Dachfenster in die Solaranlage integrieren

Neue Eindeckrahmen von Velux ermöglichen Kombination von Dachfenstern mit Indach-Photovoltaikanlagen - so funktioniert der Einbau

Photovoltaikanlagen werden zunehmend als dachintegrierte Systeme ausgeführt – das führt zu neuen Anschlusssituationen an den Dachfenstern. Für diesen Fall hat Velux spezielle Eindeckrahmen entwickelt. Wir zeigen, wie die Montage eines Dachfensters zwischen den Modulen einer Indach-Photovoltaikanlage mit den neuen Eindeckrahmen gelingt.

Die Energiewende, aber auch die aktuelle Entwicklung bei den Energiepreisen geben dem Thema solare Energiegewinnung vom Dach neuen Schwung. Vor allem Bauherren, die ohnehin ein neues Dach benötigen, entschließen sich oft zum Einstieg in die Solarstromgewinnung. Viele Bundesländer planen zudem eine Solarpflicht oder haben diese schon beschlossen.

Für das geneigte Dach stellt sich dabei zunehmend die Frage, ob im Falle eines Neubaus oder einer Dacherneuerung wie bisher zwei voneinander getrennte Funktionsebenen geplant und ausgeführt werden müssen. Bei den herkömmlichen PV-Systemen befinden sich die Solarmodule auf einer Unterkonstruktion oberhalb der Dachdeckung.

PV-Module ersetzen die Dachdeckung

Dieser doppelte Aufwand an Material und Arbeitszeit lässt sich durch dachintegrierte Systeme vermeiden, bei denen die PV-Module den Witterungsschutz übernehmen und die wasserführende Ebene bilden. Die Solarmodule ersetzen also die Dachziegel oder Dachsteine. Bei diesen dachintegrierten Anlagen ergeben sich neue Anschlusssituationen von der wasserführenden Ebene zu allen Einbauteilen wie etwa den Dachfenstern. Der Eindeckrahmen von Dachfenstern schließt dabei nicht mehr an eine konventionelle Dachdeckung an, sondern an das jeweilige Modulsystem.

velux_pv_odl_viridian_142592.jpg Die Kombination von dachintegriertem PV-System (hier von Viridian Solar) und Velux-Dachfenstern gelingt mit speziellen Eindeckrahmen
Foto: Velux

Die Kombination von dachintegriertem PV-System (hier von Viridian Solar) und Velux-Dachfenstern gelingt mit speziellen Eindeckrahmen
Foto: Velux

Speziell für diese Situationen hat Velux die Eindeckrahmen „ODL“ und „ODN“ entwickelt. Damit lassen sich Velux-Dachfenster mit einer Vielzahl von Modulen unterschiedlicher Hersteller verbinden, wobei die Eindeckrahmen in der Größe auf die jeweiligen Module abgestimmt sind.

In diesem Artikel wird der Einbau des Eindeckrahmens „ODL“ in das dachintegrierte PV-System „Clearline Fusion“ von Viridian Solar beschrieben. Möglich ist aber auch die Kombination mit Solarsystemen der Hersteller GSE Intégration, Homij und Ennogie. Bei den Systemen von Emergo wird der Eindeckrahmen „ODN“ verwendet.

Velux-Dachfenster sind auch mit Solardachziegeln grundsätzlich kompatibel, die meist kleiner als übliche Solarmodule sind. Allerdings werden dafür andere Eindeckrahmen benötigt: der Eindeckrahmen „EDT“ bei Solardachziegeln mit einer Höhe von ≤ 4 cm oder der Rahmen „EDW“ bei Solardachziegeln, die höher als 4 cm sind. Insgesamt soll somit eine Kompatibilität mit etwa 90 Prozent der auf dem Markt erhältlichen PV-Module erzielt werden.

Dachfenster montieren: vertraute Arbeitsschritte

Bei der Entwicklung der neuen Eindeckrahmen „ODL“ und „ODN“ wurde darauf geachtet, die bewährten Verbindungstechniken und gewohnten Handgriffe beizubehalten, die Dachhandwerker von den Eindeckrahmen für klassische Dachdeckungen kennen.

Der erste Schritt ist die Festlegung der Einbauposition, die sich nach den Sparren richtet und ein regelmäßiges Raster mit den künftigen PV-Modulen bilden soll: Das Fenster soll nach dem Einbau den Platz eines Moduls einnehmen, sodass eine ausgewogene Dachansicht entsteht.

Das Fenster selbst wird wie gewohnt montiert:

Dachausschnitt vorbereiten

Dämm- und Montagerahmen „BDX“ einsetzen

Dachfenster nach der Einbauanleitung einsetzen, ausrichten und befestigen

Anschlussschürze „BFX“ inklusive Wasserableitrinne montieren

velux_pv_odl_viridian_142753.jpg Nachdem das Velux-Dachfenster inklusive Dämm- und Anschlussrahmen montiert wurde, werden die ersten Solarkollektoren verlegt. Hier ist das Einsetzen eines Verbindungsprofils zwischen den Modulen zu sehen
Foto: Velux

Nachdem das Velux-Dachfenster inklusive Dämm- und Anschlussrahmen montiert wurde, werden die ersten Solarkollektoren verlegt. Hier ist das Einsetzen eines Verbindungsprofils zwischen den Modulen zu sehen
Foto: Velux

Als nächstes werden die Photovoltaikmodule unter und neben dem Dachfenster mit ihren Verbindungsprofilen und Ablaufrinnen nach der Einbauanleitung (in diesem Falle von Viridian Solar) montiert. Die Fläche oberhalb des Fensters bleibt zunächst frei. Zum Lieferumfang von Viridian gehören zwei Übergangs-Rinnenelemente, die jetzt an beiden Seiten eingesetzt werden. Diese sollen den Übergang vom Fenster zum darunterliegenden Modul sicherstellen. Außerdem erhält das untere Modul seinen oberen Abschluss mit dem zugehörigen Eindeckrahmen-Oberteil. Dieses Element von Viridian darf nicht mit dem gleichnamigen Oberteil des Fensters verwechselt werden!

Montage des Eindeckrahmens

Danach geht es mit der Montage des Eindeckrahmens weiter, die sich praktisch nicht von der Vorgehensweise bei anderen Eindeckrahmen für Ziegel oder Schiefer unterscheidet. Es beginnt mit dem Eindeckrahmen-Unterteil, das mit einer Nagellasche befestigt wird. Anschließend kann das untere Blendrahmen-Abdeckblech angeschraubt werden. Es folgt das Befestigen der Eindeckrahmen-Seitenteile mittels Lasche. Danach die seitlichen Blendrahmen-Abdeckbleche von unten einschieben und mit einem hörbaren Klick einrasten lassen. Für diesen Teilschritt sind die bereits mit dem Blendrahmen verbundenen, oberen Abdeckbleche vorübergehend noch einmal zu entfernen (ebenfalls werkzeugfreie Klickverbindung). Abschließend kann das Eindeckrahmen-Oberteil aufgeschoben und exakt nach Einbauanleitung mit den Seitenteilen verbunden werden.

Nahtlose Integration und flexible Belegung

Der Anschluss vom Viridian-Solarmodul zum Fenster ist sehr ähnlich wie der Anschluss von zwei Modulen untereinander. Dadurch entsteht nicht nur eine einfache und regensichere Verbindung, sondern auch ein harmonisches Bild auf dem Dach. Ausgeführt werden der linke und rechte Anschluss vom Dachfenster an das Solarmodul mit den Seitenprofilen aus dem Viridian-Zubehör. Dessen freie Enden werden sowohl am Eindeckrahmen des Fensters als auch am danebenliegenden Modul in Nuten eingeführt.

Danach können die PV-Module in der Reihe oberhalb des Fensters samt ihrer Ablaufrinnen verlegt und befestigt werden. Das Modul unmittelbar über dem Fenster erhält dabei einen Schwellereindeckrahmen aus dem Lieferumfang von Viridian. Mit dem Einhängen des Fensterflügels ist die Montage des Dachfensters und des Eindeckrahmens beendet.

In der hier beschriebenen Einbausituation ist das Fenster allseitig von PV-Modulen umgeben. Das System ist jedoch flexibel, sodass auch andere Anordnungen möglich sind, etwa mit Modulen nur neben und über dem Fenster. Die freie Unterseite schließt dann an eine konventionelle Dachdeckung an.

velux_pv_odl_viridian_142761.jpg Das Fenster entspricht der Größe eines Moduls und passt genau in das Raster der dachintegrierten Anlage. Auch andere Anordnungen, etwa ohne die Module unter dem Fenster, sind möglich
Foto: Velux

Das Fenster entspricht der Größe eines Moduls und passt genau in das Raster der dachintegrierten Anlage. Auch andere Anordnungen, etwa ohne die Module unter dem Fenster, sind möglich
Foto: Velux

Das Solarsystem „Clearline Fusion“ ist für Dachneigungen zwischen 20° und 60° geeignet, ein Bereich, der auch von Velux-Fenstern abgedeckt wird. In Kombination mit dem Viridian-System fügt sich die Fenstergröße 114 x 160 cm perfekt in das Modulraster ein. Der Eindeckrahmen „ODL“ ist in Grau und Schwarz sowie für verschiedene Fenstergrößen erhältlich. Der Velux-Eindeckrahmen ist so gestaltet, dass er keinen aktiven Teil der PV-Module verdeckt und keinen Schattenwurf erzeugt. Auf den gewohnten Komfort beim Tageslicht, dem Ausblick und der frischen Luft im Dachgeschoss muss so auch bei dachintegrierten Solaranlagen nicht verzichtet werden.

Autor

Alexander Piltz ist Produkttechniker bei der Velux Deutschland GmbH in Hamburg.

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