Stein für Stein
Der Schiefer-Ornamentkurs der Handwerkskammer Köln ist zurückMotivierte Dachdecker und Dachdeckerinnen haben Anfang Januar 2026 im Ornamentkurs der Kölner Handwerkskammer erneut Schieferornamente angefertigt. Dabei schnitten, ordneten und fixierten sie die Steine mit höchster Präzision. Am Ende der zweiten Januar-Woche zeigte sich, wer dem Material wirklich etwas entlocken konnte.
Die Hände sind müde, der Stolz sichtbar: Die Teilnehmenden des Ornament-Kurses im Januar 2026 an der HWK Köln
Foto: Primero/Sven-Erik Tornow
In der Werkhalle der Dachdecker-Meisterschule der Handwerkskammer zu Köln entsteht wieder Schieferkunst: Nach mehrjähriger Pause treffen sich seit Anfang Januar 2026 wieder Dachhandwerker aus dem gesamten Bundesgebiet zum traditionsreichen Ornamentkurs. Hier planen sie Motive, behauen Steine und setzen daraus Stein für Stein ein Bild aus Schiefer zusammen. Fünf Tage lang zählen Konzentration, Präzision und gestalterischer Anspruch.
Neuer Leiter, bewährtes Fundament
Dozent Martin Lorenz leistet tatkräftige Unterstützung
Foto: Primero/Sven-Erik Tornow
Erstmals liegt die Kursleitung des Ornamentkurses seit diesem Jahr in den Händen von Johannes Seger, der bei der Vorbereitung auf die langjährige Erfahrung seines Kollegen Mike Lindner zurückgreift. Johannes Seger führt den Lehrgang klar und strukturiert, sodass Theorie und Praxis ineinander greifen. Dabei gibt er den Teilnehmenden Orientierung und lässt zugleich Raum für eigene Ideen. Das Herz des Kurses bilden weiterhin Uwe Bierbaum und Martin Lorenz. Die beiden Dozenten begleiten die Arbeit an den Ornamenten mit Erfahrung und sicherem Gespür für Form und Proportion. Sie greifen ein, wenn es hakt und treten zurück, wenn sich Lösungen abzeichnen. Ihr Wissen wirkt direkt am Ornament.
Vom Entwurf zur Fläche
Der Kurs beginnt mit einer kompakten Einführung: Die Teilnehmenden wählen im Vorfeld Motive aus, prüfen die Proportionen und bekommen vonseiten der HWK Köln Vorlagen und Holzplatten vorbereitet. Zwei identische Musterbögen bilden die Basis jedes Ornaments. Danach startet die Arbeit mit dem schneiden, sortieren, anordnen und fixieren der Schiefersteine. Aus kleinen Steinen wachsen Linien, aus Linien entstehen Bilder. Erst mit Abstand entfaltet sich die Wirkung.
Durch die begrenzte Größe der Ornamente wurde der Abschluss aller Arbeiten innerhalb der fünf Kurstage ermöglicht. Am Ende der Woche stehen individuelle, fertige Kunstwerke, unter anderem Wappen, Tiere, Szenen oder Zeichen.
„Wasserburg“ von Jörg Brückner
Foto: Primero/Sven-Erik Tornow
Bunter Farbschiefer als verlässliche Grundlage
Ein Großteil des benötigten Farbschiefers stammte auch beim Ornamentkurs Anfang Januar 2026 von der Primero-Schiefer GmbH aus Wipperfürth. Die natürliche Farbgebung und die gute Bearbeitbarkeit des Materials schaffen eine sichere Basis für präzises Arbeiten. Viele Teilnehmende setzten dabei neben dem traditionellen Behauen auf eine spezielle Schneidtechnik mit maschineller Unterstützung, um feine Formen sicher umzusetzen.
Finale mit Wirkung
Schieferornament „Wildschwein“ von Marvin Banz
Foto: Primero/Sven-Erik Tornow
Am letzten Tag des Ornamentkurses stehen die fertigen Ornamente nebeneinander. Sie werden fotografiert, verladen und gehen direkt mit in die Betriebe – als Referenz, Blickfang oder Startpunkt für neue Projekte. Die Hände sind müde, der Stolz aber ist sichtbar. Der Ornamentkurs im Januar 2026 zeigte erneut, warum das Kölner Kursangebot für Schieferhandwerker ein fester Termin im Kalender bleibt. Hier zählt Genauigkeit statt Tempo. Große Bilder entstehen aus kleinen Steinen – und von Menschen, die ihr Handwerk lieben.
Tipp: Interessierte können sich bereits jetzt für den nächsten Kurs im Januar 2027 anmelden. Alle Informationen zum Kurs finden Sie hier .
Autor
Sven-Erik Tornow ist Baufachjournalist, Fachautor und betreibt die Agentur Flüstertüte in Köln.
