DigitalBau 2022 in Köln: Bauindustrie vernetzt sich

Netzwerken, sich über digitale Produkte und Lösungen informieren, von Stand zu Stand schlendern: Aussteller und Fachpublikum haben auf der DigitalBau in Köln den direkten Kontakt genossen, der nach zweijähriger Corona-Pandemie wieder möglich war. Angenehm großzügig waren die Laufwege auf der Messe angelegt, sodass sich niemand irgendwo hindurchdrängeln musste.

330 Aussteller, darunter viele Start-ups, präsentierten sich vom 31. Mai bis 2. Juni 2022 in drei Hallen auf der Messe digitalBAU in Köln. Eine große Bandbreite von Soft- und Hardware, Energie- und Messtechnik, Lichtsteuerung, Mobilität und Sicherheitssystemen bot Abwechslung. Zu zahlreichen Themen gab es auf der Messe Anregungen: Beginnend bei der der Planung und Umsetzung bis hin zu Unterhalt, Sanierung oder Rückbau. Angesichts aktueller Krisen sehen sich die Anbieter digitaler Lösungen im Aufwind, an „BIM“, dem „Building Information Modeling“, führe kein Weg vorbei. Wir haben uns auf der Messe umgesehen und stellen ausgewählte Aussteller der digitalBAU 2022 vor.  

Digitales Bautagebuch mit Wetterdaten

„Durch die Materialknappheit ist die digitale Erfassung von Bauprojekten noch wichtiger geworden“, ist sich Marion König-Böhme, Geschäftsführerin von „Bau Pro Check“ aus Stuttgart, sicher. Denn so rasant sich täglich die Preise und Liefertermine für Materialien ändern, käme man mit Zettelwirtschaft gar nicht mehr hinterher. Das Unternehmen bietet ein digitales Bautagebuch an. Von der ersten Mail bis zur letzten Aktennotiz fließe alles ein. „Mit Hilfe von Vorlagen, die einmal hinterlegt werden, wird die gesamte Korrespondenz gebündelt“, erklärt Robert Edelmann, Leiter Kundenbetreuung, und klickt durch ein Beispiel-Projekt. Auch entstandene Baumängel können mit Fotos eingespeist werden.

Gleichzeitig können Wetterdaten abgefragt werden. „Das ist wichtig, um Bauverzögerungen und auch Bau-Stopps später dokumentieren zu können“, so Edelmann. Per Zeiterfassung kann jeder Mitarbeiter auch eintragen, wie lange er für die Erfassung eines Vorganges gebraucht hat. Die Cloud-Lösung habe sich im Homeoffice bewährt.

Bei „Open Experience“ können Schäden direkt auf dem Tablet markiert werden
Foto: Michaela Podschun

Bei „Open Experience“ können Schäden direkt auf dem Tablet markiert werden
Foto: Michaela Podschun
Komplett dem Thema Bauschäden hat sich „Open Experience“ mit Sitz in Karlsruhe verschrieben. Per Tablet lassen sich bereits bei Baustellen-Begehungen sämtlich Kratzer, Risse und weitere Auffälligkeiten mit Fotos und Text einspeisen und eine entsprechende Handlungsaufforderung ans jeweilige Bau-Unternehmen mailen. Details farbig markieren, Abmessungen einzeichnen sei bequem möglich, führt Martin Wagner, Mitarbeiter von Open Experience, vor.  

Per Drohne über die Baustelle

Die „AI-Survey GmbH" brachte eine Drohne mit zur DigitalBau 2022
Foto: Michaela Podschun

Die „AI-Survey GmbH" brachte eine Drohne mit zur DigitalBau 2022
Foto: Michaela Podschun
Wer sich grundsätzlich ein Bild von oben machen möchte, für den vermessen die Ingenieure von „Ai-Survey“ aus Kassel per Drohne zu Land, zu Wasser und in der Luft. „Wir haben eine 100-Mega-Pixel-Kamera und können bis 120 m hoch fliegen“, berichtet Carsten Rudolph, Founder & CEO.

Sehr viele Start-ups nutzten die DigitalBau, um sich zu präsentieren. Die Johannes Bopp GmbH (Braunschweig) kümmert sich um die Suche von gewerblichen Mitarbeitern für Bauunternehmen via Social Media. Dabei bespielen die Mitarbeiter zudem regelmäßig die Social-Media-Kanäle der Betriebe.  

Digitale Betriebsmittelverwaltung

Eine digitale Betriebsmittelverwaltung lässt sich mit „Zamics“ erstellen. „Zamics“ mit Sitz in Berlin setzt sich aus einer Hardware- und einer Software-Komponente zusammen. Die Geräte werden mit einem Transponder ausgestattet. Durch das Scannen per App lassen sich alle Informationen erfassen. „Auf welcher Baustelle befindet sich meine Rüttelplatte? Oder ist sie gerade in Reparatur? Wann ist der TÜV fällig? Fragen, die jeder Handwerker mit unserem Tool schnell beantworten kann“, sagt Christian Marx von der Zeppelin Lab GmbH. Auch eine Chip-Variante zur Speicherung der Gerätedaten wird angeboten.

Digitales Schließsystem

Das Thema Sicherheit spielt für „akii“ (Berlin) eine große Rolle. Geboten wird ein digitales Schließsystem für die Baustelle. „Damit erledigt sich die Schlüssel-Sucherei“, ist sich Anthony Forsans, Leiter Unternehmensentwicklung, sicher. Robuste Schließzylinder und Vorhängeschlösser können für Container, Häuser und Wohnungen programmiert werden.

Und wer sich über die DigitalBau hinweg vernetzen möchte, für den ist „The Practory“  (Stuttgart) eine Info-Plattform mit mehreren Funktionen. Im Forum können Meinungen ausgetauscht werden, in der Academy können Kurse und Vorträge gebucht und in der Bibliothek nach Beiträgen gestöbert werden.   

Autorin

Michaela Podschun ist Redakteurin der Zeitschriften bauhandwerk und dach+holzbau.

Rückblick auf die digitalBAU 2022 in Köln

330 Aussteller aus 16 Ländern, darunter 72 Start-ups, präsentierten ihre Produkte und Lösungen auf der digitalBAU 2022. Expertenwissen in fünf Foren, zahlreiche Networking-Events und die Verleihung des Deutschen Baupreises zählten zu den Highlights der Messe. Rund 10 000 Besucher aus 41 Ländern kamen zur digitalBAU 2022, davon etwa 10 Prozent aus dem Ausland. Besucherstärkste Länder nach Deutschland waren Österreich, Schweiz, Niederlande, Türkei und Belgien.

Branchentrends und Trophäen

Die Ausstellungsbereiche der Fachmesse behandelten die Schwerpunkte Digitale Baustelle/BIM, Digitale Städteplanung, Smart Building, Künstliche Intelligenz und Robotik. Ergänzend bot ein umfassendes Rahmenprogramm Fachwissen und jede Menge Networking-Events wie das Start-up-Matchmaking. In fünf Foren vermittelten 180 Speaker geballtes Expertenwissen und diskutierten aktuelle Entwicklungen und Branchentrends der Digitalisierung. Bei der Innovation Challenge präsentierten zehn Finalisten eines vorangegangenen Online-Votings ihre innovativen Ideen. Eine Fachjury kürte schließlich die Sieger der beiden Kategorien: Pix4D und Hottscan. Ein weiteres Highlight war die Verleihung des Deutschen Baupreises, die zum ersten Mal auf der Messe stattfand. Mit dieser Auszeichnung prämiert der Bauverlag in zehn Kategorien die innovativsten Unternehmen der Branche.

Ab 2023 wird die digitalBAU jährlich stattfinden, das nächste Mal als digitalBAU Conference mit begleitender Ausstellung vom 4. bis 6. Juli 2023 in München, dann wieder im Februar 2024 in Köln.

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