Liebe Leserinnen, liebe Leser,

Die Messe BAU ist für viele Verbände auch eine Möglichkeit, sich darzustellen und sich zu positionieren. Das hat auch die Deutsche Gesellschaft für Mauerwerks- und Wohnungsbau e.V. (DGfM) getan und kündigte eine Pressekonferenz mit markigen Worten in Richtung der Holzbaubranche an: „Raubbau am Forst“ und „Ausverkauf der Ressource Wald“, war in der Vorankündigung zu lesen (siehe auch Meldung im Heft auf Seite 5).

"Das Ende der Steinzeit"

Was war passiert? Eine Woche zuvor fand in Berlin der Sägewerkkongress statt, zu dem die Holzindustrie mit dem Titel „Das Ende der Steinzeit“ eingeladen hatte. Schon allein der Titel stieß dem DGfM sauer auf, die Inhalte zielten dann klar darauf ab, dass dem Holzbau die Zukunft gehören wird. Der DGfM war in der Defensive und sputete sich, auf der BAU besagte Pressekonferenz zu lancieren und Zahlen zu präsentieren, die für den Massivbau sprechen. Das ist legitim, aber die Zahlen sollten schon stimmen: Die DGfM zitiert aus einem Papier der Bundeswaldagentur und kommt zu dem Schluss, dass die Verbrauchsquote von Nadelholz um 15 Prozent über der natürlichen Nachwachsrate liegt, unterschlägt aber eine relativ hohe Exportquote von deutschem Holz. Ein Faktencheck, herausgegeben von proHolz Bayern, relativiert das Ganze und zeigt, dass der Fichtevorrat, also die Baumart mit dem schnellsten Wachstum und mit 25 Prozent dem höchsten Anteil in Deutschland gegenüber der letzten Inventur 2002 nur um 4 Prozent abgenommen hat. Wenn man das weiß, lassen sich diese Zahlen besser einordnen.  

"Nachhaltigkeitszertifikate außer Acht gelassen."

Denn die DGfM sieht vor allem beim Import von Schnittholz Probleme. „Hier werden Nachhaltigkeitszertifikate außer Acht gelassen“, sagt der Geschäftsführer der DGfM, Dr. Ronald Rast im Gespräch mit der dach+holzbau. Richtig ist, dass 70 Prozent des zwischen 2013 und 2015 importierten Nadelrundholzes aus FSC- oder PEFC-zertifizierten Quellen stammt. 30 Prozent sind also nicht zertifiziert. Davon ganz abgesehen, wird von Umweltorganisationen generell die Labelvergabe als zu lasch kritisiert. Greenpeace zum Beispiel empfiehlt generell das strengere FSC-Siegel.

Holz speichert CO2

Was aus meiner Sicht in der Diskussion der DGfM total außer Acht lässt, obgleich in der aktuellen Klimadebatte viel debattiert, ist die CO2-Speicherung des nachwachsenden Rohstoffes Holz. Dies sollte in der Debatte über umweltfreundliches Bauen natürlich genauso wenig fehlen, wie die Diskussion über Recyclingfähigkeit oder Wiederverwertbarkeit von Rohstoffen, auch von Holzbauten, vor allem wenn man sich komplexe Wandaufbauten mit Dämmstoffen, Beplankung, Holzwerkstoffplatten etc. ansieht. Man kann bei der Abwägung der Argumente nicht achtsam genug sein und vor allem dem Wort Nachhaltigkeit – das in diesem Zusammenhang immer wieder angeführt wird – am Besten keinen Glauben schenken. Wenn also der DGfM verkündet, „Stein ist grün und günstiger als Holz“, so ist das – zumindest was das Wort „grün“ betrifft – zu hinterfragen. 

Vermutlich wäre es um die Glaubwürdigkeit der Verbände besser bestellt, wenn sie sich gemeinsam an einen Tisch setzen würden. Denn jeder Rohstoff hat natürlich seine Vorteile, die gilt es – nachdem der gemeinsame Nenner geklärt wurde, wo man denn gemeinsam hin möchte in der Zukunft – herauszuarbeiten. Ein Nenner könnte sein, Wohnraum zu schaffen, möglichst attraktiv, umweltfreundlich hergestellt, für lange Zeit wertstabil und bezahlbar. Hier gibt es genug zu tun – für alle!

Lesen Sie hier mehr zum Thema.

Die Massivbauweise umweltfreundlicher erscheinen zu lassen als den Holzbau, obwohl vieles dagegen spricht, ist unsinnig

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