Ovale Fassade mit Titanzinkrauten verkleidet

Weinkellerei Louisvale im südafrikanischen Stellenbosch

Die Weinkellerei Louisvale im südafrikanischen Stellenbosch wurde um eine Vinothek erweitert. Das Veranstaltungszentrum bietet Platz für Weinverkostungen und festliche Veranstaltungen. Blickfang ist die kuppelförmige Südfassade mit ihrer Bekleidung aus Titanzink und ungewöhnlich geformten Fenstern.

Weinliebhaber werden sie kennen: Shiraz, Merlot und Chardonnay aus der Region Stellenbosch. Ein Großteil der besten südafrikanischen Weine stammt aus dieser Gegend. Durch die Nähe zum Meer, durchschnittlichen Temperaturen von 18-19 °C im Sommer und einem jährlichen Regenfall von 600 bis 800 mm bietet die Region ideale Bedingungen für den Weinbau. In Stellenbosch liegen auch die Weinberge der Kellerei Louisvale, die ihre Weine weltweit vertreibt. Ihren Kunden bot die Kellerei bislang in einem rund 100 Jahre alten Herrenhaus Weinverkostungen an. Da dieses Haus für die Verkostungen zu klein geworden war, sollten die vorhandenen Räumlichkeiten mit einem modernen und großzügigen Veranstaltungstrakt ergänzt werden: einer Vinothek. Die Architektur dieses Erweiterungsbaus spielt eine besondere Rolle, sie ist eine Hommage an die Menschen, die früher in dieser Region lebten.

Vorbilder: Khoikhoi und Perlemoen

Vor rund 2000 Jahren lebten in der Gegend rund um Stellenbosch die Khoikhoi, ein nomadisches Hirtenvolk, das seine kuppelähnlichen Hütten aus Ästen baute und mit Schilfmatten sowie Tierhäuten abdeckte. Im Sommer zogen die Menschen ans Meer und ernährten sich unter anderem von Meeresfrüchten wie den Perlemoen, ovalen Meeresschnecken mit perlmuttähnlicher Innenschale. Die Lebensweise der Khoikhoi, ihre Kuppelhütten und die Perlemoen inspirierten Christoff Albertyn Architects aus Hermanus bei ihrem Entwurf. So weist der Grundriss der neuen Vinothek die ovale Form einer Perlemoen auf und die Südfassade erinnert mit ihrer gerundeten, kuppelähnlichen Form an die Hütten der Khoikhoi. Zum Schutz vor der Sonne ist die Fassade nahezu geschlossen. Nur ein paar Öffnungen, deren Geometrien sich an den Formen der Meeresschnecken orientieren, durchbrechen die grau schimmernde Fläche und leiten Licht in das Innere. Im Norden hingegen erlauben großzügige Fensterflächen und eine weitläufige Terrasse einen weiten Rundblick auf die Weinberge und das nahe gelegene Gebirge der Cape Folded Mountains.

Die Konstruktion des Gebäudes

Der zweigeschossige Neubau bietet im Erdgeschoss einen Verwaltungsbereich mit Empfang, Büroräumen und Besprechungsraum für die Geschäftsleitung. Das Obergeschoss schließt über einen verglasten Verbindungsgang an das bestehende Herrenhaus an und beherbergt einen rund 300 m² großen Veranstaltungsraum sowie einen rund 95 m² großen Küchentrakt mit entsprechenden Lager- und Kühlräumen.

Für die Tragkonstruktion des Erdgeschosses nutzten die Architekten bestehende Mauerwerkskonstruktionen und ergänzten sie mit einer neuen Stahlbetonkonstruktion. Das Tragwerk des Obergeschosses besteht aus einer Stahlkonstruktion aus Doppel-T-Trägern, die auf der Südseite – wie Kuppelhütten der Khoikhoi – nach außen gebogen sind. In diese Tragstruktur sind vorgefertigte Rahmen für die perlemoenförmigen Fensteröffnungen integriert.

Titanzinkrauten an der Fassade

Um die gerundete Form der Südfassade mit einem edlen Material zu unterstreichen, wählten die Architekten Titanzinkrauten von der Firma Rheinzink. Diese schmiegen sich an die dreidimensionale Fassadenform an und sind laut Herstellerangaben über ihre gesamte Lebensdauer weitgehend wartungsfrei, weil das Titanzink natürlich bewittert und dabei eine schützende Patina entsteht, die sich auch nach Beschädigungen immer wieder neu bildet. Für Architekten und Bauherren, die von Anfang an das Aussehen einer natürlich bewitterten, patinierten Oberfläche wünschen, bietet Rheinzink die Oberflächenqualitäten „prePatina“ (vorbewittert) in schiefergrau und blaugrau sowie „Classic“ walzblank an. Die „prePatina“-Produkte erhalten dabei durch ein spezielles Beizverfahren bereits von Anfang an den Farbton, der sich durch die natürliche Bewitterung ohnehin bilden würde. Die Architekten des Louisdale-Veranstaltungstraktes wählten die Oberfläche „prePatina“ in schiefergrau. Fred Rohde, Dachdeckermeister und Geschäftsführer des ausführenden Dachdeckerbetriebs Rohde Roofing aus Kapstadt, entschied sich für die Verlegung im Quadratrauten-System. Damit lassen sich auch komplex geformte Bauteile wie die dreidimensional gebogene Südfassade der Vinothek mit geringem Materialverschnitt bekleiden.

Mit Edelstahlhaften auf Holzschalung befestigt

Auf die gerundeten Doppel-T-Träger der Fassade montierten die Handwerker zunächst waagerecht verlaufende Stahlprofile. Diese dienen als Unterkonstruktion für eine senkrecht verlegte Lattung. Auf den Holzlatten wiederum befestigten die Handwerker eine Holzschalung und darauf diagonal die Quadratrauten aus Titanzink. Zum Einsatz kamen die Titanzinkrauten im Standardmaß von 400 x 400 mm. Sie werden vom Hersteller nach Ermittlung der erforderlichen Stückzahl hergestellt und geliefert. Vor Ort konnten die Handwerker die Rauten mit Edelstahlhaften direkt auf der Holzschalung befestigen. Die Montage begann am Fußpunkt der Fassade. Um die Fensteröffnungen sicher abzudichten und formgerecht anzuschließen, passten die Verarbeiter Winkelprofile über eine Sickenmaschine den Rundungen an und arbeiteten dann mit vor Ort angepassten Quadratrauten dagegen.

Rund 200 m² Titanzink von Rheinzink verarbeiteten die Handwerker für die Südfassade des neuen Veranstaltungszentrums. Die Quadratrauten unterstreichen dabei die geschwungene Form der Vinothek und verleihen ihr ein elegantes Erscheinungsbild.

Autor

Thomas Bühlmeyer arbeitet im Marketing und in der Anwendungstechnik der Rheinzink GmbH & Co. KG in Datteln.

Bautafel (Auswahl)

Bauherr Louisvale Wine Estate, Stellenbosch (Südafrika)

Architekt Christoff Albertyn Architects, Hermanus (Südafrika)

Fassadenarbeiten Rohde Roofing, Kapstadt (Südafrika), www.rohderoofing.co.za

Material 200 m² Rheinzink-„prePatina“ schiefergrau im Quadratrautensystem, Rheinzink GmbH & Co. KG, 45711 Datteln, www.rheinzink.de

„Die größte Herausforderung war die Form der Fassade.“

Dachdeckermeister Fred Rohde aus Schwedt/Oder hat sich vor einigen Jahren in Kapstadt selbständig gemacht und dort den Dachdeckerbetrieb Rohde Roofing gegründet ( www.rohde-roofing.de ). Er führt regelmäßig Bauprojekte mit Titanzink aus, so auch die Verkleidung der rund geformten Fassade der Vinothek Louisvale. Im Interview spricht Fred Rohde über das Ausbildungssystem in Südafrika und darüber, wie er in Kapstadt über aktuelle Produkte auf dem Laufenden bleibt.

 

Interview: Stephan Thomas

dach+holzbau: Herr Rohde, wie kam es dazu, dass Sie sich als Dachdecker in Kapstadt selbständig gemacht haben?

Fred Rohde: Als ich damals nach Kapstadt ausgewandert bin und feststellen musste, dass mich niemand einstellen wollte, weil ich für die dortigen Verhältnisse überqualifiziert bin, habe ich mich entschlossen, mich selbstständig zu machen. Vorher war ich als Dachdecker in Lüneburg tätig.

Welche Unterschiede gibt es im Dachdeckerhandwerk in Kapstadt im Vergleich zu Deutschland?

Es gibt hier keine vergleichbaren Fachkräfte wie in Deutschland, da es keine vergleichbare Dachdeckerausbildung gibt. Nach der Schule belegt man einen Crashkurs von etwa zwei Wochen und dann geht es auch schon aufs Dach. Deshalb muss man die Dachausführung möglichst einfach halten, damit die Mitarbeiter diese auch umsetzen können. Ein weiterer Unterschied ist, dass es in Deutschland viele meiner Meinung nach für die Industrie gemachten Vorschriften gibt, die es so in Südafrika nicht gibt.

Wie informieren Sie sich über neue Produkte und Technologien?

Die letzten Jahre habe ich regelmäßig die Messe Dach+Holz besucht, um auf dem neusten Stand zu sein. Aber ich habe auch Freunde und Bekannte, die im Dachdeckerbereich tätig sind und mit denen ich im Austausch bin. Somit bleibe ich eigentlich immer auf dem neusten Stand. Baustoffe und Materialien wie Tondachziegel oder Titanzink bestelle ich ich in den meisten Fällen direkt beim Hersteller, aber durchaus auch bei Händlern in Deutschland.

Was waren für Sie die größten Herausforderungen bei der Verkleidung der Vinothek in Louisvale?

Die größte Herausforderung war die Form der Fassade. Schwierig war dabei, die Rundungen der Rauten in verschiedene Richtungen so hinzubekommen, dass es ein gleichmäßiges Bild ergibt.

Können sich eigentlich Dachdecker*innen aus Deutschland, die Arbeitserfahrung in Südafrika sammeln möchten, bei Ihnen bewerben?

Ich hatte schon einige Fachkräfte aus Deutschland und Österreich in den letzten Jahren als Mitarbeiter in meinem Betrieb. Durch die momentane Situation mit der Corona-Pandemie, die sich hier vor allem auch auf die finanzielle Lage auswirkt, ist das aber zurzeit nicht möglich. Aber ich freue mich grundsätzlich immer, wenn sich jemand meldet und komme gerne darauf zurück (Kontakt: ).

Herr Rohde, danke für das Gespräch.

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