Stahlprofile für zwei Steildächer

Neubau des Marien-Carrées in Neubrandenburg mit Lindab-Klick-Dach-Profilen

Durch den Abriss eines Hotels am Neubrandenburger Marktplatz entstand eine Bebauungslücke, die nun mit einem neuen Einkaufszentrum geschlossen wurde, dem Marien-Carrée. Das Geschäftshaus hat eine langgezogene Form, das Dach ist unterteilt in zwei Satteldächer und eingedeckt mit mattschwarzen Stahlprofilen.

Die Kreisstadt Neubrandenburg liegt nördlich von Berlin und hat ein Einzugsgebiet von rund 420 000 Menschen. Am Marktplatz der Stadt, wo früher ein Hotel stand, wurde in diesem Jahr das Marien-Carrée gebaut und fertiggestellt. Der Gebäudekomplex aus zwei Teilen ist konzipiert für moderne Büroräume, Einzelhandel und Gastronomie. Dafür stehen unter anderem rund 100 m Schaufensterfront in bester Lage zur Verfügung.

Blick auf die Marienkirche

Von anderen Einkaufszentren grenzt sich das Marien-Carrée vor allem durch die Architektur des Daches ab. Der hintere Baukörper wurde als Flachdach konzipiert, der vordere, dem Marktplatz zugewandte Gebäudeteil ist gegliedert in zwei Satteldächer mit verschiedenen Neigungen. Der durch die unterschiedlichen Höhen erzeugte „Knick“ zwischen den Steildächern gibt den Blick auf den Turm der nahegelegenen Marienkirche frei. Die Steildächer haben Holzdachstühle, die abgebunden wurden von der Holzbau Potts Produktions GmbH in Wolde. Das Aufrichten der Dachstühle übernahmen die Mitarbeiter der Holger Schröder Dach- und Fassadenbau GmbH, die sämtliche Arbeiten an Steil- und Flachdächern ausführte.

Über den Sparren der Dachstühle verlegten die Dachdecker Holzfaserunterdeckplatten und darüber Unterdeckbahnen. Als nächstes montierten sie eine Lattung, die als Unterkonstruktion für eine Schalung aus OSB 3-Platten diente. Darüber verlegten sie diffusionsoffene, strukturierte Vordeckbahnen, bevor sie „Lindab Klick-Dach“-Stahlprofile auf dem rund 700 m² messenden Steildach montierten. Die Noppenstruktur der Vordeckbahnen sorgt dafür, dass sich die darüber verlegte Metalleindeckung bei Temperaturschwankungen ohne Probleme ausdehnen kann. Über die Bahn kann Restfeuchte von Sparren und Schalungen nach außen diffundieren, zudem hat die Trennlage eine schalldämmende Wirkung.

Zugeschnitten auf die Baustelle geliefert

Der Hersteller Lindab hatte die „Klick-Dach“-Stahlprofile in den benötigten Längen zugeschnitten auf die Baustelle geliefert. Den Verlegungsplan für die Stahlprofile erstellte die technische Abteilung von Lindab in Jels (Dänemark). Die Stahlprofile werden verdeckt verschraubt und per Klickverbindung zusammengefügt – dafür sind keine Falzschließer oder anderes Spezialwerkzeug nötig. „Wir hatten bislang kaum Erfahrungen mit den Produkten von Lindab, da wir uns sonst auf Flachdächer konzentrieren“, sagt Thomas Schröder, Dachdeckermeister und Geschäftsführer der Holger Schröder Dach- und Fassadenbau GmbH, „dank der guten Planung der Verlegung durch Lindab konnten wir, trotz aufwendiger An- und Abschlüsse, beide Dachflächen in jeweils nur rund eineinhalb Wochen fertigstellen.“ Neben den Steildächern dichteten die Dachdecker auch die Flachdachflächen des Einkaufszentrums ab, hier erstellten sie ein bekiestes Umkehrdach. Die Flachdachflächen erhielten dafür eine zweilagige Abdichtung mit Elastomerbitumen-Schweißbahnen. Darüber wurden XPS-Dämmplatten verlegt, eine diffusionsoffene, wasserableitende Trennlage und schließlich Kies als letzte Schicht.

Die „Klick-Dach“-Stahlprofile lassen sich aufgrund ihrer geringen Ausdehnung auch bei Temperaturen von unter 10 °C verarbeiten.„Das war besonders wichtig für das Projekt, da die Dacharbeiten während der Wintermonate ausgeführt werden mussten“, erklärt Bauleiter Norman Mohnke. Die von Lindab gelieferten Standard-Kantteile wie First, Ortgang oder Wandanschlüsse mussten vor Ort auf die gewünschte Länge gekürzt werden. Die „HBP-Topcoat“-Beschichtung der Profile macht sie widerstandsfähig gegenüber Witterungseinflüssen und UV-Strahlung. Die Kanten der Stahlprofile, die für die Passanten von unten sichtbar sind, passen farblich zu den Fensterrahmen und bilden einen Kontrast zur hellen Fassade. „Die Zusammenarbeit mit Lindab hat super geklappt, alles wurde nach unseren Plänen gefertigt und pünktlich geliefert“, sagt Norman Mohnke abschließend. Nach Abschluss der Arbeiten wurde im Juli 2019 die Eröffnung des Marien-Carrées gefeiert.

Autor

Ralf Rexin ist Verkaufsleiter von Lindab in Deutschland.

Bautafel (Auswahl)

Projekt Steil- und Flachdacharbeiten am Neubau des Marien-Carrés in Neubrandenburg

Bauherr Achim Griese Treuhandgesellschaft mbH, 22767 Hamburg, www.griesetreuhand.de

Entwurf Architekturbüro Kunst+Herbert, 20357 Hamburg, www.kunstherbert.de

Dachdecker Holger Schröder Dach- und Fassadenbau GmbH, 17036 Neubrandenburg, www.flachdach-schroeder.de

Abbund Holzbau Potts Produktions GmbH, 17091 Wolde, www.holzbau-potts.de

 

Herstellerindex (Auswahl)

Unterdeckplatten „Pavatex“, Soprema GmbH, 88299 Leutkirch, www.pavatex.de

Unterdeckbahnen „Delta-Vent N“, Dörken GmbH & Co. KG, 58311 Her­decke, www.doerken.de

Vordeckbahnen (Trennlage) „Delta-Trela-Plus“, Dörken GmbH & Co. KG, 58311 Her­decke, www.doerken.de

Stahlprofile „Klick-Dach“ von Lindab, Jels (DK), www.lindab.com/de

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