Vom Viehstall zum gemütlichen Wohnhaus: Geschichte eines Umbaus in Halle (Westfalen)

In Halle (Westfalen) ist auf einem alten Hof neuer Wohnraum entstanden. Die Hofbesitzer haben ihren ehemaligen Stall umbauen lassen. Vier neue Dachfenster, eine neue Gaube und ­natürliche Baustoffe wie Holz, Lehm und Zellulose sorgen dafür, dass sich die Bewohner wohl fühlen.

Die Jägerstraße in Halle (Westfalen) führt vorbei an Feldern und Wiesen. Hier gibt es wenige Häuser, es sind vor allem Bauernhöfe: Rote Backsteinbauten, teilweise mit schwarzen Fachwerkträgern verstärkt. Im Sommer sind viele Höfe von der Straße aus nicht zu sehen, denn der Mais steht hoch auf den Feldern. Für die Hofbesitzer bedeutet das aber auch: Schutz vor neugierigen Blicken. Auch für Harald und Sylvia Scheer, sie wohnen auf einem der vereinzelt stehenden Höfe in der  Straße. Seit Jahren ist der Hof in Familienbesitz. Er umfasst ein großes Vorderhaus, eine Scheune und einen kleinen Stall. Vor wenigen Jahren wurden hier noch Schweine, Hühner und Kälber gehalten. Die Scheers wohnten bisher im Vorderhaus, auf 300 m² Wohnfläche. Heute sind die Kinder der Scheers aus dem Haus, deshalb wurde das Vorderhaus zu groß für die Eheleute. Sie entschlossen sich, den ehemaligen Stall zu einem Wohnhaus umzubauen und das Vorderhaus zu vermieten.

Der aus roten Backsteinen gebaute Stall ist 24 m lang, fünf Meter breit und sieben Meter hoch. Im Mai 2016 haben die Scheers mit dem Umbau begonnen. Heute, ein Jahr und vier Monate später, ist die Baustelle abgeschlossen. Wichtig für die Hofbesitzer war der Einsatz von ökologischen Baustoffen wie Holz, Lehm und Zellulose. Selbst der Boden des Stalls unter den Fliesen ist mit druckfesten Holzfaserplatten gedämmt. Für den Holz- und Lehmbau war Andreas Beermann zuständig, für ihn ist das Bauen mit ökologischen Baustoffen alltäglich. Beermann ist einer der Inhaber der Firma Holz-Lehm-Natur-Bau (HOLENA) GmbH. Die Zimmerei bietet unter anderem Altbau- und Fachwerksanierungen an.

Lehmputz und Holzfaserdämmplatten

Die gesamten Innenwände im Erdgeschoss des Stalls dämmte Andreas Beermann mit Holzfaserplatten von Pavatex in 80 mm Dicke. Im Erdgeschoss verklebte er die Dämmplatten auf einem Lehm-Unterputz und befestigte sie mit Dämmstoffdübeln. Auf den Dämmplatten wurde anschließend eine Schicht Lehm-Unterputz und -Oberputz aufgetragen, anschließend strichen die Handwerker den Putz mit heller Kalkkaseinfarbe. „Die Farbe auf den Putz so aufzutragen, dass sie wirklich hält, war eine sehr herausfordernde Aufgabe“, sagt Harald Scheer.

In das Obergeschoss des ehemaligen Stalls führt eine neue Betontreppe. Früher war es hier dunkel, heute fällt helles Tageslicht in das Obergeschoss. Im Dach sind vier neue Klapp-Schwing-Fenster von Roto eingebaut. Handwerker Andreas Beermann schätzt die Dachfenster und nutzt sie auf vielen Baustellen: „Sie sind einfach zu montieren, denn an der Raumseite sitzt eine vormontierte Folie. Die Folie muss ich später nur noch an meine innenliegende Dampfbremse anschließen“, sagt er.

Ausblick auf Felder und Wiesen

Im Obergeschoss gibt es zwei Dachgauben. Die erste, eine schmale Standgaube an der Innenhofseite, gehört seit jeher zum Stall. Früher war hier nur kein Fenster, sondern eine Holztür. Die Gaube auf der Rückseite des Hauses, mit Blick auf die Felder, haben die Zimmerer der HOLENA GmbH neu eingebaut. In die Gaube setzten die Zimmerer und Fensterbauer gemeinsam ein bodentiefes, öffenbares Fenster ein, für den ungestörten Ausblick auf Felder und Wiesen.

Montage des Gaubenfensters

Im März 2017 lieferten die Fensterbauer die neuen Fenster. Das Einheben des großen Fensters für die Gaube war eine Herausforderung: Zwei der Fensterbauer hievten es von unten in die Gaube, während Bauherr Harald Scheer und Handwerker Andreas Beermann es von oben annahmen. Mit gemeinsamer Kraft hievten sie das Fenster durch die Gaube ins Dachgeschoss. Danach folgten noch zwei kleine, dreieckige Oberlichter. Heute steht vor dem Fenster in der Gaube eine Badewanne auf einem leicht erhöhten Sockel, der mit Fliesen verkleidet ist. Hier baden die Scheers mit Ausblick auf den Garten.

Gaubenwangen mit Schiefer

Die Gaubenwangen bekleidete der Dachdecker von außen mit Schiefer, genau wie den äußeren Teil des Kamins, der neu im Stall eingebaut ist. Die Dachüberstände sind mit einer Lärchenholzschalung von unten beplankt.

Damit die Scheers es gemütlich haben, verbreitet im ehemaligen Stall ab dem Winter ein holzbefeuerter Ofen Wärme. Der Ofen wird nicht auf dem mit Holzfaserplatten gedämmten Boden stehen, dafür ist er zu schwer, sondern direkt auf der Betonsohle.

Sparren mit Holzfaserplatten beplankt

Die alten Ziegel des Dachs entfernte man vor dem Umbau. Auf die Dachsparren montierten die Zimmerer von außen diffusionsoffene „Isolair“-Unterdeckplatten der Marke Pavatex. Die Platten sind 60 mm dick und haben einen U-Wert von 0,04 W/m²K. Auf den Platten montierten die Zimmerer eine Konter- und Traglattung für die Ziegel, danach deckten sie das Dach mit den alten Ziegeln wieder ein. Von innen sind die Sparren mit „Pavaroom“-Holzfaserplatten beplankt, zwischen den Sparren ist Zellulosedämmstoff mit einer Schichtdicke von 13 cm eingeblasen. Die „Pavaroom“-Platten sind auf der Raumseite mit einer weißen Zelluloseschicht beschichtet, das spart das Verlegen einer Dampfbremse. Zusätzlich sind die Holzfaserplatten weiß gestrichen.

In rechten Teil des Stalls kann man vom Erdgeschoss bis unter das Dach sehen. Eine hohe Fachwerkstütze, die seit der Erbauung des Stalls das Dach trägt, steht als Ständer mitten im Wohnzimmer.

Im Obergeschoss zogen die Handwerker neue Zwischenwände ein, um Bad, Wohnzimmer und Schlafzimmer abzutrennen. Die Zwischenwände bestehen, ganz nach ökologischem Konzept, aus Holzständerwerk, beplankt mit Lehmbauplatten und gedämmt mit Holzfaserdämmstoff.

Angenehmes Wohnklima

Bauherr und Hausbesitzer Harald Scheer ist zufrieden mit dem Stallumbau. „Ich finde das Wohnklima sehr angenehm, man spürt, dass natürliche Baustoffe wie Lehm und Holz verbaut sind“, sagt er. Erst seit wenigen Wochen leben er und seine Frau in dem Haus, das Vorderhaus ist seit September 2017 vermietet, der Umbau wurde rechtzeitig fertig. Auf alten Fotos erkennt man die Umnutzung. Wo heute das Wohnzimmer ist, standen früher Kälber, im heutigen Heizungsraum lebten vor einigen Jahren noch Hühner. „Aus dem Stall wurde ein Wohnraum – die Umsetzung ist gelungen“, sagt Harald Scheer zufrieden.

Autor

Stephan Thomas ist Volontär in der Redaktion der Zeitschriften dach+holzbau und bauhandwerk in Gütersloh.

Baubeteiligte (Auswahl)

Bauherren Sylvia und Harald Scheer, 33790 Halle (Westf.)

Bauzeit Mai 2016 bis September 2017

Architektin Anke Nollkämper, 33790 Halle (Westf.),

www.nollkaemper-architekten.de

Lehmbau, Holzbau und Dämmung HOLENA (Holz-Lehm-Natur-Bau) GmbH, 33378 Rheda-Wiedenbrück, www.holena.de

Dachdecker Jan Stüker, Dachdeckermeister, 33332 Gütersloh,

Produktindex (Auswahl)

Lehmputz „Erdfeucht“, Conluto, Blomberg,

www.conluto.de

Dämmplatten Pavatex by Soprema GmbH, Leutkirch, www.pavatex.com

Dämmstoffdübel Armith Axt und Schams GbR, Schmölln, www.armith.de

Dachfenster „Bluetec Designo R8“, Roto, Leinfelden-Echterdingen, www.roto-dachfenster.de

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