Mit Schweißmittel und Heißluft Dächer der Werkzeugfabrik Kukko in Hilden saniert

Bei der Inspektion der Dächer der Werkzeugfabrik Kukko in Hilden fanden Dachdecker einige Schäden. Statt diese zu reparieren, entschied sich der Firmeninhaber für eine komplett neue Dachabdichtung. Die Dach­decker erstellten einen neuen Dachaufbau mit Mineralwolldämmplatten und Kunststoffdachbahnen.

Seit fast 100 Jahren stellt die Kukko Kleinbongartz & Kaiser oHG Abziehwerkzeuge für Handwerk und Industrie her. Im Rahmen einer Dachinspektion am Firmenstandort in Hilden wurden an drei Dachflächen Schäden festgestellt. Der Firmeninhaber entschied sich für die Erneuerung der gesamten Dachabdichtung, statt nur einzelne Stellen ausbessern zu lassen. So mussten im Frühjahr 2017 insgesamt 7200 m² Dachfläche bei laufender Produktion erneuert werden. Verteilt waren die zu sanierenden Flächen auf zwei Flachdächer und ein Tonnengewölbedach.

Für die Planung und Ausführung der Sanierung war die Delcor Sanier- und Dämmtechnik GmbH aus Bohmte zuständig. Der Betrieb hat sich auf die Sanierung von flachen und flachgeneigten Warmdächern spezialisiert. 45 Dachdecker hat der Betrieb bundesweit im Einsatz, verteilt auf mehrere Montageteams.

Analyse und Sanierungskonzept

Zunächst verschaffte sich Dachdeckermeister Tobias Meyer von der Delcor GmbH ein eigenes Bild vom Zustand der Dachflächen. Probeöffnungen gaben Hinweise auf den vorhandenen Schichtenaufbau und flossen in die Sanierungsplanung mit ein. In Abstimmung mit dem Bauherrn legte der Dachdecker die Vorgehensweise für die drei Dachflächen fest.

Zunächst musste der größte Teil der Flächen komplett bis zur Trapezblech-Tragschale abgetragen werden. Nur in einem kleinen Teilbereich, in dem der vorhandene Aufbau noch in einem vergleichsweise guten Zustand war, verblieben die alte Dämmung und Abdichtung auf dem Dach

Auf den restlichen Flächen verlegten die Dachhandwerker eine PE-Folie als Dampfsperre. Zur Sicherstellung der Dichtheit verklebten sie die einzelnen Folien untereinander. Im Bereich aufgehender Bauteile wie Attiken, Dachaufbauten oder Lichtkuppeln wurde die Dampfsperre hochgeführt und ebenfalls verklebt. Anschließend folgte eine Dämmschicht aus 120 mm Mineralwolle der WLG 040. Zum Schluss verlegten die Fachhandwerker die Dachabdichtung.

Auf der Dachfläche mit der verbliebenen Abdichtung wurde diese entlang der Dachränder und Einbauten aufgeschnitten. Damit wurde die alte Bitumenabdichtung entspannt. Zusätzlich verlegten die Dachdecker zwischen Alt­abdichtung und neuer Dachbahn eine 20  mm dicke Sanierungsplatte aus Mineralwolle. Sie nimmt eventuelle Feuchtigkeit auf und gibt sie durch die Dachabdichtung nach außen wieder ab.

Diffusionsoffener als Bitumen

Auf den vormals mit Bitumenbahnen abgedichteten Dachflächen kamen Kunststoffdach- und Dichtungsbahnen zum Einsatz. „Wir arbeiten bei Flachdachsanierungen grundsätzlich nur mit Kunststoffdachbahnen, weil sie diffusionsoffener als Bitumenbahnen sind“, erklärt Andreas Hanke, Geschäftsführer der Delcor GmbH. Mit den Dach- und Dichtungsbahnen von Alwitra habe er bisher sehr gute Erfahrungen gemacht. „Deshalb haben wir für die Sanierung in Hilden dem Bauherrn die mittig verstärkte „Evalon Dual“ empfohlen“, sagt Hanke.

Quellschweißmittel: nicht immer geeignet

Die Dachbahnen wurden untereinander teilweise mit Heißluft, teilweise mit Quellschweißmittel gefügt. Ob die Dachdecker der Delcor GmbH mit dem einen oder anderen Verfahren arbeiten, war abhängig von der Umgebungstemperatur und Luftfeuchtigkeit. „Wenn es zu heiß ist, arbeiten wir nicht mit Quellschweißmittel, da die Bahnen nicht richtig verfügen“, sagt Andreas Hanke. Da bei der Sanierung der Dachflächen auf dem Kukko-Gelände in Hilden die Dachbahnen mechanisch fixiert werden sollten, wählten die Dachdecker EVA-Dachbahnen mit Verstärkung in einer Breite von 1,5 m. Auf den Fabrikdächern rollten die Dachdecker die Bahnen oberhalb der Dämmschicht aus Mineralwolle (WLG 040) aus und fixierten sie im Saumbereich im Untergrund. Dazu nutzten sie Kunststoffschraubkombinationen, die sie durch den Dämmstoff in den Obergurten der Trapezbleche verschraubten.

Fügen der Bahnen im Nahtbereich

Alle Befestigungen erfolgten nach einer zuvor von Alwitra erstellten Windsogberechnung. Gefügt wurden die Bahnen in der Fläche mit einem Quellschweißgerät von Alwitra. Das Schweißgerät wird entlang der Nähte der Bahnen geführt. Dabei läuft das Quellschweißmittel über einen Schwenkhahn aus dem Vorratsbehälter in den Flachpinsel, der in der Überlappung positioniert ist. Der Flachpinsel benetzt die Kontaktflächen mit Quellschweißmittel. Durch das Eigengewicht der nachfolgenden Rollen unterhalb des Quellschweißgerätes werden die Bahnen im Nahtbereich zusammengefügt. Den Abschluss der Fügearbeiten bildete die Kontrolle mit dem Nahtprüfer. Für das Tonnendach nutzten die Dachdecker Heißluft-Handgeräte, da hier die Dachneigung für das Quellschweißmittel zu stark war. Details wie Kopfstöße oder Anschlüsse an Aufsetzkränze, Blitzschutzeinfassungen oder Gullys führten die Dachhandwerker ebenfalls mit einem Heißluft-Handschweißgerät aus.

Traufdetail am Tonnengewölbe

Eine der drei zu sanierenden Dachflächen ist ein Tonnengewölbe. An das Gewölbe schließt sich an beiden Traufseiten eine Flachdachfläche an. Zur Entwässerung der Tonnengewölbeflächen sind bauseitig an den Traufen Kastenrinnen integriert, die das Wasser direkt ableiten.

Im Zuge der Sanierung wurden die Rinnen neu ab­gedichtet, gedämmt und an die Flächenabdichtung angeschlossen. Hierzu befestigten die Dachhandwerker passend gekantete Verbundbleche an beiden Außenseiten der Kastenrinnen. Die Verbundbleche bilden die Grundlage für den Anschluss der Abdichtung, die in der Rinne verlegt ist. Gleichzeitig sind die Verbundbleche mit der Abdichtung zum tieferliegenden Flachdach verbunden. Zum Verkleben der neuen Abdichtung wurde eine Grundierung in der Rinne aufgetragen. Anschließend legten die Dachdecker ein passend zugeschnittenes, selbstklebendes Stück der Dachbahn „Evalon VGSK“ in die Kastenrinne und verklebten es dort.

Firmenlogo auf den Dachbahnen

In nur 12 Wochen wurden die Dachflächen in Hilden komplett saniert. Im Anschluss an die Sanierung brachte eine Werbetechnik-Firma das Kukko-Logo in grün und schwarz auf eines der Flachdächer auf (siehe Foto Seite 30). Die Fabrik liegt in der Einflugschneise des Düsseldorfer Flughafens. So ist sichergestellt, dass das Logo auch wahrgenommen wird. Dank der neuen Abdichtung der Hallendächer sind die Produktion und die Waren der Firma in den kommenden Jahren zuverlässig vor Witterungseinflüssen geschützt.

Autor

Sven-Erik Tornow ist Baufachjournalist und betreibt die Agentur Flüstertüte in Köln.

Bautafel (Auswahl)

Bauherr Kukko Kleinbongartz & Kaiser oHG Werkzeugfabrik, Hilden, www.kukko.com

Dachdecker Delcor Sanier- und Dämmtechnik GmbH, Bohmte, www.delcor-gmbH.de


Produkte (Auswahl)

Dachbahnen: „Evalon dual“, „Evalon VGSK“, Alwitra GmbH, Trier, www.alwitra.de

Heißlufthandgeräte: Leister Technologies Deutschland, Hagen, www.klappenbach.de

Kunststoff-Stahl-Schraubkombinationen: Harald Zahn GmbH, Wiesloch, www.zahngmbh.com

Mineralfaserdämmung: Deutsche Rockwool GmbH & Co. KG, Gladbeck, www.rockwool.de

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