Liebe Leserinnen, liebe Leser,

über die Wohngesundheit habe ich mir früher wenig Gedanken gemacht und da ging es mir wahrscheinlich wie den meisten Menschen. Ich bin nicht davon ausgegangen, dass die Bodenbeläge oder die Farbe an den Wänden schlecht für meine Gesundheit sein könnten. Auch Schimmel in den Ecken habe ich als nicht gefährlich eingestuft. Intuitiv habe ich mich aber in Räumen wohl gefühlt, die gut gelüftet waren und wo für ausreichend Tageslicht gesorgt war.

Womöglich hat uns das Thema Wohngesundheit früher auch nicht so sehr tangiert wie heute, weil wir immer mehr Zeit in geschlossenen Räumen verbringen. Glaubt man Untersuchungen, so sind es je nach Berufsstand zwischen 50 und 90 Prozent unserer Zeit. Zudem waren die Gebäudehüllen vor 25 Jahren noch nicht so dicht wie heute, die Räume waren einem ständigen Luftaustausch unterworfen. Was heute mit der Dichtheit der Gebäude auf der einen Seite also den Energieverbrauch senkt, ist auf der anderen Seite schlecht fürs Raumklima. Auch deshalb lassen viele Firmen heute ihre Produkte zertifizieren. Erst kürzlich, auf der Messe Dach+Holz, hat das Sentinel Haus Institut die Prüfungsergebnisse eines Schrägdach-Aufbaus präsentiert, das einen Monat lang unter Laborbedingungen getestet wurde. Lesen Sie mehr dazu im Top Thema ab der Seite 12 im aktuellen Heft.

Gesundes Wohnen geht am besten ganz natürlich. Ein Beispiel dafür präsentieren wir Ihnen mit der Baustelle des Monats ab der Seite 44. Der Woodcube ist ein besonderer Holzbau, nämlich einer, der zu 90 Prozent aus Holz besteht. Wenn Sie nun stutzen, weshalb das so betont werden muss, dann kennen Sie womöglich diese Zahlen nicht: Untersuchungen zeigen, dass Holzbauten im städtischen Umfeld im Durchschnitt nur zu 40 Prozent aus Holz bestehen. Die so titulierten Holzbauten sind in den meisten Fällen also Mischbauten, das Holz – mit seinen positiven Eigenschaften – tritt in den Hintergrund. Nicht so beim Woodcube, der sich von anderen Holzbauten entscheidend abhebt. Die Wand- und Deckenelemente des Herstellers Thoma sind aus unbehandeltem Mondholz mehrlagig aufgebaut und nicht verleimt, sondern kraftschlüssig verdübelt. Die Einstofflichkeit und das sichtbare Holz tragen zu einem gleichbleibend guten Raumklima bei, das Holz puffert die Feuchtigkeit und gibt sie gleichmäßig wieder ab. Dazu passt, dass der Erfinder des so genannten Holz100-Baustoffs, Erwin Thoma, kürzlich ein Buch mit Maximilian Moser geschrieben hat. Dort werden die positiven Eigenschaften von Holz beschrieben, zum Beispiel, dass sichtbares Holz die Herzschlagrate senkt. Moser forscht hierzu an der medizinischen Universität Graz. Von seinen Studien werden wir noch berichten.

Ich wünsche Ihnen eine anregende Lektüre, bei der wir in vielen Beiträgen den Fokus auf die Wohngesundheit gesetzt haben. In diesem Sinne: Denken Sie an Ihr Wohlbefinden und arbeiten Sie möglichst viel im Freien oder in einem Holzhaus!
Frohes Schaffen wünscht Ihnen

Arbeiten Sie möglichst viel im Freien oder in einem Holzhaus – zum Wohl Ihrer Gesundheit

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