Balkonkonstruktion in Holzbauweise erneuert

Die Tragkonstruktion eines Balkons aus den 1970er Jahren hatte ihre Lebensdauer überschritten und war in sich zusammengefallen. Fehler bei der Ausführung hatten zu Staunässe geführt. Bei der Neuerstellung des Balkons achteten die Zimmerer daher besonders auf die richtige Ausführung der Details.

Da der Regen nicht ungehindert abfließen konnte, kam es in der Konstruktion eines Balkons aus den 1970er Jahren zu Staunässe. Dadurch fing das Holz an zu modern, bis hin zum kompletten Versagen der Zellstruktur.

Ein weiterer Ausführungsfehler bei der Konstruktion des alten Balkons war die Einführung der Balken in die Hauswand. Die Holzbalken waren so ringsum ohne Sperrschicht vom Mauerwerk umgeben, somit hatten sie Feuchtigkeit aus der Fassade aufgenommen. Dazu kam, dass das Hirnholz des alten Balkons frei bewittert verbaut worden war und aus Tannen- und Fichtenholz bestand. Die Belagsbretter des Balkons hatte man außerdem direkt und ohne Abstand auf der Tragkonstruktion montiert.

Die Konstruktion des neuen Balkons

Die alte Balkonkonstruktion wurde daher zurückgebaut und durch eine neue ersetzt. Die Ständer des Balkons und das Geländer aus Eisen konnten dabei bestehen bleiben. Die Holzunterkonstruktion und die Belagsbretter des Balkons wurden von den Handwerkern erneuert. Sie wurden so ausgeführt, dass der Balkon über Jahrzehnte tragfähig und begehbar bleibt. Der Balkon wurde bei der Sanierung auf gleicher Höhe wieder montiert. Ein Giterrost hätte im Winter den Vorteil gehabt, dass Schnee durchfällt, wurde aber vom Kunden nicht gewünscht. Aus Handwerkersicht ist es wichtig, auf die Gefahr von Schneeablagerung hinzuweisen und das zu dokumentieren. Das wurde in diesem Fall auch so gemacht. Danach konnte mit dem Aufbau der neuen Konstruk

tion auf der Bestandskonstruktion begonnen werden. Die alte Tragkonstruktion des Balkons ist in die Gebrauchsklasse 3.1 eingeordnet, daher wurde für die Neumontage des Balkons Konstruktionsvollholz (KVH) aus Douglasie gewählt, da dieses sehr dauerhaft ist. Bei der Planung wurde darauf geachtet, dass keine Keilzinkenverleimung im Außenbereich sichtbar ist, da durch diese die Gefahr von Eiablagerung durch Insekten gegeben wäre. Im Bereich der Zinkenstöße besteht außerdem die Gefahr einer Auffeuchtung um mehr als 20 Prozent im Gesamtquerschnitt des Holzes.

Die Holzverbindungen der neuen Konstruktion führten die Zimmerer mit traditionellen Schwalbenschwanzverbindungen aus. Diese garantieren Stabilität und Steifigkeit für die Konstruktion und sind optisch ansprechender als Formteile aus Stahl.

In den vorderen Außenecken der Balkonkonstruk-tion führten die Handwerker den äußeren Rahmen unter 45° zusammen. So wurde kein Hirnholz im Außenbereich verbaut. In dem 45°-Schnitt wurde auch eine Schwalbenschwanzverbindung zimmermannsmäßig verbaut.

Maßnahmen gegen Staunässe

Nun musste die Belagskonstruktion so ausgeführt werden, dass es nicht wieder zu Staunässe kommen konnte. Dabei wurden drei entscheidende Maßnahmen getroffen. Als erstes platzierten die Handwerker Hartholzstreifen mittig auf den Trägerbalken. Darüber verlegten sie eine Z-Folie, die dicker als 1,5 mm ist. Diese Z-Folie steht beidseitig mindestens 20 mm über. Da das Hartholz nur 1/3 des Balkens einnimmt, fällt die Z-Folie seitlich ab. Dadurch läuft das Oberflächenwasser seitlich ab und bleibt nicht auf den Balken stehen. Danach montierte man eine Distanzleiste auf die Z-Folie. Durch diese Leiste ist ein Abstand zwischen Terras­senbelag und Tragkonstruktion gegeben. Das Holz ist so luftumspült und kann abtrocknen. Auf dieser Konstruktion wurden Bangkiraibretter als Terrassenhölzer verlegt.

Montiert mit Edelstahlschrauben

Bei der Verlegung der Bretter wurde darauf geachtet, dass diese untereinander einen Abstand von 6-10 mm haben und am Brettende mindestens 20 mm über das letzte Auflager überstehen. Die Bretter verschraubten die Handwerker mit Edelstahlschrauben in der Unterkonstruktion. Verwendet wurden ausschließlich Edelstahl-Bits. Hätte man andere Bits verwendet, dann wäre es durch den Abrieb der Bits eventuell zu Roststellen in den Schraublöchern gekommen.

Nach zwei Arbeitstagen war die Instandsetzung des Balkons beendet. Der Kunde kann sich nun voraussichtlich viele Jahrzehnte an dem neuen Balkon erfreuen.


Autor

Jens Nordmannn ist Zimmermeister und öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für das Zimmererhandwerk. Er ist Inhaber des Sachverständigenbüros Nordmann und Geschäftsführer der Zimmerei Nordmann in Friesoythe.

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