Energetische Steildachsanierung

Steigende Energiekosten und zunehmende sommerliche Hitzeperioden rücken, neben den erneuerbaren Energien, auch die energetische Sanierung in den Fokus. Dafür ist eine sorgfältige Planung der Bauteile hinsichtlich des Feuchte- und Wärmeschutzes sowie ein tragfähiges Luftdichtheitskonzept erforderlich.

Wohngebäude, deren Dächer bis in die 2000er Jahre hinein mit einem U-Wert von 0,30 W/m²K gemäß der Energie-Einsparverordnung (EnEV) 2004 einen ordentlichen Wärmedämmstandard aufwiesen, sind nun Kandidaten für eine energetische Optimierung. Seit 2009 gilt für Steildächer ein U-Wert von 0,24 W/m²K. Die EnEV wurde zwischenzeitlich durch das Gebäude-Energie-Gesetz (GEG) abgelöst. Für einen U-Wert von 0,30 W/m²K genügte meist eine 14 cm starke Vollsparrendämmung der WLS 035. Für 0,24 W/m²K waren in der Regel 18 cm Dämmstärke erforderlich.

Wenn die unter dem Dach liegenden Räume genutzt werden, bleibt oft nur die Möglichkeit, von außen zu sanieren. Dabei ist die Prüfung des Dachaufbaus besonders wichtig
Foto: Dörken

Wenn die unter dem Dach liegenden Räume genutzt werden, bleibt oft nur die Möglichkeit, von außen zu sanieren. Dabei ist die Prüfung des Dachaufbaus besonders wichtig
Foto: Dörken
Wer plant, sein Dach energetisch zu sanieren, kann unter Umständen auf verschiedene Fördermaßnahmen der Kommunen, Länder bzw. des Bundes zugreifen. Oft gilt dann die Bedingung, dass Dächer einen maximalen U-Wert von 0,14 W/m²K aufweisen dürfen.

Detaillierte Bestandsaufnahme des Sanierungsobjekts

Zu Beginn jeder energetischen Sanierung steht eine sorgfältige Bestandsaufnahme. Dazu sollte ein Energieberater oder ein mit der Angebotserstellung beauftragter Dachhandwerksbetrieb den vorhandenen Schichtenaufbau des Daches prüfen. Auf dieser Basis können die weiteren Maßnahmen fachgerecht und wirtschaftlich tragfähig geplant werden. Anschließend ist festzulegen, ob der Bestand erhalten bleibt, von innen oder außen gedämmt wird oder das Dach bis auf die Sparren zurückgebaut werden soll.

Wenn die unter dem Dach liegenden Räume genutzt werden, bleibt oft nur die Möglichkeit von außen zu sanieren. Hierbei ist die Prüfung des Dachaufbaus besonders wichtig. Sie sollte Auskunft über den Schichtenaufbau des Daches geben, aber auch potentiell kritische Details berücksichtigen. Zu diesen gehören beispielsweise die Traufkonstruktion oder die luftdichten Anschlüsse an Giebelflächen und Dachgauben, aber auch im Dachaufbau möglicherweise verborgene Rohre und Leitungen. Diese Punkte sind von zentraler Bedeutung, um fachgerecht und transparent für die Kunden planen zu können.

Verschiedene Möglichkeiten des Schichtenaufbaus

Je nach vorgefundenem Dämmstandard kann entschieden werden, ob eine reine Aufsparrendämmung oder eine Kombination aus Zwischen- und Aufsparrendämmung gewählt wird. Letztere hat den Vorteil, dass der Dachaufbau etwas dünner wird als bei einer reinen Aufsparrendämmung und die vorhandene Dämmung je nach Art und Zustand weitergenutzt werden kann. So kann ein Dachaufbau mit einem U-Wert von 0,30 W/m²K (Sparrenhöhe 16 cm) und einer Zwischensparrendämmung (WLS 035) durch eine ergänzende Aufsparrendämmung, zum Beispiel mit „Delta-Maxx Polar AL 80 mm“ (WLS 023) oder „Delta-Maxx Polar MV 100 mm“ (WLS 027), auf einen förderfähigen U-Wert von < 0,14 W/m²K gebracht werden (siehe Tabelle 2).

Tabelle 1: Erforderliche Schichtdicken verschiedener Dämmstoffe, um einen U-Wert von 0,14 W/m²K bzw. R-Wert von 7,14 m²K/W zu erreichen (reine Aufsparrendämmung)
Quelle: Dörken

Tabelle 1: Erforderliche Schichtdicken verschiedener Dämmstoffe, um einen U-Wert von 0,14 W/m²K bzw. R-Wert von 7,14 m²K/W zu erreichen (reine Aufsparrendämmung)
Quelle: Dörken
Bei einer reinen Aufsparrendämmung ergäben sich Dämmstoffstärken von 16 cm mit aluminiumkaschierten PU-Dämmplatten (WLS 023) oder 18 cm mit mineralvlieskaschierten PU-Dämmplatten (WLS 026), wie in Tabelle 1 zu sehen ist. Es besteht auch die Möglichkeit, eine Aufdach- bzw. Kombidämmung mit Holz- oder Mineralfaserdämmstoffen auszuführen. Diese sind diffusionsoffen, erfordern jedoch aufgrund ihrer ungünstigeren Wärmeleitfähigkeit zum Teil größere Aufbauhöhen (siehe Tabelle 1).

Nachweisfreie Konstruktionen bevorzugt

In Bezug auf den Feuchteschutz werden in der DIN 4108-3 und dem „Merkblatt Wärmeschutz bei Dach und Wand“ des ZVDH, insbesondere nach der Überarbeitung der Norm und des Regelwerks Anfang 2024, eine ganze Reihe von Konstruktionen beschrieben, für die kein rechnerischer Tauwassernachweis erforderlich ist. Sinnvollerweise sollte man diese Konstruktionen bereits bei der Planung berücksichtigen. Bei einer Abweichung davon ist ein rechnerischer Nachweis der Tauwasserfreiheit zu führen. Tabelle 2: Erforderliche Schichtdicken verschiedener Dämmstoffe, um den U-Wert 0,14 W/m²K bzw. R-Wert 7,14 m²K/W zu erreichen (Kombidämmung mit 16 cm Sparren, Vollsparrendämmung WLS 035; U-Wert 0,30 W/m²K bzw. R-Wert 3,33 m²K/W)
Quelle: Dörken

Tabelle 2: Erforderliche Schichtdicken verschiedener Dämmstoffe, um den U-Wert 0,14 W/m²K bzw. R-Wert 7,14 m²K/W zu erreichen (Kombidämmung mit 16 cm Sparren, Vollsparrendämmung WLS 035; U-Wert 0,30 W/m²K bzw. R-Wert 3,33 m²K/W)
Quelle: Dörken

Bei der Kombidämmung, also einer Kombination aus Zwischen- und Aufsparrendämmung (ggf. ergänzt mit einer Untersparrendämmung) gibt es verschiedene Varianten des Schichtenaufbaus und der Positionierung der Luftdichtheitsschicht. Die Entscheidung hängt davon ab, ob es sich um einen Neubau, einen entkernten Dachstuhl oder eine Sanierung handelt.

Luftdichtheitskonzept erstellen

Schon in der Planungsphase wird in einem Luftdichtheitskonzept der Verlauf der Luftdichtheitsebene inklusive der Anschlüsse und Durchdringungen beschrieben sowie die zu verwendenden Materialien zur Erstellung der Luftdichtheitsschicht benannt. Auch Maßnahmen zur Qualitätssicherung gehören in ein Luftdichtheitskonzept.

Traufanschluss mit „Delta-Liquixx“: Jeder Sparren wird einzeln luftdicht eingefasst und angeschlossen
Foto: Dörken

Traufanschluss mit „Delta-Liquixx“: Jeder Sparren wird einzeln luftdicht eingefasst und angeschlossen
Foto: Dörken
Bei Aufsparrendämmsystemen ist die Verlegung der Luftdichtheitsschicht über den Sparren die am häufigsten gewählte Variante. Vorteil: Die Luftdichtbahn liegt auf einer Ebene oberhalb von „Störern“ wie Kehlbalken und Zangenlagen, sodass luftdichte Anschlüsse oft unkomplizierter auszuführen sind. Allerdings können Anschlüsse am Ortgang oder durchlaufende Sparren bei dieser Variante besondere handwerkliche Herausforderungen darstellen. So kann es erforderlich sein, dass auf dem Ortgangmauerwerk ein Glattstrich auszuführen ist, um einen luftdichten Anschluss zu ermöglichen. Bei durchlaufenden Sparren muss jeder Balken einzeln abgedichtet werden. Da die Sparren oftmals Risse in Faserrichtung aufweisen, ist diesem Detail besondere Aufmerksamkeit zu widmen. Bewährt haben sich hierfür Flüssigdichtstoffe mit Vliesarmierungen, wie z. B. „Delta-Liquixx“ von Dörken.

Auch Rohr- und Kabeldurchführungen oder Dachfenster, deren genaue Lage oft erst nach der Montage der Traglattung festgelegt werden kann, verlangen vom Verarbeiter viel Fingerspitzengefühl beim Ausschneiden der Wärmedämmung und dem Anschluss der Bauteile an die Luftdichtheitsschicht.

Abgesehen von ihrer Funktion als Luft- und Dampfsperre, müssen die Luftdichtheitsbahnen, bevor die Aufsparrendämmung verlegt wird, oftmals die Funktion einer Behelfsdeckung erfüllen. Die verwendeten Bahnen müssen für diesen Zweck geeignet sein und ausreichend befestigt werden. Hierfür empfehlen sich temporär befestigte Sturmlatten, unter deren Befestigungspunkten eine Nageldichtung angeordnet wird. Wichtig ist, dass nach dem Entfernen der Sturmlatten und vor der Verlegung der Dämmung die entstandenen Löcher wieder abgeklebt werden, um die Luftdichtheit der Bahnen wiederherzustellen.

Zusatzmaßnahmen und Detailanschlüsse bei der Aufdachdämmung 

Je nach Art des Aufsparrendämmsystems werden Dämmplatten mit oberseitig aufkaschierten Bahnen, Unterdeckplatten oder (in seltenen Fällen) nicht kaschierte Dämmplatten verwendet. Erstere, wie z.B. „Delta-Maxx Polar“ von Dörken, sind meist mit einer Nahtselbstverklebung an den überdeckenden Bahnenrändern ausgerüstet. Diese Platten haben den Vorteil, dass eine Ausführung als „verklebte Unterdeckung (Klasse 4)“ oder mit Nageldichtband als „naht- und perforationsgesicherte Unterdeckung (Klasse 3)“ möglich ist. Auch die Anschlüsse an Einbauteile, aufgehende Bauteile oder Kehlen sind mit entsprechendem Systemzubehör möglich. Bei statisch ausreichender Druckfestigkeit/-spannung können auch Unterdächer auf den Platten verlegt werden.

Fazit

Die energetische Dachsanierung beginnt mit der Bestandsaufnahme. Nachweisfreie Konstruktionen vereinfachen die Planung, leistungsfähige Dämmstoffe und dauerhaft funktionssichere Luftdichtheitssysteme sichern die Qualität. Eine sorgfältige Detailplanung im Rahmen des Luftdichtheitskonzepts erleichtert die Ausführung und schafft die Grundlage für eine langlebige, energieeffiziente Dachkonstruktion.

Autor
Arne Witzke ist Dachdeckermeister und Anwendungstechniker bei der Firma Dörken.

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