Wohnraum auf Zeit in Münster

Die Stadt Münster setzt beim Bau von Flüchtlingswohnheimen auf die Holzrahmenbauweise. Drei Wohnheime wurden in Münster bereits fertiggestellt. Weitere drei sind im Bau. Doch die Baugenehmigungen der Häuser sind begrenzt auf fünf Jahre. Was danach mit ihnen passiert, steht noch nicht fest.

„Wir haben viele Konzepte für Flüchtlingswohnheime erhalten“, sagt Roland Schniedenharn, Fachstellenleiter des Amts für Immobilienmanagement der Stadt Münster, „aber das Konzept von Terhalle Objektbau hat uns überzeugt.“ Im Jahr 1986 als Zimmerei gegründet, ist Terhalle heute ein Unternehmen mit mehr als 230 Mitarbeitern. Für die Stadt Münster hat Geschäftsführer Jürgen Ellerkamp der Terhalle Objektbau Bauträger GmbH ein Konzept für ein zweigeschossiges Flüchtlingsheim erstellt. Im Oktober 2015 begann der Bau eines der Flüchtlingsheime in Münster-Gievenbeck. Mit dem Bus sind es von hier 30 Minuten bis in die Innenstadt. Es ist kein Problemviertel oder Randbezirk, sondern ein Wohnviertel mit vielen Neubauten. Das Haus war nach drei Monaten fertiggestellt. Es ist alles andere als eine  Notunterkunft, es ist eine dauerhafte Bleibe für insgesamt 100 Menschen, darunter viele Familien.

Großer Stahlrost als Fundament

Die Punktfundamente für das zweistöckige Haus gossen die Handwerker mithilfe von Kanalringen, die sie mit Beton füllten. In die Betonfundamente schraubten sie Ankerplatten mit Stützen, darauf befestigten sie einen großen Stahlrost. Der Rost sollte die Basis für den weiteren Bodenaufbau bilden.

Liegende Holzrahmen

Direkt auf dem Stahlrost befestigten die Handwerker die unterseitig mit zementgebundenen Spanplatten vorgefertigten Holzrahmenelemente. Die Gefache der Rahmen wurden schon vor dem Transport auf die Baustelle mit Mineralwolle gedämmt (WLG 035) und mit OSB-Platten beplankt. Durch die Stützen liegen die Holzrahmen mehr als 30 cm über dem Erdreich und sind so vor Feuchtigkeit geschützt. Zusätzlich verlegten die Arbeiter ein Schotterbett, damit Spritzwasser und Feuchtigkeit nicht an das Holz gelangen.

Die Außenwände waren ebenfalls schon mit Mineralwolle (WLG 035) gedämmt und mit OSB-Platten beplankt, als sie auf der Baustelle ankamen. Mit Kränen hob man sie auf die Bodenplatte und  verschraubte sie  in den Sparren der liegenden Holzrahmen.

Die Innenwände waren dagegen auf einer Seite offen, als die Handwerker sie einbauten. „Hier haben wir die Mineralwolldämmung (WLG 040) erst auf der Baustelle eingefüllt, weil wir unter Zeitdruck standen“, sagt Ellerkamp, „denn wir hatten nur wenig Zeit für die Vorfertigung. Also haben wir uns entschieden, eine ganze Menge Arbeit direkt auf der Baustelle zu erledigen.“ Außer der Dämmung verlegten die Monteure auf der Baustelle alle Leitungen für Wasser und Elektrik in den Innenwänden. Alle Wände wurden mit Gipsfaserplatten von Fermacell beplankt, anschließend gespachtelt und gestrichen. Die Decken wurden mit OWA-Akustikplatten abgehängt.

Zwischendecke aus Brettsperrholzplatten

Nicht nur die Außenwände, sondern auch ein Großteil der Innenwände sind tragend. Die Decke zwischen dem Erdgeschoss und dem ersten Stock besteht aus kreuzverleimten Brettsperrholzplatten. „Sie war schnell einzubauen und ist schnell wieder demontierbar“, erklärt Ellerkamp. Das war eine der Vorgaben der Stadt Münster: Das Haus soll, wenn es nicht mehr gebraucht wird, schnell wieder abgebaut sein. Denn es gibt nur eine befristete Baugenehmigung für fünf Jahre. Roland Schniedenharn vom Amt für Immobilienmanagement der Stadt Münster sagt: „Ob die Baugenehmigung verlängert wird, das hängt davon ab, wie in fünf Jahren die Flüchtlingszahlen aussehen. Erst dann kann man sagen, ob das Haus als Asylbewerberunterkunft, Studentenwohnheim oder für Senioren genutzt oder ob es abgebaut wird.“

Die Decke zum ersten Stock ist 12 bis 14 cm dick und wurde mit einer Granulatschüttung beschwert. Die auf der Schüttung verlegten Trittschalldämmplatten wurden mit einer 21 mm dicken OSB-Platte abgedeckt, die als Grundlage für den Oberboden dient. Darauf verlegten die Handwerker PVC-Böden in den Wasch- und Technikräumen und Linoleumböden in den Wohnräumen. Rauchmelder und Fluchtwege wurden zusammen mit der Stadt Münster erarbeitet. Die Sanitärzellen mit Dusche, Toilette und Waschbecken waren ebenfalls schon komplett fertig, als die Handwerker sie in den Rohbau montierten und anschlossen.

Dachüberstände zum Regenschutz

Das Dach besteht aus 35 Nagelplattenbindern, die vorgefertigt zur Baustelle geliefert wurden. Auf der Baustelle verschraubten die Zimmerleute die Binder zu Windverbänden und befestigten sie an den Obergurten der Außenwände. Dazu benutzten sie Winkelverbinder. Am Tag darauf verlegten sie den Laufsteg in der Dachmitte und steiften das Dach mit Windrispenbändern aus. Dann verlegten sie die Unterspannbahn und montierten die Konterlattung auf. Die Dachrinnen montierten sie einen Tag später. Anschließend verschraubten sie Stahltrapezbleche auf dem Dach, setzten Lüfter ein und montierten die Ortgangbleche.

An den Giebel- und Traufseiten kragt das Dach über den Treppen etwa 1,80 m aus. So sind die Bewohner auf den Außentreppen vor Regen geschützt. Von unten ist das Dach mit einer Fichten- und Tannenholzschalung verschalt. Der Dachboden des Hauses ist nicht ausgebaut, hier verlaufen nur Kabel und Leitungen. Zu Revisionszwecken ist eine kleine Tür an der Giebelseite eingebaut.

Mit der Fassadengestaltung spielen

„Bei Holzhäusern ist der Vorteil, dass man mit der Fassadengestaltung ein bisschen spielen kann“, sagt Ellerkamp, „etwa mit einer Lärchenholzschalung. Die Wechselstülpschalung an den Fenstern lockert die Fassade hervorragend auf.“

Das Haus hat einen Fernwärmeanschluss, von einem Gaskraftwerk in Münster kommt heißes Wasser. In Düsseldorf werden die Holzrahmenhäuser für Flüchtlinge ebenfalls schon gebaut. So finden Flüchtlinge, die aus vorübergehenden Unterkünften kommen, eine dauerhafte Heimat. Zumindest für die nächsten fünf Jahre.

Autor

Stephan Thomas ist Volontär in der Redaktion der Zeitschriften bauhandwerk und dach+holzbau.

„Bei Holzhäusern kann man mit der ­Fassadengestaltung ein bisschen spielen“

Das Haus muss schnell wieder abbaubar sein.

Bautafel (Auswahl)

Projekt Zweigeschossiges Flüchtlingsheim in Münster-Gievenbeck

Bauherr Stadt Münster

Bauzeit 3 Monate (Oktober bis Dezember 2015)

Holzbau/Innenausbau/Fenster und Türen Terhalle Objektbau,

Ahaus-Ottenstein, www.terhalle.de

Architekt Dipl.-Ing. Jürgen Ellerkamp, Geschäftsführer der Terhalle Objektbau Bauträger GmbH

Baukosten etwa 2 Mio. Euro (inklusive Möbel, Waschmaschinen und Haustechnik)

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