiligten Gewerken in enger Abstimmung mit der Architektin und Eigentümerin wahrnahm. So bereitete der aus der Region stammende Handwerksbetrieb auch die Montage vor und baute nach dem Öffnen der Dachhaut die für die Fenster erforderlichen Wechsel ein. Die Logistik der gesamten Maßnahme, inklusive der auf früh morgens terminierten Straßensperrung und der Transporte einzelner Teile per Stapler vom Transport-Lkw zum Kran, war durchaus aufwendig. „Wir waren an der Abstimmung mit dem Denkmalschutzamt sowie an der Baustelleneinrichtung und der Montage maßgeblich beteiligt. So kümmerten wir uns beispielsweise um den Lkw-Kran, der die schweren Elemente auf das Dach hob“, sagt Christoph Scheuregger, Inhaber der Zimmerei. „Für uns war es das erste Projekt mit Lideko, und wir würden dies jederzeit wiederholen. Es hat alles super funktioniert. Außerdem haben die großflächigen Fenster auch einen echten Mehrwert für die Bauherrin.“
Zum Schluss bestand eine wichtige Aufgabe für den beauftragten Spenglerbetrieb darin, die letzten Kupferbleche an die neuen Fenster anzupassen und so das Erscheinungsbild des Daches im Sinne des Denkmalschutzes zu komplettieren.
Autor
Frank Beushausen ist Inhaber der Agentur Perfect Sound PR in Bissendorf bei Osnabrück und betreut die Amelingmeyer Metallbau GmbH, Hersteller der Lideko-Dachschiebefenster, in der Pressearbeit.
