Falzen und Löten von Walzblei im Vergleich

Bleianwendungen an Dach und Fassade

Walzblei gilt im Dach- und Fassadenbau als traditionsreicher und zeitgemäßer Werkstoff. Das Material ist langlebig, recyclingfähig und gut formbar. Bei der Verbindung von Walzbleischaren kommen in der Regel zwei Techniken zum Einsatz, die unser Beitrag gegenüberstellt und vergleicht: Falzen und Löten.

Das Löten von Walzblei ist eine Technik, die besonders dort eingesetzt wird, wo Dichtheit und Stabilität gefragt sind – etwa bei Verwahrungen, Anschlüssen oder Übergängen. Durch das Verschmelzen der Werkstoffe entsteht eine durchgehende Lötnaht, die auch unter extremen Witterungsbedingungen dicht bleibt und punktuelle Belastungen gut aufnehmen kann. Eine sorgfältige Vorbereitung ermöglicht dabei langlebige Lötverbindungen. Die Lötflächen sollten sauber und frei von Oxiden sein und gleichmäßig erhitzt werden. Ein geeignetes Flussmittel unterstützt den Lötprozess und verbessert die Haftung des Lotes.

Sorgfältig ausgeführte Lötverbindungen an Anschlüssen, Aufkantungen und anderen Detailpunkten sorgen für eine dauerhaft dichte und stabile Bleieindeckung
Foto: Röhr + Stolberg

Sorgfältig ausgeführte Lötverbindungen an Anschlüssen, Aufkantungen und anderen Detailpunkten sorgen für eine dauerhaft dichte und stabile Bleieindeckung
Foto: Röhr + Stolberg
Zu beachten ist, dass das Löten für großflächige Anwendungen nicht geeignet ist. Durch den sehr hohen Ausdehnungskoeffizienten von 3 mm / 1 m bei 100 °C Temperaturänderung sind Lötarbeiten hier nur bedingt anzuwenden, da sie auf Dauer den Längenausdehnungen des Walzbleis nicht standhalten und es dadurch zu Schäden kommen kann. Für größere Flächen bietet die Falztechnik bessere Ergebnisse.

Um gute Lötergebnisse zu erzielen, ist neben der fachlichen Ausführung auch die Wahl des Materials ausschlaggebend. Speziell für das Löten entwickelt wurde etwa das Walzblei „Blei Plus“ von Röhr + Stolberg. Dank seiner verzinnten Oberfläche lässt sich das Material laut Hersteller leicht und sicher verarbeiten. Die Zinnschicht verbessert die Haftung des Lotes, vereinfacht den Lötvorgang und sorgt für eine dauerhaft dichte Verbindung. Gleichzeitig schützt die Beschichtung vor der Bildung von Bleiweiß. Eine nachträgliche Behandlung mit Patinieröl ist nicht erforderlich, sodass das Material seine gleichmäßige Optik bewahrt.

Falzen – flexible und praxis­bewährte Verbindungstechnik

Beim Falzen wird jede Schar sorgfältig handwerklich geformt und fixiert, damit die Verbindung flexibel und witterungsbeständig bleibt
Foto: Röhr + Stolberg

Beim Falzen wird jede Schar sorgfältig handwerklich geformt und fixiert, damit die Verbindung flexibel und witterungsbeständig bleibt
Foto: Röhr + Stolberg
Die Falztechnik ist eine traditionelle und bewährte Methode, Bleischaren dauerhaft und spannungsfrei miteinander zu verbinden. Dabei werden die Scharen überlappend aneinandergefügt und mit entspre­chendem Werkzeug zum Falz ­geschlossen. Diese Art der Verbindung bleibt flexibel und kann temperaturbedingte Längenänderungen des Metalls aufnehmen. Da Blei – wie alle Metalle – einen ausgeprägten Wärmeausdehnungskoeffizienten besitzt, verhindert der Falz Spannungen und Risse, die bei starren Verbindungen entstehen könnten. Gerade bei großflächigen Anwendungen, etwa an geneigten Dächern oder Fassaden, ist die Falztechnik eine langlebige und wartungsarme Lösung. Das Verfahren gilt als handwerklich anspruchsvoll, liefert aber bei fachgerechter Ausführung dauerhaft regensichere und optisch saubere Ergebnisse.

Bei großformatigen Walzbleiflächen zeigt die Falztechnik ihre Stärken: Die ausdehnungsfähigen Falzverbindungen lassen das Material arbeiten und sorgen für stabile, sauber gegliederte Dachflächen
Foto: Röhr + Stolberg

Bei großformatigen Walzbleiflächen zeigt die Falztechnik ihre Stärken: Die ausdehnungsfähigen Falzverbindungen lassen das Material arbeiten und sorgen für stabile, sauber gegliederte Dachflächen
Foto: Röhr + Stolberg

Neben Materialien, die speziell für das Löten entwickelt wurden, gibt es Walzbleibleche, die sowohl für das Löten als auch zum Falzen geeignet sind, zum Beispiel das „Venusblei“ von Röhr + Stolberg. Die homogene, formstabile und oberflächenreine Struktur des Materials ermöglicht präzise Falzverbindungen und ein kontrolliertes Fließverhalten beim Löten. Damit eine dauerhaft dichte Lötnaht entsteht, sollten die Lötkanten zuvor sorgfältig gereinigt und abgezogen werden. Die veredelte Oberfläche des „Venusbleis“ schützt zusätzlich vor Witterungseinflüssen und der Bildung von Bleiweiß, sodass Dach- und Fassadenflächen ihre Optik und Langlebigkeit über viele Jahre behalten.

Fazit: Materialwahl und fachgerechte Ausführung sind entscheidend

Falzen und Löten sind zwei bewährte Techniken, die im modernen Handwerk jeweils ihre spezifischen Vorteile bieten: Falzen überzeugt durch Flexibilität und Spannungsaufnahme und zeigt insbesondere bei großflächiger Anwendung seine Stärken. Löten hingegen eignet sich besonders für kleinere Bereiche, in denen eine dichte und formstabile Verbindung erforderlich ist. Für gute Ergebnisse sind jedoch immer Materialqualität und fachgerechte Ausführung entscheidend.

Autor

Rainer Kosub ist Schulungsleiter in der Anwendungstechnik bei der Röhr + Stolberg GmbH.

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