Gemeinsam eine Schule bauen

Bei welchen Bauprojekten arbeiten ein Zimmermann, eine Buchbinderin und ein Schiffsbauer Seite an Seite? Bei den wenigsten. Doch im Sommer 2012 packten alle mit an – beim Bau der Freien Aktiven Schule in Wülfrath bei Wuppertal. Über viele Wochen wurde dort gesägt und gezimmert, gemauert, geschliffen und gemeißelt.

Die Freie Aktive Schule in Wülfrath besteht seit 2005 aus einer Grund- und einer weiterführenden Realschule. Da die bisherigen Gebäude nicht mehr genügend Raum boten, kaufte die Schule ein ehemaliges Krankenhaus, um es zu sanieren. Die Finanzierung für den Kauf und die Sanierung lief über die in Bochum ansässige Gemeinschaftsbank für Leihen und Schenken (GLS). Die Grundschule wurde auf dem Nachbargrundstück komplett neu errichtet. Das obere Geschoss ist ein Holzbau in Holzständerbauweise. In die Gefache von 70 cm Stärke wurden zur Dämmung Strohballen gepresst, anschließend verputzten die Handwerker die Wände mit Lehm. „Damit liegen wir beim U-Wert unter dem Standard von Passivhäusern“, resümiert der Geschäftsführer der Schule, Robert Freitag. Neben den Schulgebäuden wurden außerdem eine Sporthalle, eine Mensa und eine Küche geplant.

Wandergesellen helfen kräftig mit

Vorangetrieben wurde der Bau von tatkräftigen – nur für Kost und Logis arbeitenden – Handwerksgesellen, die sich auf ihrer traditionellen dreijährigen Wanderschaft, der Walz befinden. Einmal im Jahr organisieren sie eine Sommerbaustelle, bei der sie für ihre Arbeit keine finanzielle Gegenleistung erwarten. „Wir unterstützen ein soziales Projekt, das wir besonders förderungswürdig finden“, berichtet einer der Organisatoren. Ralf ist gelernter Schreiner und Zimmermanngeselle aus Ostfriesland und seit zwei Jahren auf der Walz. Er ist einer von insgesamt 80 Wandergesellen, die sich aus ganz Deutschland auf den Weg nach Wülfrath gemacht haben.

Das Projekt ist dann fast über Nacht zu einer Kreativitätsschmiede und einem besonderen Gemeinschaftsprojekt geworden. Denn die Gesellen sind nicht nur gekommen, um dem Bauvorhaben ihr Können und ihre Arbeitskraft zu schenken, sondern auch um sich selbst weiter zu entwickeln, wie Robert Freitag berichtet: „Die meisten Gesellen sind Zimmerleute, aber wir hatten auch zwei Schmiede und einen Landschaftsbauer da. Der Landschaftsgärtner legte einen Natursteinweg für uns an“, erzähl Robert Freitag, der über die Kreativität und Spontaneität der jungen Handwerker und Handwerkerinnen staunt. „Auch eine Buchbinderin war hier, um ein Gästebuch zu fertigen. Das sind ganz spontane Ideen der Gesellen, über die wir uns freuen“, sagt Freitag. Eine Steinmetz-Gesellin sei ebenso zum Bau hinzugestoßen. Sie hatte sich entschieden, eine Stele aus Marmor zu meißeln, die den Eingang der Schule zieren soll. Tischler stellten Garderoben für die Kinder her und selbst der Schiffsbauer brachte sein Können ein: Kurzerhand hatte er angeboten, ein Boot als Spielgerät zu bauen.

Doch nicht nur während der gemeinsamen Arbeit gab es einen starken Zusammenhalt. Auch nach getaner Arbeit gab es unter den Gesellinnen und Gesellen Gemeinschaftsgefühlt pur. Sie saßen an der selbst gebauten Bar oder an der Grillstelle beisammen und spürten die Dankbarkeit, die ihnen entgegenkam während ihrer Arbeit. Doch wie Zimmermann Ralf betont, beruht der Respekt vor der Leistung des Anderen auf Gegenseitigkeit: „Ich ziehe meinen Hut davor, wie dieses Projekt hochgezogen wurde – und ehrlich gesagt gibt es nicht viele Leute, vor denen ich den Hut ziehe.“

Autorin

Eva Schneeweiss ist Chefredakteurin des Bankspiegels, dem Magazin der GLS Bank. Der Artikel ist in ähnlicher Form dort bereits im Dezember 2012 erschienen.

„Wir unterstützen mit unserer Arbeitskraft Projekte, die wir besonders förderungswürdig halten“

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