Solar-Dachziegel nutzen die Sonnenkraft: So werden sie verlegt

Eine Dachdeckung aus Solardachziegeln ist eine Alternative zur klassischen Photovoltaikanlage. Die Dachziegel hängt man dabei in die Traglatten ein, fixiert sie mit Spezialschrauben und verbindet sie mit Steckern auf der Rückseite. Beschattete Dachbereiche und Randbereiche werden mit passiven Elementen eingedeckt.

Ein Neubau in Bernau bei Berlin: Auf einem Betondach mit Südausrichtung, vollflächig abgedichtet mit Bitumenbahnen, montiert der Dachdecker die Konter- und Traglatten. Auf den Traglatten verlegt er aber keine normalen Dachziegel, sondern Glasziegel mit Stromkabeln auf der Rückseite. Jeder Ziegel enthält dabei ein Photovoltaikmodul mit etwa 42,5 Wp Leistung. Verlegt werden die „Quad40“-Ziegel der Firma SolteQ aus Oberlangen.

Aktive und passive Dachschindeln

Ein Dach mit „SolteQ“-Ziegeln ist gleichzeitig eine Dachdeckung und Photovoltaikanlage. Die Dachdeckung besteht aus aktiven und passiven Dachziegeln: Mit den passiven Ziegeln werden die verschatteten und energietechnisch nicht lohnenswerten Bereiche des Daches belegt. Die aktiven Ziegel werden dort verlegt, wo am meisten Sonne zu erwarten ist. Das gesamte Unterdach  wird für gewöhnlich vom Dachdecker erstellt, mit Dämmung und diffusionsoffener Unterdach-Konstruktion.    Darauf werden die „SolteQ“-Dachziegel wie herkömmliche Ziegel über einen rückseitigen Haken in der Lattung eingehängt und mit einer Schraube fixiert.

Reihe für Reihe zusammenstecken

Über die Art und Dichtigkeit der Unterdachbahn entscheidet der Dachdecker enstprechend der Vorgaben des Regelwerks des Deutschen Dachdeckerhandwerks.

Im Interview erzählt Dachdeckermeister Jörg Stockhausen, wie er ein Dach mit Solardachschindeln eingedeckt hat und was dabei zu beachten war

Beim Verlegen der Solardachziegel auf den Traglatten fängt man links oder rechts unten mit einem passiven Eckelement an. Dann wird die untere Reihe der Randelemente verlegt, ebenfalls dreieckige, passive Dachschindeln. Jetzt ­verlegt man vom Eckelement ausgehend die „Quad40“-Solardachziegel. Dabei werden die rückseitigen Steckverbinder der Solardachziegel Reihe für Reihe nach Plan zusammengesteckt. Die elektrische Planung macht Hersteller SolteQ für jedes Bauvorhaben, bei Bedarf steht ein SolteQ-Techniker auf der Baustelle zur Seite. Den elektrischen Anschluss des Wechselrichters an den Zähler und an das Netz darf ausschließlich ein Elektro-Fachbetrieb durchführen.

Jeder Solardachziegel wird mit Haken in der Traglattung eingehängt, aber auch mit einer Spezialschraube mit Federdichtung an den Latten festgeschraubt. Die Schraube darf nicht fest gedreht werden, damit sich die Schindeln noch frei bewegen können. Dabei ist die Schraube nur eine zusätzliche Sicherung, damit die Ziegel nicht abrutschen können, falls sich mal beide der geklebten, rückseitigen Haken lösen. Mit dieser Zusatzmaßnahme entspricht die Aufhängung den Anforderungen des DIBt und ZVDH.

Solardachziegel nicht betreten

Die Anschlüsse an Schornsteine, Gauben oder Dachfenster erfolgen im SolteQ-System mit den schneidbaren „Quad“-Schindeln, die aus 3 mm dickem Aluminium bestehen. Die Aluminiumschindeln lassen sich zuschneiden, anpassen und sind begehbar, auf ihnen lassen sich auch Trittstufen befestigen, um den Dachzugang zu ermöglichen. Ein „SolteQ“-Dachziegel sollte auf keinen Fall betreten werden. Nicht, weil das Glas des Ziegels brechen kann, sondern weil die Solarzellen viel spröder sind als die Dachziegel selbst. Das gilt jedoch im Grunde für jedes Photovoltaik-Produkt. Zum Begehen werden gleichformatige Schindeln aus 3mm starkem Aluminium angeboten, die begehbar und schneidbar sind.

Ortgänge und First

Die Ränder (Ortgänge und First) des Daches werden mit Randabdeckungen aus Alublechen abgeschlossen. Diese werden vom Dachdecker oder der örtlichen Spenglerei einfach nach den Erfordernissen am Dach angefertigt. Durch die gerade Glas-Oberfläche der Solardachziegel hat abfließendes Regenwasser einen V-förmigen Verlauf in einem Winkel von etwa 30°. Innerhalb der Fläche wird das Wasser auf den nächsten Ziegel geleitet. An den Randbereichen am Ortgang fällt das Wasser rechts und links der Dachfläche ab. Unterhalb der Dachziegel sollte man ein Ableitblech mit einer Breite von mindestens 30 cm montieren, das Wasser in die Regenrinne hinein leitet.

Schutz vor Blitz und Brand

Dächer mit Solardachziegeln können mit einem Blitzableiter ausgestattet werden, der das Eindringen eines Blitzes in das Haus verhindert. Den Dachschindeln an sich passiert bei einem Blitzeinschlag nichts. Das SolteQ-Energiedach wird werksmäßig mit der „SolteQ-Brandfallabschaltung“ ausgeliefert. Über einen kleinen Kasten, der aussieht wie ein Feuermelder, wird die komplette Anlage im Fall eines Brandes kurzgeschlossen, sodass kein Strom mehr fließt. Die Abschaltung kann sogar per Smartphone gesteuert werden.  2012 wurden die ersten Dächer mit den SolteQ-Solardachziegeln belegt. Nach einer Entwicklungszeit von 5 Jahren wurden die Solardachziegel Anfang 2015 in den Markt eingeführt. Mehr Informationen über die Solardachziegel finden Sie unter www.solteq.eu

Autor

Dipl.-Ing. Berkay Bayer ist Inhaber der SolteQ-Gruppe mit Hauptsitz in Oberlangen.

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