Dachschweißautomaten retten Zeitplan

Trotz eines frühen Wintereinbruches konnte der dreigeschossige Holzbau in Massivholzbauweise in Büchenbeuren (Hunsrück) fristgerecht fertig gestellt werden. Einen Beitrag leisteten drei auf die Arbeitsbedingungen abgestimmte Schweißgeräte für die Aufbringung der Dachbahnen auf dem leicht geneigten Satteldach.

Mit der Inbetriebnahme des Gesundheitszentrums Büchenbeuren in der Nähe des Flughafens Frankfurt-Hahn im Hunsrück im April 2011 wurde eine Vision Wirklichkeit, die für viele Bereiche als Leuchtturm des planerischen, architektonischen, ökologischen und ökonomischen Handelns gelten kann.

Das Gesundheitszentrum knüpft zudem an das an, was die Politik fordert: die Erhaltung der Grundversorgung im ländlichen Raum. Bei den Planungen weitete sich das Projekt immer weiter zu einem „gesunden“ Vorhaben aus, bei dem den Gesundheitsdiensten (Ärzten, Apotheke, medizinische Dienstleister), der Bevölkerung und der gesamten Region ein zusätzliches Plus an Ökologie und Energieeinsparung gegeben wurde. Hinzu kommen neue Beschäftigungsmöglichkeiten in der Region. In diesem Zusammenhang wurde konsequent auf nachhaltiges, ökologisches Bauen, Energieeffizienz und die Verwendung des Baustoffes Holz aus heimischen Wäldern gesetzt.

Leuchtturmprojekt im ländlichen Raum

Mit Brettsperrholzelementen, gefertigt in der Region (Firma Eugen Decker, Morbach), deren gute Dämmeigenschaften und geringe Wärmeleitfähigkeit bekannt sind, wurde ein dreigeschossiges, kubisches Gebäude mit rund 13 x 52 m errichtet. Die moderne Architektursprache ließ sich dabei perfekt mit dem Werkstoff Holz umsetzen.

In sich abgestimmtes energetisches System

Das Flachdach (als leichtes Satteldach mit 3 Grad ausgeführt) ist mit der breiten Seite nach Süden ausgerichtet, hier erzielen die Solarkollektoren einen sehr guten Wirkungsgrad. Zusätzlich leisten die Aufdach-Luft-Wasser-Wärmepumpen ihren Anteil an dem Konzept des energiesparenden Bauens. Weiterhin tragen 30 qm Warmwasserkollektoren an der Südfassade zur Gebäudeheizung und Brauchwassererwärmung bei. Positiv für die Energiebilanz ist die Wärmerückgewinnung bei den Lüftungsanlagen. Durch das Niedrigtemperatur-Heizsystem (Fußbodenheizung) wird auf diese Weise Energie eingespart.

Abgerundet wird das ganzheitliche Energiekonzept durch eine 70 kWp Photovoltaik(PV)-Anlage auf dem Flachdach, auf die die Solarmodule ohne Durchdringung der Dachhaut aufgebaut werden konnten. Sie produziert rechnerisch 20 Prozent mehr Energie als beim Betrieb selbst verbraucht wird. Es entstanden vier große Felder mit insgesamt 389 Modulen über eine Fläche von 680 Quadratmetern.

Klug durchdachtes Energiekonzept

Das Dienstleistungszentrum übertrifft die Anforderungen der Energieeinsparverordnung (EnEV) 2009 deutlich und wird durch die Anrechnung der PV-Anlage in der Gesamtbilanz zu einem Plusenergiegebäude. Das Gebäude unterschreitet den erforderlichen, spezifischen Transmissionswärmeverlust HT um
30 Prozent.

Öffentliche Förderung und Zeitplan

Um Mittel der öffentlichen Förderung fristgerecht erhalten zu können, war der Realisierungszeitplan äußerst knapp bemessen. In weniger als neun Monaten sollte der Bau fertig gestellt werden. Allerdings kam ein langer Winter, der von Dezember 2010 bis Januar 2011 mit langen Perioden von Eis, Schnee und Kälte die Bauarbeiten behinderte. Zwischen dem Spatenstich (September 2010) und dem Richtfest Anfang Dezember 2010 lagen nur zehn Wochen.

Deshalb blieb auch der Firma Karl Schlösser Bedachungen aus Neuwied nur ein Zeitfenster von neun Tagen für die Dacheindeckung und rund drei Wochen für die Installation der PV-Anlage.

Das Dach, Garant für Energieeffizienz

Dem Generalunternehmer für die Bauausführung (Neubauer Ingenieurholzbau aus Dörth) oblag auch die Unterkonstruktion und Dämmung des Flachdachs. Die Ausführung als Flachdach wurde zum einen gewählt, um die PV-Anlage flach aufbringen zu können, zum anderen, um die mögliche Gebäudehöhe optimal zu nutzen und auch dem dritten Geschoss ebene Raumdecken mitzugeben.

Die Unterkonstruktion wurde aus Gipskartonplatten (unterhalb der Sparren), der Foliendampfsperre Isover, einer Zellulose-Dämmung als Zwischensparrendämmung (Sparrendicke = 300 mm) und einer OSB 4-Platte als luft- und winddichten Abschluss ausgeführt. Der Wärmedurchgangskoeffizient des Daches beträgt 0,15 W/m²K.

Der Neuwieder Dachdecker-Meisterbetrieb Karl Schlösser führte dann die eigentlichen Arbeiten auf dem Dach aus. Als Trennlage fungierte ein 600 Gramm schweres Polyesterflies, abgedeckt mit einer 2 mm Alcorplan in einer Bahnbreite von 110 cm. Die Fixierung erfolgte über Tellerbefestigungen im Bereich der Nahtüberdeckungen, die dann anschließend homogen verschweißt wurde.

Dachschweißautomaten retten Zeitplan

Um bei dem Energieplushaus mit seinem innovativen Konzept auch das Dachgewerk fristgerecht fertig zu stellen, setzte der Handwerksbetrieb auf ein System von Dachschweißautomaten der Firma Herz. Bei den Flächenarbeiten konnten Dachbahnen mit dem Dachschweißautomaten Typ Laron Meter für Meter in konstanter Geschwindigkeit verschweißt werden. Hierbei waren die optimale Einstellbarkeit der drei Schweißparameter Temperatur, Geschwindigkeit und Druck sowie das praxiserprobte, ergonomische Handling der Maschine von entscheidender Bedeutung.

Mit seinem robusten, baustellengerechten Design, der Anfahrautomatik und bei einem Gewicht von 35 kg wird die Schweißnahtbreite von 40 mm mit Temperaturen bis 620 Grad in kontinuierlicher Qualität erzielt. Für die Dachränder, -ecken und -anschlüsse setzte das Schlösser-Team auf das Handschweißgerät Typ Rion, das mit seiner ergonomischen Form und seinem Gewicht von 1,3 kg sehr handlich ist.

Um die Verschweißung der Dachbahnen im Bereich der Trägerprofile sicherzustellen, fiel die Wahl auf das Herz-Gerät Belton P. Mit dem Doppelschweißautomat konnte gleichzeitig auf beiden Seiten des Trägerprofils der Solarpanele die Verschweißung erfolgen. Gerade die enge Zeitvorgabe im Rahmen der Errichtungsphase im Verbund mit dem heftigen Wintereinbruch mit Kälteperioden von über 20 Grad minus ließen den Projektleiter der Schlösser-Bedachungen, Thomas Meuter, ein eindeutiges Fazit ziehen: “Ohne die Herz-Dachschweißautomaten, als Selbstfahrgeräte, mit dieser Schweißkapazität, wäre ein homogener Verbund der Schweißung nicht möglich gewesen.“

Die fristgerechte Übergabe an den Bauherrn (die GZB-Projekt GmbH & Co. KG in Boppard) konnte so noch vor Weihnachten 2010 vollzogen werden.

Autor

Dipl.-Betriebswirt Klaus Bucher betreut verschiedene Firmen bei der Pressearbeit und ist spezialisiert auf Themen der Gewerke auf dem Bau.

Ohne die Dachschweißautomaten wäre ein homogener
Verbund der Schweißung nicht möglich gewesen

Bautafel

Objekt Gesundheitszentrum Büchenbeuren

Generalunternehmer / Bausführung Neubauer Ingenieurholzbau, Dörth

Brettsperrholzelemente Eugen Decker, Morbach

Bedachung / PV-Anlage Karl Schlösser Bedachungen, Neuwied

Dachschweißautomaten Herz, Neuwied

Solarmodule Sunconcept GmbH, SCP 180 M5-50, Monokristalin

Architekt / Bauleitung Stadt – Land + Bahn, Hachenberg & Roll GbR, Boppard

Bauherr GZB-Projekt GmbH + Co. KG, Boppard

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