Gute Akustik mit Holz

Die Fachschule für Kunst und Gewerbe im luxemburgischen Limpertsberg wurde um einen Gebäudekomplex bestehend aus Cafeteria, Mensa und Dreifeldsporthalle erweitert. Bei der Konzeption legten die Planer Wert auf eine gute Raumakustik, die bereits bei der Gebäudekonstruktion hergestellt wurde.

Das LTAM (Lycée technique des arts et metiers) in Limpertsberg ist die älteste technische öffentliche Schule Luxemburgs. Das Hauptgebäude – ein ehemaliges Kloster – wurde im Laufe der letzten Jahrzehnte bereits mehrmals erweitert und umgebaut. Steigende Schülerzahlen, Platzmangel sowie aktualisierte Sicherheitsauflagen und neue Gesundheits- und Hygienevorschriften machten den Neubau einer Mensa mit Cafeteria und einer Sporthalle erforderlich.

Gefühl für räumliche Zusammenhänge

Das Büro Romain Hoffmann Architectes aus Luxemburg integrierte das Gebäudeensemble mit viel Gespür für räumlich harmonische Zusammenhänge. Die 1215 m² fassende Dreifeld-Sporthalle senkten sie teilweise ins Erdreich ab. Zusammen mit einer zurückhaltenden Fassadengestaltung in Weiß kaschierten die Architekten das große Raumvolumen auf diese Weise geschickt. In einer umlaufenden Gebäudespange sind Umkleide- und Geräteräume, Sanitär und Technik untergebracht. Ein zum Schulhof hin orientierter Gebäudeteil, beherbergt im Erdgeschoss die Cafeteria mit Platz für 150 Schüler sowie die Küche mit Nebenräumen. Im Obergeschoss schiebt sich die 350 Plätze fassende Mensa als aufgeständerter Riegel darüber, wodurch wertvolle Hoffläche erhalten bleibt und gleichzeitig ein überdachter, wettergeschützter Bereich geschaffen wird. Außerdem markiert der Platz unter der im Herzen des Campusgeländes positionierten Mensa das kommunikative Zentrum.

So zurückhaltend die Sporthalle gestaltet wurde, so markant präsentiert sich das Mensagebäude mit seiner auffälligen Verkleidung aus Hochdruck-Schichtpressstoffplatten, die für dieses Projekt mit realistischen Bambusmotiv bedruckt wurden. Das großflächige Muster kaschiert die Plattenstöße, und es entsteht das Bild einer zusammenhängenden, immergrünen Fläche. Große, polygonale Fenster schaffen interessante Perspektiven in die Umgebung. Die Flachdächer von Mensa und Sporthalle sind hingegen mit 2000 m2 echtem Grün bepflanzt.

Hybrid-Bauweise mit Beton und Holz

Bodenplatten, tragende Wände im Bereich von Sporthalle und Cafeteria sowie alle Stützen und Geschossdecken sind aus Stahlbeton hergestellt. Die raumteilenden, statisch nicht wirksamen Wände sind aus Mauerwerk oder in Leichtbauweise errichtet.

Bei der Dachkonstruktion der Dreifeldsporthalle wurde mit Tragwerkselementen aus Holz eine statisch tragende Konstruktion geschaffen und gleichzeitig die Akustik merklich verbessert. Dies erfolgte mit den flächigen Dachbauteilen „Ligno Block Q3 Akustik“. Mit ihnen können mühelos große Spannweiten überbrückt werden. Die zu massiven Scheiben verbundenen Holzschichten vereinen als multifunktionale, formstabile Gesamtpakete Statik, Schallschutz und endfertige Holzansicht in einem.

Die Bauteile kommen ab Werk an ihrer Unterseite mit einem raumakustisch wirksamen Leistenprofil mit hinterlegtem natürlichem Holzfaser-Absorber. Ohne nachträgliche Innenausbauarbeiten dämpfen sie den Lärmpegel auf ein angenehmes Maß und reduzieren auch den Nachhall. Der Absorber und die profilierten Oberflächen schaffen einen akustischen Ausgleich für die schallharten Betonwände der Halle, die über der umlaufenden Holz-Prallwand sichtbar belassen wurden.

Die Brettsperrholz-Kastenelemente „Ligno Block Q3“ wurden einfach auf die tragenden Holzbinder aufgelegt und haben eine innen flächenfertige Echtholz-Untersicht. Drei große Oberlichter sorgen für eine ausreichende und gleichmäßige natürliche Belichtung der Spielfelder.

Ruhe trotz Tellerklappern

Während bei der benachbarten Mensa die Wände als gedämmte und beplankte Holzständerkonstruktionen errichtet wurden, kamen bei der Dachkonstruktion ebenfalls Brettsperrholz-Scheiben, Typ „Ligno Block Q“, zum Einsatz. Hier jedoch ohne Akustik-Oberfläche. Was jedoch nicht bedeutet, dass in dem hochfrequentierten Raum auf raumakustische Maßnahmen verzichtet wurde. Im Gegenteil: In der Mensa entschlossen sich die Architekten dazu, „Ligno-Akustik light-Paneele“ mit offenen Fugen von der Decke abzuhängen und auf diese Weise noch einen weiteren Vorteil der Vollholzelemente auszunutzen: Da die Segel luftumspült sind, erschließt sich die Speichermöglichkeit der darüberliegenden tragenden Elemente für die anfallenden thermischen Lasten. Das ist ein Bestandteil des Energiekonzepts: Tagsüber speichern die Materialien die Wärme, nachts werden sie hingegen – durch die automatisch gesteuerte Fensterlüftung – wieder auf natürlichem Weg nach draußen befördert wird. Auf teure und aufwendige Lüftungstechnik konnte somit verzichtet werden.

Neben den akustischen und energetischen Qualitäten überzeugte die Planer die Eleganz der hellen, astreinen Echtholz-Oberfläche und das gleichmäßige Leisten-Fugen-Bild. Das aus dem Schwarzwald stammende, ohne Aststellen verarbeitete Weißtannenholz der Deckenuntersichten gibt den Räumen eine freundliche Atmosphäre und sorgt akustisch und optisch für eine der Nutzung angemessene Wohnlichkeit im Schulkontext.

Autorin
Dipl.-Ing. Iris Darstein-Ebner ist Architekturjournalistin in Stuttgart und arbeitet bei der Agentur pro publica, die den Hersteller Lignotrend bei der Pressearbeit betreut.

Baubeteiligte (Auswahl)

Bauherr Ministère du Développement durable et des Infrastructures – Administration des bâtiments publics (Luxemburg)

Architekt Romain Hoffmann architectes & urbanistes s.à r.l. (Luxemburg)

Statik TECNA s. à r.l. ingenieurs-conseils

(Luxemburg)

Holzbau Prefalux S.A. (Junglinster – LU)

Produkte / Hersteller (Auswahl)

Dachkonstruktion Sporthalle Brettsperrholz-Rippenelemente „Ligno Block Q3 Akustik“

Dachkonstruktion Mensa Brettsperrholz-Rippenelemente „Ligno Block Q“ mit darunter abgehängten Paneelen „Ligno Akustik light“

Hersteller Lignotrend Produktions GmbH,

79809 Weilheim-Bannholz, www.lignotrend.com

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