Neue Visionen für das 21. Jahrhundert

Auf dem diesjährigen Kongress des Instituts für Baubiologie + Nachhaltigkeit IBN stand die Baubiologische Agenda 2025 im Zentrum der Diskussion

Mit Visionen ist es so eine Sache. Und mit der Realisierung oft eine andere. Um beides miteinander zu verbinden, haben sich im Juni im Ballhaus Rosenheim rund 270 BaubiologInnen aus dem In- und Ausland zum zweitägigen Diskurs getroffen. IBN-Geschäftsführer Winfried Schneider stellte in seiner Eröffnungsrede die weltweite Herausforderung in den Mittelpunkt, gesunden Wohnraum für alle Menschen bereitzustellen.

Zu Beginn des ersten Tages referierte Dr. Hermann Fischer über den Umstieg von fossilen auf nachwachsende Rohstoffe. Seine Ausführungen einer vollumfänglichen Bau-, Chemie- und Agrarwende veranschaulichte er anhand der Herstellung von ökologisch unbedenklichen Farben. Der Architekt und Baubiologe Holger König zeigte die zu besetzende, inhaltliche Lücke zwischen der geltenden Energieeinsparverordnung (EnEV), die einzig den Energieverbrauch von Gebäuden während der Nutzungsphase regelt, und einer ganzheitlichen Nachhaltigkeitsbewertung. Im Anschluss skizzierte Ulrich Steinmeyer die Entwicklung des Baustoff- und Immobilienmarkts. Anhand einer Handlungs-Wirkungs-Folgekette zeigte er die Entwicklung von der Auflösung des sozialen Wohnungsbaus über die Verzinsung der Baukosten und den exorbitant hohen Bodenpreisen bis hin zum aktuellen Bauboom. Professor Gernot Minke hob danach an zu Visionen für das 21. Jahrhundert. Dabei hob er besonders die Bedeutung des Holz-, Lehm- und Strohballenbaus hervor. Ferner zeigte er an Beispielen aus Guatemala, wie einfaches, kostengünstiges und wohngesundes Selbstbauen aussehen kann.

Den zweiten Tag eröffnete Dr. Manfred Mierau mit einem Referat über das vielzitierte ‚Smart Home‘, das auch ohne WLAN funktionieren kann. Wichtig seien gut abgeschirmte sowie netzge­bundene Leitungen von Telefon und Computer. Dabei gelte es zwingend, ein „dauerfunkendes“ Haus zu vermeiden. Es war dann der Biologin Pamela Jentner vorbehalten, die Neuausrichtung und Feinjustierung der 25 Grundregeln der Baubiologie für das 21. Jahrhundert zu kommunizieren. Den Abschluss markierten Professor Albert Fischer mit einem erhellenden Vortrag über die heutigen, insbesondere durch Blaulicht bestimmten Lichtverhältnisse, sowie Karlheinz Müller, der die Zukunftsperspektiven der Gebäude aus Sicht des Holztechnikers mit Ausblick 2025 beleuchtete. Den engagierten Besuchern aus dem In- und Ausland standen 30 Anbieter von baubiologischen Produkten und Dienstleistungen sowie die baubiologischen Verbände mit Informationsständen mit Rat und Tat zur Seite.

Text: Marc Wilhelm Lennartz