Bauphysik, Teil 1: Warum Luftdichtheit?

Bauphysik ist ein spannendes Feld, in dem man aber viele Fehler machen kann. In einer Serie wollen wir Ihnen das Thema Dämmung und Luftdichtheit näherbringen. Dabei haben wir einen besonders interessierten Mitstreiter: das Känguru von ProClima. Teil 1 beschäftigt sich mit der Frage zur Luftdichtung.

Das Känguru fragt im ersten Teil unserer Serie: „Warum brauche ich eigentlich eine Luftdichtung?“

Unsere Antwort: Die Luftdichtung hat große Einflüsse auf Gebäude. Denn: Bei schlechter Luftdichtung strömt ungewollt Luft durch die Gebäudehülle. Dabei können Stoffe oder Energie transportiert werden – man spricht von Konvektion. Das bedeutet, dass Wärme ungewollt während des Winters das Gebäude verlässt oder während des Sommers eintritt. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass bei starker Luftdurchströmung (also durch Leckagen), sich die Wärmedämmleistung auf bis zu 20 Prozent reduzieren kann.

Kleine Undichtigkeit, große Wirkung

Schon kleine Undichtigkeiten haben dabei eine große Wirkung, denn neben Wärme kann auch Wasser, das als Luftfeuchte im Innenraum vorliegt, über Leckagen in der Luftdichtung in die Bauteile gelangen. Im Winter fällt dort die Temperatur ab. Die Feuchtigkeit kondensiert zu flüssigem Kondensat, das dann in der Dämmebene auftreten kann. Das wiederum kann Folgeschäden wie zum Beispiel Schimmel verursachen.

Ebenso können sich natürlich auch Geruchs- oder Schadstoffe unerwünscht ausbreiten; und wer will schon riechen, was der Nachbar gerade kocht.

Oft unterschätzt wird auch der Aspekt der Behaglichkeit. Durch Luftströmungen können unangenehme Zuglufterscheinungen auftreten, an Stellen, die wir zunächst nicht vermuten. Zum Beispiel aus der Drückerplatte der Toilette, wenn diese in einer Vorwand vor einer unverputzen Mauer installiert wird.

Kalte Luft ist trocken, das kann Probleme machen

Durch die Einströmung kalter Außenluft im Winter reduziert sich bei deren Erwärmung im Innenraum außerdem die Luftfeuchte. Das mag zunächst positiv klingen, jedoch reizt zu trockene Raumluft die Schleimhäute und kann daher zu Beschwerden führen.

Luftdichtheit ist inzwischen Pflicht: Verordnungen wie die EnEV und Normen wie DIN 4108-7 geben die luftdichte Bauweise vor. Und das sowohl beim Neubau als auch bei der Sanierung. Ein Nachweis der Luftdichtigkeit erfolgt mit Hilfe eines sogenannten „Blower-Door-Tests“ (Differenzdruck-Messverfahren). Dieser wird gesetzlich aber nur dann gefordert, wenn die Ermittlung von Lüftungswärmeverlusten rechnerisch berücksichtigt werden sollen oder ein Nachweis erforderlich ist, zum Beispiel für einen KfW-Kredit.

Architekten müssen entsprechende Planungsleistungen erbringen, die Handwerker dann sorgfältig umsetzen müssen. Das luftdichte Bauen ist also Pflicht! Das bedeutet im Umkehrschluss, dass bei Nichtbeachtung ein Mangel vorliegen kann, der zu Nachbesserung oder Schadensersatz führen kann.

Autor

Stefan Hückstädt (Dipl.-Ing. (FH) Holzbau und gelernter Zimmerer) ist Anwendungstechniker bei Pro Clima in Schwetzingen.

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