Fachwerkspeicher erfolgreich restauriert

Restaurierung und energetische Ertüchtigung des Fachwerkspeichers vom Hof Haus Kump in Münster

Der siedlungs- und architekturgeschichtlich bedeutende Speicher des Hofes Haus Kump in Münster ­wurde von Grund auf restauriert und energetisch ertüchtigt. Oberste Priorität hatten dabei der Schutz und die Substanzerhaltung des historischen Bestands.

Der Hof Haus Kump in Münster ist einer der ältesten Höfe des Münsterlandes. Er liegt im Tal der Aa in einer muldenartigen Vertiefung der Landschaft, einem sogenannten „Kump“. Im landschaftlichen Zusammenhang bedeutet dieser Ausdruck in etwa „in einer Senke gelegen“. Seit 1247 ist der Name „Haus Kump“ für den Hof überliefert.

Der zweigeschossige Fachwerkspeicher des Hofes mit Satteldach wurde im Jahr 1549 über einem fast quadratischen, bruchsteinernen Sockelgeschoss errichtet. Dabei wurden zwei Fachwerkgeschosse und das Dach kistenförmig aufeinandergestellt. Bei diesem Stockwerkbau sind die Ständer nicht durchlaufend, sondern einzeln angeordnet: So war es möglich, den zweiten Stock zu allen vier Seiten über die untere Wandflucht vorkragen zu lassen. Der Speicher wurde Stockwerk für Stockwerk aufgebaut, anstatt in einem Stück über die gesamte Höhe. Sein steiles Kehlbalkendach ist in zwei Lagergeschosse und einen Spitzboden aufgeteilt. Die Gesamthöhe des Speichers, der seit 1988 unter Denkmalschutz steht, beträgt etwa 16 m.

Der Fachwerkspeicher des Hofes Haus Kump in Münster nach Abschluss der Restaurierung. Das obere Geschoss und das Satteldach des Speichers kragen über die unteren Geschosse aus
Foto: HWK Münster

Der Fachwerkspeicher des Hofes Haus Kump in Münster nach Abschluss der Restaurierung. Das obere Geschoss und das Satteldach des Speichers kragen über die unteren Geschosse aus
Foto: HWK Münster
Ursprünglich diente das Gebäude als Wehr- und Getreidespeicher sowie in Krisenzeiten zu Wohnzwecken. Sein Eingang lag nicht ebenerdig, sondern im ersten Obergeschoss. Unmittelbar hinter der Eingangstür führte eine Falltür zum Sockelgeschoss. Die Obergeschosse waren von außen über schmale Stiegen erreichbar. Um 1870 fanden die ersten Umbauten des Speichers zu Wohnzwecken statt. Das Sockelgeschoss bekam einen eigenen Eingang an der Windengiebelseite, die Fenster wurden zum Teil vergrößert und der Backofen im Untergeschoss gemauert. Der erste Stock wurde in mehrere Zimmer aufgeteilt.

Bei späteren Restaurierungsarbeiten von 1979 bis 1981 fand ein Rückbau der Zimmer im ersten Stock statt und zwei Abtritterker an der Nordseite wurden rekonstruiert. Diese sind in ihrer Grundfläche identisch, in der Höhe aber unterschiedlich. Zu Beginn der Restaurierungsarbeiten 2012 waren von dem ursprünglichen Speicher hauptsächlich das Sockelgeschoss und die Fachwerkkonstruktion aus Eichenholz erhalten.

Bestandsaufnahme der Schäden

Die Fachwerkkonstruktion wurde vor der Sanierung von einem Sachverständigenbüro auf Schäden begutachtet. Ergänzend wurden zerstörungsarme Untersuchungen an Knotenpunkten und verdeckten Bauteilen durchgeführt
Foto: Kramp & Kramp

Die Fachwerkkonstruktion wurde vor der Sanierung von einem Sachverständigenbüro auf Schäden begutachtet. Ergänzend wurden zerstörungsarme Untersuchungen an Knotenpunkten und verdeckten Bauteilen durchgeführt
Foto: Kramp & Kramp
Die gesamte Fachwerkkonstruktion wurde zunächst vom Sachverständigenbüro Brückner aus Lüdinghausen visuell auf Schäden und Schädigungsgrade durch Organismen an den sichtbaren Oberflächen begutachtet. Ergänzende, zerstörungsarme Untersuchungen der kritischen Stellen, wie Knotenpunkte oder verdeckte Bauteile, wurden mit einem Bohrwiderstandsmessgerät und Endoskop durchgeführt. An den tragenden Bauteilen stellte man umfangreiche Schäden fest. Diese waren darauf zurückzuführen, dass bei früheren Arbeiten zum einen nicht geeignete Materialien verwendet und zum anderen geeignete Materialien in nicht ausreichender Menge eingesetzt wurden. Als Folge erhöhter Feuchtigkeitsbelastung durch unzureichende Wasserführungen und der Verwendung von dauerelastischen Stoffen wie Silikon zur Überarbeitung von Fugen und Rissen im Fachwerk, entstanden Fäulnis- und Insektenschäden.

In den Splintbereichen der Holzbauteile fanden sich nur Insektenschäden, die keine statische Gefährdung für das Gebäude darstellten. Doch im Zuge der Arbeiten zeigten sich noch mehr Schäden an den tragenden Bauteilen. In und an allen Gebäudeteilen waren Instandsetzungsarbeiten erforderlich. Eine Diplom-Restauratorin führte zusätzlich in allen Ebenen eine Untersuchung des Putz- und Farbschichtbestands durch, damit die Ausfachungen mit historisch wertvollen Putzen erhalten werden konnten.

Sanierung in Zusammenarbeit mit dem Denkmalschutz

Oberste Priorität bei der Restaurierung denkmalgeschützter Bauwerke hat immer der Schutz und die Substanzerhaltung des historischen Bestands. Dabei bestimmen die Denkmalart und die verwendeten Materialien im Bestand die Maßnahmen, das Material und die Methode der Sanierung. Die Sanierung des Speichers in Münster erfolgte in enger Zusammenarbeit mit der städtischen Denkmalschutzbehörde. Der Austausch und die Ergänzung von Bauteilen durften nur äußerst zurückhaltend erfolgen und notwendige, neue Technik musste so eingebaut werden, dass dabei möglichst wenig historische Substanz beschädigt wurde.

Dacheindeckung zurückgebaut und wiederverwendet

Der Fachwerkspeicher wurde für die Restaurierung komplett eingerüstet, eingehaust und regensicher überdacht
Foto: Kramp & Kramp

Der Fachwerkspeicher wurde für die Restaurierung komplett eingerüstet, eingehaust und regensicher überdacht
Foto: Kramp & Kramp
Zum Schutz der historischen Eichendielen in den beiden Obergeschossen des Speichers wurden auf der gesamten Innenfläche etwa 280 m² Hartfaserplatten mit einer Unterschicht aus Wollfilzpappe verlegt. Die vorhandene Dacheindeckung aus handgestrichenen Hohlziegeln, einschließlich der Firste und Grate, der Strohdocken und der Lattung, wurde vorsichtig abgebaut, gelagert und wiederverwendet. Der Speicher wurde komplett eingerüstet, eingehaust und regensicher überdacht. Die Restaurierung von Fachwerk, Holzbalkendecken und der Dachkonstruktion erfolgte unter Verwendung von historischem Eichenholz aus Wiederverwendung und abgelagertem, neuem ­Eichenholz. Konstruktive Detaillösungen zur statischen Stabilisierung durften nur unter der Verwendung von historischen Zimmermannstechniken umgesetzt werden.

Sockelgeschoss energetisch ertüchtigt

Ein Schwerpunkt der Restaurierungsarbeiten lag auf der energetischen Ertüchtigung des Sockelgeschosses, das zukünftig als Ausstellungsfläche dienen und auch beheizt werden soll. Mit dem Einbau einer gedämmten Stahlbetonbodenplatte, der Sanierung der Wände und einer Dämmung in den Zwischenräumen der Deckenbalkenkonstruktion wurde die energetische Ertüchtigung realisiert.

In den Zwischenräumen der Holzbalkendecke des Sockelgeschosses wurde eine neue Dämmung eingefügt
Foto: Kramp & Kramp

In den Zwischenräumen der Holzbalkendecke des Sockelgeschosses wurde eine neue Dämmung eingefügt
Foto: Kramp & Kramp
Der vorhandene Bodenbelag aus Ziegeln wurde zurückgebaut, gereinigt und für die Wiederverwendung zwischengelagert. Alle nachfolgenden Arbeitsschritte erfolgten abschnittsweise, gemäß den Vorgaben der Statik: Dazu gehörten der erforderliche Bodenaushub bis etwa 80 cm unter Oberkante Fertigfußboden per Handschachtung, die folgende Verdichtung von Hand, der Einbau von Trag- und Filterschichten, Betonstahlmatten und dem Ortbeton der Bodenplatte. Die vorhandenen Backsteine des Fußbodens wurden durch einen Spezialboden in Betonoptik ersetzt und fanden einen neuen Einsatz bei der Überarbeitung des alten Backofens. Dieser wurde mit den Ziegelsteinen belegt und wieder nutzbar gemacht.

Instandsetzungsarbeiten an den Deckenbalken

Balkenkoepfe saniert, gesundgeschnitten und ergaenzt Die zerstörten Balkenköpfe im Sockelgeschoss wurden gesundgeschnitten und ein gerades Blatt von mindestens der 2,5-fachen Höhe angearbeitet
Foto: Kramp & Kramp

Die zerstörten Balkenköpfe im Sockelgeschoss wurden gesundgeschnitten und ein gerades Blatt von mindestens der 2,5-fachen Höhe angearbeitet
Foto: Kramp & Kramp
Im Bereich der Deckenbalken des Sockelgeschosses waren statische Instandsetzungsarbeiten notwendig. Die drei Balkenauflager waren teilweise mit Moosen bewachsen, daraus resultierte der Verdacht, dass die Hölzer eine erhöhte Holzfeuchte aufwiesen. Bohrwiderstandsmessungen ergaben, dass die Feuchtigkeitswerte des Holzes um etwa 20 Prozent lagen. Auf die Dauer bedeutete dies eine erhöhte Gefahr für Insekten- und Pilzbefall. Der Putz auf den Wänden bot keine ausreichende Trocknungsmöglichkeit für das Holz. Ein Freilegen und Austrocknen der Auflager war ­erforderlich, um Erneuerungen vorzunehmen. Die zerstörten Balkenköpfe wurden gesundgeschnitten und ein gerades Blatt von mindestens der 2,5-fachen Höhe angearbeitet. Die Verbindung der Balkenköpfe zur Schwelle wurde nach historischem Vorbild als Schwalbenschwanzverbindung wiederhergestellt. Die in der Mitte des Unterzugs eingezogene Stütze, die zur Lastaufnahme gedacht war, hatte keine Verbindung mehr zum Boden und konnte frei schwingen – sie wurde vollständig erneuert. Energiesparvorsatzscheiben, die innen vor die vier Fenster im Sockelgeschoss montiert wurden, sorgen für eine deutliche Verbesserung des U-Werts. Um das Bestandsglas zu erhalten, war dies die ideale Lösung.

Außentreppe abgefangen und saniert

Die Außentreppe des Speichers mit Podest wurde saniert. Fugen an den Blatt- und Zapfenverbindungen der Treppe wurden durch Ausspänen geschlossen
Foto: Kramp & Kramp

Die Außentreppe des Speichers mit Podest wurde saniert. Fugen an den Blatt- und Zapfenverbindungen der Treppe wurden durch Ausspänen geschlossen
Foto: Kramp & Kramp
Die Außentreppe des Speichers mit Podest wurde während der Erdarbeiten mit einer Tragkonstruktion ­abgefangen und nach Abschluss der Erdarbeiten saniert. Die Treppe zeigte klaffende Fugen bis 2,5 cm Breite bei den Blatt- und Zapfenverbindungen und Risse in den Außenflächen der Fachwerkhölzer. Durch sauberes Ausspänen der Fugen wurden diese geschlossen. Für die Ausspänungen wurden passgenaue Keilleisten aus Massivholz angefertigt, die in die offenen Fugen und Risse eingesetzt, stramm eingeschlagen und mit gestauchten Nägeln befestigt wurden. Die Fußpunkte der erdberührenden Podeststützen wurden aus Eichenholz erneuert und erhielten eine neue Fundamentierung. Zehn statisch nicht mehr ausreichend belastbare Treppenstufen wurden ersetzt.

Fazit

Dass der Speicher des Hofes Haus Kump in Münster heute wieder in voller Funktion ist, ist das Ergebnis eines konsequenten restauratorischen Ansatzes, der traditionelle Handwerkstechniken, sorgfältige Materialwahl und hohes technisches Know-how miteinander verbindet. Das Projekt zeigt, dass historische Gebäude behutsam an moderne Anforderungen angepasst werden können, ohne ihren ursprünglichen Charakter einzubüßen. Denkmalgerechte Sanierung und Nachhaltigkeit gehen dabei Hand in Hand. Heute ist der historische Speicher ein Ausstellungsort des internationalen „CAP’EM“-Projekts (Cycle Assessment Procedure for Eco-Materials) zum Thema „Ökologisch Bauen und Sanieren“. Ziel des Projekts ist es, den Einsatz von ökologischen Baustoffen im privaten und öffentlichen Bausektor zu stärken.

Autorin

Claudia Moormann ist Assistentin der Geschäftsleitung bei der Firma Kramp & Kramp in Lemgo.

Bautafel (Auswahl)

Auftraggeber Handwerkskammer (HWK) Münster, www.hwk-muenster.de

Architektur Lindner Lohse Architekten BDA, Dortmund, lindner-lohse-architekten.de

Aufsteller bautechnischer Nachweise
Gantert + ­Wiemeler Ingenieurplanung, Münster, www.gwims.de

Maurer-, Tischler- und Zimmerarbeiten
Kramp & Kramp, Lemgo, www.kramp-lemgo.de


Quellen

Untersuchungsbericht des Ingenieur- und Sachverständigenbüros Brückner, Lüdinghausen;

Untersuchungsbericht von Prof. Dipl.-Ing. Manfred Gerner Architekt BDB AKH, Fulda;

www.muenster.de// www.muensterwiki.de

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