Metallfassade in Reyjkavik vielfältig verkleidet

Spenglerbetrieb aus Quedlingburg reist für Großauftrag nach Island

Mit einem spannenden Farb- und Produktmix wurde in Reykjavik die 2300 m2 umfassende Metallfassade des City-Centers gestaltet. Verantwortlich für die Arbeiten war das Team um den Spenglerbetrieb „Dachbaukunst“ von Norbert Augner aus Quedlinburg.

Mitten in der Innenstadt von Islands Hauptstadt Reykjavik, in bester Lage zwischen der Haupteinkaufsstraße und der Hafenpromenade, steht das City-Center. Es ist das jüngste Objekt des isländischen Architekten Tryggvi Tryggvason. Das große Objekt war noch bis vor Kurzem ein Parkhaus. Mit Wohnungen und einem lebendigen Erdgeschoss soll das City Center nun neues Leben in die Stadt bringen. Die Fassade des Gebäudes wurde in weiß, anthrazit und sandfarben aus Rauten, Schindeln und mit „Siding.X“-Paneelen von Prefa gestaltet. „Die Fassade brauchte für das geschäftige Treiben ein solides und robustes Material“, sagt der Architekt. „Es ist ein Spiel mit Farben und Formen, das dem Objekt seine Massivität nimmt“, beschreibt Tryggvason sein Konzept, der ursprünglich an schwere Erdtöne dachte, diese Idee aber schnell verwarf. „Das war zu viel“, betont er und erläutert, dass er sich dann für hellere und freundlichere Farben entschieden hat. So leuchtet nun die Fassade in weiß und sandfarben. „Die Felsformationen, die hier im Land durch Lava entstehen, werden mit den dunklen, fast schwarzen und vertikal verlegten Paneelen an der Fassade zitiert“, erläutert der Architekt. Dabei wählte der Architekt „Siding.X“ Fassadenpaneele in anthrazit. Die Struktur der Paneele erinnere an den Moment, wenn Lava erkalte und breche, so der Architekt. „Dabei entstehen sechseckige Flächen“, sagt Tryggvason. Der abgerundete Gebäudeteil des City Centers, der mit weißen Rauten gestaltet wurde, ist hingegen von den Gletschern Islands inspiriert. Die Sandfarbe als erdiger Farbton rundet die Idee harmonisch ab. Die Schindeln mit ihrer Asymmetrie geben der Fassade eine zusätzliche Dynamik. 

Ein Gebäude, das passt

Für die Arbeit als Architekt hat sich in Island in den letzten Jahren viel geändert. Es wird in der Stadt an jeder Ecke gebaut. Aber die Stadtverwaltung mischt sich stark ein, damit diese Entwicklung kontrolliert passiert. „Es gibt viele Gesetze und Regularien“, betont Architekt Tryggvi Tryggvason. Bei seinem Objekt hatte die Stadtverwaltung ebenso eine Vielzahl von Vorgaben und Auflagen. „Die Stadt wollte ein Gebäude, das zu den älteren, kleineren Häusern passt“, sagt Tryggvason.

Der Spenglerbetrieb „Dachbaukunst“ von Norbert Augner aus Quedlinburg in Sachsen-Anhalt sorgte für die Umsetzung des Großprojekts in Europas nördlichster Hauptstadt. „Für Abenteuer bin ich gern zu haben“, sagt Norbert Augner. Er freute sich also über die Anfrage aus dem hohen Norden. Zuerst sollten die deutschen Spengler lokale Kollegen in Island zu Material und Arbeitsweise schulen, aber rasch entstand vom Bauherrn der Wunsch, dass die Experten aus Deutschland den Job übernehmen. Der Transport-Laster, die „mobile Klempnerei“ wurde daher gepackt und nach Island verschifft, um vor Ort die gewohnten Werkzeuge zu haben. In einer kleinen, lokalen Werkstatt nördlich von Reykjavik konnten sich die Spengler einrichten. Dort wurden alle Vorbereitungsarbeiten erledigt. In der Tiefgarage des City Centers wurde dann eine zweite Werkstatt für die kleineren und spontanen Arbeiten eingerichtet.

Norbert Augner hat die „Dachbaukunst“ 2009 gemeinsam mit einem Geschäftspartner gegründet. Er hatte zuvor acht Jahre in einem Restaurationsunternehmen gearbeitet und dabei seine Liebe zum Metall entdeckt. Ein großer Teil seiner Arbeit besteht in der Renovierung von denkmalgeschützten Objekten wie Schlössern, Kirchen und Klöster. „Das bietet einen flexiblen Blick auf das Bauvorhaben“, betont Augner. Diese Erfahrung kann er dann bei Neubauten einbringen. So wie bei dem Projekt in Island: 2300 m² Rauten, Schindeln und „Siding.X“-Paneele von Prefa wurden bei dem Projekt in der Innenstadt Reykjaviks verlegt. Die Farb- und Produktvielfalt war dabei auch für den Handwerker außergewöhnlich und reizvoll. Die „Siding.X“-Elemente wurden dabei nicht nur horizontal, sondern auch vertikal in drei unterschiedlichen Formaten verlegt.

Sechs bis sieben Handwerker waren im Drei-Wochen-Rhythmus vor Ort. Sie wohnten in einem Ferienhaus und arbeiteten sechs Tage die Woche. Die Projektabwicklung ging nicht ganz so schnell und effizient wie es die Handwerker üblicherweise gewohnt sind und so lagen insgesamt acht Monate zwischen geplantem Start und Fertigstellung. „Island tickt anders als Deutschland“, betont Augner. Es dauerte etwas, bis sich die Spengler auf die isländische Mentalität eingestellt hatten. Dazu kam: „Wir hatten keine Festlandverbindung, mussten Arbeitsverträge von den Behörden genehmigen lassen und der Zoll war einige Zeit mit unserem Transporter beschäftigt“, erzählt Norbert Augner.

Materialausdehnung bei Temperaturschwankungen

Neben diesen ungewöhnlichen Arbeitsbedingungen war die Arbeit am Objekt für die deutschen Handwerker fast Routine. Die größte Herausforderung war aber das Wetter. „Das klingt banal, aber die Temperaturschwankungen haben Einfluss auf das Aluminium und es dehnt sich in der Wärme aus“, erläutert Augner. In der Früh, wenn die Arbeiten starteten, hatte es oftmals -5 bis -10 °C und bis mittags kletterten die Temperaturen auf 10 bis 15 °C. Am Nachmittag sanken die Temperaturen dann wieder rasant. Da es sich bei der Fassade um Millimeterarbeit handelte und scharfe und saubere Linien umgesetzt werden mussten, erfolgte das Zuschneiden und Verlegen Stück für Stück und mit höchster Präzision. „Die Paneele wurden auf Millimeter im Lot angebracht. Wir haben die Elemente im Anschlussbereich fixiert. Das ermöglichte die Längenausdehnung in die Fläche“, erläutert der Spengler. Es wurde im 1/6 Verband bei einer gleichmäßigen Verbandsabdeckung gearbeitet. Jedes „Siding.X“ Paneel wurde in der Werkstatt gefertigt, hochgezogen und montiert. „Es war regelrecht eine Stückarbeit“, sagt Norbert Augner. Exakte Arbeitsweise war auch bei den zwei Rundungen an der Fassade gefragt. Bei der mit Rauten gestalteten Rundung an der Kreuzungsseite wurde jede Deckreihe einzeln vermessen. Augner und seine Kollegen arbeiteten mit drei Lasern, die waagerecht und senkrecht genau die Platzierung bestimmten. Die vielen Elemente in der Fassade wie Fenster und Balkone machten eine großflächige Deckung nicht möglich. So mussten die „Siding.X“-Elemente genau geschnitten und gekantet werden. „Wir mussten auf einen halben Millimeter genau arbeiten. Da gab es keine Toleranz“, so Augner.

Auch die Unterkonstruktion wurde teilweise von der Dachbaukunst GmbH aus Quedlinburg gefertigt. Die Dämmung wurde vom Hersteller Rockwool in 500 mm Achsabstand (nach Planung des Unterkonstruktionsherstellers Systea) vorkonfektioniert geliefert. In den Fassadebereichen, wo die Rauten beziehungsweise die Wandschindeln verlegt wurden, ist zusätzlich eine Aluminiumplatte (Stärke 2 mm, in den Rundungen 1,5  m) auf die Fassaden-UK angebracht – als flächige Tragkonstruktion für die kleinteilige Verlegung der Wandrauten beziehungsweise der Wandschindeln. Die Stoßbereiche wurden dann von den Handwerkern und den Mitarbeitern des Auftraggebers zusätzlich mit einem Spezialklebeband abgeklebt und mit einem 0,7 mm dicken Aluminiumblech abgedeckt. Die abgedeckten und zusätzlich verklebten Stoßbereiche dienen der zusätzlichen Sicherheit aufgrund der Witterungsverhältnisse 140 km südlich des Polarkreises.

Während der Arbeiten wurden die Zuschnitte aller Anschlussverblechungen in den Bereichen der Fenster und Gebäudeecken in den nicht sichtbaren Bereichen zusätzlich vergrößert, um maximale Sicherheit (Ausdehnungsverhalten) aufgrund der besonderen Wetterbedingungen zu erzielen.

Einzigartige Arbeitsbedingungen

Aufgrund der geografischen Lage Islands mussten die Handwerker einen Großteil der Arbeitszeit im Dunkeln verbringen. Das sorgte für einzigartige Arbeitsbedingungen.So wurde das Arbeitsgerüst in Abschnitten auf jeder Etage in jeder vertikalen Gerüstebene mit Strahlern ausgestattet, um für gute Lichtverhältnisse zu sorgen und um Streiflicht weitestgehend zu vermeiden. „Mit dieser Ausstattung konnten wir – trotz der Abhängigkeit von dem eigensinnigen Wetter in Island – durcharbeiten“, sagt Norbert Augner.

Autorin

Alexandra Bendel-Döll ist Marketingleiterin bei Prefa in Wasungen.

Bautafel (Auswahl)

Projekt Neubau des City-Centers in Reykjavik, Hverfisgata 96, 108 Reykjavik

Projektdauer Fassadenarbeiten: 9 Monate

Architekt Opus ehf, Tryggvi Tryggvason, Reykjavik, www.opusehf.is,   

Dachdecker Dachbaukunst Quedlinburg GmbH, 06493 Ballenstedt/OT Rieder, www.dachbaukunst.de

Produkte (Auswahl)

Produkte „Siding.X“ Paneele in den Farben weiß, sandbraun, anthrazit; „Wandraute“ in weiß, „Wandschindel“ in anthrazit, Hersteller: Prefa GmbH, Wasungen, www. prefa.de

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