Kunstvolle Farbspiele an der Fassade

Am viel befahrenen Straßburger Platz in Dresden wurde nach dem umstrittenen Abriss einer ehemaligen „DDR-Kantine“ mit einem Neubau weiterer Wohnraum geschaffen. Die Fassade aus grünen und weißen Rauten greift das Motiv eines Reisfelds auf und bildet einen Kontrast zu den umliegenden Plattenbauten.

Durch die mit grünen und weißen Rauten gestaltete Fassade des Neubaus wird das Grau der umliegenden Plattenbauten aufgebrochen
Foto: Prefa / Croce & Wir

Durch die mit grünen und weißen Rauten gestaltete Fassade des Neubaus wird das Grau der umliegenden Plattenbauten aufgebrochen
Foto: Prefa / Croce & Wir
Durch den vorherigen Abriss des ehemaligen Schnellrestaurants „Pick-Nick“ am Straßburger Platz in Dresden löste das Neubauprojekt 2021 eine breite Diskussion aus. Der Abriss des „Pick-Nick“ war nicht unumstritten: In verschiedenen Ausstellungen und Veranstaltungen seitens der Hochschulen, der Zivilgesellschaft und des Projektentwicklers Immvest Wolf wurde die Architektur des „Pick-Nick“ aufgegriffen und über die Nachnutzung des Areals diskutiert. Der siebengeschossige Neubau am Straßburger Platz trägt nun ebenfalls den Namen „Pick-Nick“ und steht an einem der verkehrsreichsten Knotenpunkte der Stadt. Das neue Wohn- und Geschäftshaus wurde vom Dresdner Architektenteam Leinert Lorenz geplant. Auf einer Bruttogeschossfläche von knapp 8000 m² wurden 52 Wohnungen in Größen zwischen 31 und 108 m² und mehrere Gewerbeeinheiten im Erdgeschoss erstellt. Inzwischen leuchtet am neuen Gebäude eine Replik des ehemaligen Restaurant-Schriftzugs „Pick-Nick“. Der originale Schriftzug liegt mittlerweile im Dresdner Stadtmuseum.

Raute als Gestaltungsmerkmal

Die helle Oberfläche reflektiert das Sonnenlicht und verleiht der Fassade eine facettenreiche Wirkung, die sie von anderen Gebäuden in der Umgebung abhebt
Foto: Prefa / Croce & Wir

Die helle Oberfläche reflektiert das Sonnenlicht und verleiht der Fassade eine facettenreiche Wirkung, die sie von anderen Gebäuden in der Umgebung abhebt
Foto: Prefa / Croce & Wir
„Es war alles eine Frage der richtigen Ausrichtung und Fassadengestaltung“, erklärt Dirk Lorenz, der für das Projekt verantwortliche Architekt. Während die platz- und nordseitigen Fassaden eher geschlossen gestaltet wurden, öffnet sich das Gebäude auf der Rück- und Südseite sowie den Stirnseiten mit großzügigen Glasflächen und durchgehenden Balkonen. Das umlaufende Fassadenband besteht aus über 8000 Aluminiumrauten von Prefa, die in verschiedenen Grün- und Beigetönen gehalten sind. Dadurch wird der massive Baukörper optisch in mehrere Bereiche gegliedert. Die speziell entwickelten Sonderfarben Olivgrün, Graugrün, Resedagrün, Opalgrün, Hellelfenbein, Perlweiß und Lichtbronze wurden pixelartig über die Fassade verteilt. Die farbenfrohe Oberfläche reflektiert das Sonnenlicht und verleiht der Fassade eine facettenreiche Wirkung, die sie deutlich von anderen Gebäuden in der Umgebung abhebt.

Handwerkskunst für eine anspruchsvolle Fassade

Die Stahlbetonwand wurde mit Mineralfaserdämmplatten mit einer Wärmeleitfähigkeit von 0,035 W/mK gedämmt
Foto: Fa. Sperber

Die Stahlbetonwand wurde mit Mineralfaserdämmplatten mit einer Wärmeleitfähigkeit von 0,035 W/mK gedämmt
Foto: Fa. Sperber
Bevor die Rautenfassade Form annehmen konnte, wurde zunächst der Wandaufbau vorbereitet. Auf der Stahlbetonwand kamen wärmebrückenfreie Anker mit T-Profilen und einer Ausladung von 300 mm zum Einsatz, an denen eine Unterkonstruktion aus Aluminium befestigt wurde. Der entstehende Hohlraum wurde mit Mineralfaserdämmplatten mit einer Wärmeleitfähigkeit von 0,035 W/mK gedämmt. Die Unterkonstruktion ist als vorgehängte hinterlüftete Fassade ausgeführt und bildet die Basis für die Rauten. Als Trägerebene dient ein verzinktes und beschichtetes Stahltrapezprofilblech mit Vliesbeschichtung, auf dem die Wandrauten  jeweils mit zwei Haften befestigt wurden. Die handwerkliche Umsetzung der Rautenfassade stellte die Klempnerei Sperber aus Unterwellenborn vor besondere Herausforderungen. Aus vorbeschichtetem „Falzonal“-Band von Prefa mussten von der Klempnerei zunächst 8000 Rauten im Maß von jeweils 44 x 44 cm geschnitten werden, bevor es an die komplexe Sortierung der Rauten an der Fassade ging.

Ein Trapezprofilblech aus Stahl mit außenliegender Vliesbeschichtung dient als Trägerebene für die Wandrauten. Darauf wurden die Rauten mit jeweils zwei Haften befestigt
Foto: Fa. Sperber

Ein Trapezprofilblech aus Stahl mit außenliegender Vliesbeschichtung dient als Trägerebene für die Wandrauten. Darauf wurden die Rauten mit jeweils zwei Haften befestigt
Foto: Fa. Sperber

„Die Wandrauten der Fassade symbolisieren ein Reisfeld – eine abstrakte, aber spannende Idee“, erläutert Geschäftsführer Jens Sperber, der das Unternehmen gemeinsam mit seiner Tochter führt. „Auf der Baustelle durfte man den Überblick jedoch nicht verlieren, sonst wäre aus dem Reisfeld schnell Chaos entstanden.“ Ein umlaufendes, funktionales Fassadenband sei das Ziel gewesen, so Sperber. „Die Fassade sollte homogen wirken, ohne Einschubtaschen oder Winkelleisten“, so der Spenglermeister. Um dies zu erreichen, wurden beispielsweise die Fensterkästen als Rahmen gebaut, was neben ästhetischen Anforderungen auch den Brandschutz erfüllt. Die Abstimmung zwischen kreativen Ideen und technischen Anforderungen verlangte Geduld und Präzision von allen Projektbeteiligten. Laut Sperber war die enge Zusammenarbeit zwischen dem Architekturbüro und dem Handwerksbetrieb der Schlüssel zum Erfolg. „Gute Architektinnen und Architekten suchen früh den Rat der Handwerksbetriebe“, meint er und hebt hervor, wie wichtig es sei, praktische Lösungen in der Planung zu berücksichtigen.

Autorin

Alexandra Bendel-Döll ist Leiterin des Marketings bei der Prefa GmbH.

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