Digitalisierung und Investition in neuen Standort
Dachdeckermeister und Geschäftsführer Pascal Kaulartz im PorträtPascal Kaulartz hat offenkundig ein Händchen für Betriebswirtschaft. Mit der Gründung seines Betriebs, einer Management-Fortbildung und Maßnahmen zur Digitalisierung hat er 2008 frischen Wind in die Eifeler Welt des Dachdeckerhandwerks gebracht. Doch auch ihm machen steigende Materialpreise Sorgen.
Pascal Kaulartz ist Dachdeckermeister und Geschäftsführer der Firma Kaulartz Dach + Fassade + Solar
Foto: Dachdeckerbetrieb Kaulartz
Wie so oft war der Start von Pascal Kaulartz in die Berufswelt von Rückschlägen und Enttäuschungen geprägt: 2006 absolvierte er zunächst die Meisterschule und trat danach einen Job in einem Dachdeckerbetrieb in Aachen an. Zunächst nahm er seine Aufgabe als Dachdeckermeister mit Elan an, stemmte eigene Projekte und übernahm immer mehr Verantwortung. Das Delegieren von Aufgaben an ältere Gesellen fiel ihm jedoch schwer und er spürte, dass ihm das notwendige Know-how für Personalführung fehlte. Kaulartz hatte den Eindruck, dass die Kollegen sich von einem jüngeren Meister nichts sagen lassen wollten. „Was will der kleine Knirps hier? Was will der mir hier erzählen, was ich zu tun habe? Menschlich wurde es irgendwann schwierig“, erzählt Kaulartz rückblickend und ergänzt: „Mit 24 oder 25 Jahren wusste ich noch nicht, wie man Personal führt. Damals lernte ich aber: Menschen überzeugt man eher mit Lob als mit Verboten und Vorschriften.“
Doch das war nicht die einzige Herausforderung bei seiner damaligen Arbeitsstelle: „Ich habe Abends Projekte kalkuliert, aufgemessen, wurde jedoch dafür nicht bezahlt.“ Sein Frust wuchs und er spürte zunehmend, dass er sein eigener Chef sein wollte, um einen Betrieb nach seinen Vorstellungen zu gestalten. Irgendwann wurde die Situation so schwierig, dass Kaulartz gekündigt wurde – das war der etwas unsanfte Schubser in die Selbständigkeit. Auch wenn er das zunächst nicht geplant hatte, spürte der junge Dachdeckermeister, dass er dank seiner Erfahrungen das notwendige Know-how im Gepäck hatte.
Gründung des Dachdeckerbetriebs in Monschau
In Monschau in der Eifel, dem Heimatort von Pascal Kaulartz, gründete er 2008 gemeinsam mit einem Gesellen seinen Dachdeckerbetrieb. Die vielen Prozesse und Methoden, die für Betriebe in Städten wie Aachen schon selbstverständlich waren, waren in der Eifel damals noch nicht etabliert. Auch das Sanieren von Dächern und die Förderung, die man hierbei erhalten kann, waren ein Novum. „In der Eifel hat sich schnell herumgesprochen, dass ich Leute beim Beantragen der Förderungen unterstützt habe“, erklärt Kaulartz. „Für die Akquise war das prima. Betriebswirtschaftlich war das eine Katastrophe.“ Erst vor Kurzem gestartet, konnte er sich kaum vor Anfragen retten. Der Betrieb musste schnell wachsen, um die Aufträge zu bewerkstelligen. Reine Mundpropaganda war dabei nicht der einzige entscheidende Faktor. Kaulartz erstellte eine Homepage für seinen Betrieb, was für Handwerksbetriebe in der Eifel zu dieser Zeit ebenfalls ungewöhnlich war. Somit war der Grundstein für seinen Betrieb gelegt, der mittlerweile seit 18 Jahren besteht und inzwischen 25 Mitarbeitende beschäftigt.
In der Monschauer Altstadt sanierte der Dachdeckerbetrieb ein denkmalgeschütztes Wohn- und Geschäftshaus in Fachwerkbauweise. Das Walmdach mit Mansarden wurde saniert und mit Schiefer neu eingedeckt
Foto: Dachdeckerbetrieb Kaulartz
Pascal Kaulartz sieht rückblickend jedoch auch einige Aspekte seiner Gründungsphase kritisch. So bezahlte er sämtliche Anschaffungen für sein Unternehmen aus seinem erwirtschafteten Gewinn, wie er erklärt: „Ich habe alles aus dem Cashflow bezahlt, weil ich keinen Kredit aufgenommen habe. Es gab keine Vorfinanzierung. Kredite wären klüger gewesen, da man Güter über viele Jahre abschreiben kann. Das wäre auch mein Rat an andere, die gründen möchten: Kredite aufzunehmen, anstatt alles direkt aus den eigenen Gewinnen zu bezahlen.“
Management-Fortbildung am BBZ in Mayen
Cashflow, Abschreibungen, Personalführung – all diese Begriffe sind ungewöhnlich für einen Dachdeckermeister, doch für Kaulartz gehören sie zum selbstverständlichen Vokabular als Unternehmer und „Roofer's-Club“-Mitglied. 2018 investierte er in eine Fortbildung zum Manager im Dachdeckerhandwerk, ein betriebswirtschaftliches Studium, das er am Berufsbildungszentrum in Mayen bei Koblenz absolvierte. Grillen und Ausflüge am Wochenende? Fehlanzeige. Ein Jahr lang opferte Kaulartz die Wochenenden, Donnerstage und Freitage für seine Fortbildung und investierte insgesamt rund 7000 Euro. Aus heutiger Sicht und mit Blick auf die Potenziale durch KI seien viele Inhalte der Weiterbildung zwar schon veraltet, aber Kaulartz empfiehlt diese Fortbildung dennoch allen Unternehmer:innen im Handwerk.
Sanierungsprojekt mit Schieferdach und PV-Anlage
In Monschau-Kalterherberg sanierten die Mitarbeitenden von Pascal Kaulartz' Betrieb das Dach eines Wohnhauses, deckten es mit Schiefer neu ein und installierten Solarmodule auf mehreren Dachseiten
Foto: Dachdeckerbetrieb Kaulartz
Die Firma Kaulartz deckt die gesamte Bandbreite von Sanierungen bis hin zu Neubauten ab, ganz gleich, ob Sattel-, Flach- oder Schieferdach, Zimmermannsarbeiten oder die Montage von Solaranlagen und Dachfenstern. Besonders stolz ist Kaulartz auf ein Projekt für eine Bauherrin aus Düsseldorf, die ein Sommerhaus in Kalterherberg, einem Stadtteil von Monschau, umbauen und sanieren ließ. Der ursprünglich beauftragte Dachdecker war abgesprungen und so kamen Kaulartz und sein Team ins Spiel. Das alte Ziegeldach des Wohnhauses wurde zurückgebaut und durch ein neues Schieferdach ersetzt. Besonders wichtig war der Bauherrin der Einbau einer PV-Anlage. Um die Silhouette des Daches nicht zu beeinträchtigen und die Oberfläche optisch homogen zu gestalten, baute das Team von Pascal Kaulartz 158 Solarmodule von der Firma Rathscheck ein. Die Module fügten sich passgenau in die Rechteck-Doppeldeckung aus Schiefer ein. Das Ergebnis ist ein Dach, bei dem man erst auf den zweiten Blick die eingebauten Solarmodule erkennen kann.
Kaulartz stellt eine provokative These auf: „Das Projekt lief so gut, weil es auch ohne Architekt lief. Die treffen keine Entscheidungen, blockieren dadurch die Prozesse.“ Zudem sei die Bauherrin bei diesem Projekt sehr schnell mit ihren Entscheidungen gewesen. Das Budget sei ebenfalls kein Problem gewesen, so Kaulartz. Das Projekt gewann sogar die Auszeichnung des Arbeitskreises Junger Handwerker (AJH).
Doch auch für Kund:innen, die auf ihr Budget achten müssen, bietet Kaulartz Lösungen an. Auf der Homepage des Betriebs ermöglichen diverse Konfiguratoren eine erste Schätzung der Kosten für Dachfenster oder eine Dachsanierung. Dennoch nimmt Kaulartz sich die Zeit, um mit seinen Kund:innen gemeinsam die Abfrage einzelner Maße und Kriterien durchzugehen und das Ergebnis zu vermitteln.
Auf dem Dach in Kalterherberg bauten die Dachdecker dachintegierte PV-Module von Rathscheck ein (rechts im Bild), die sich in die Rechteckdeckung aus Schiefer einfügen
Foto: Dachdeckerbetrieb Kaulartz
„In den 1980er Jahren haben die Handwerker das Geld mit den Schubkarren nach Hause gefahren“, erklärt Kaulartz. „Es wurde viel saniert und eine Dachsanierung hat zehn- bis zwanzigtausend DM gekostet, wenn man den Dachdecker aus dem Ort beauftragt hat.“ Mittlerweile werde immer noch viel saniert, aber die Hemmschwelle bei Auftraggebenden sei größer geworden. „Den Kunden zu vermitteln, dass eine geförderte Dachsanierung nun im sechsstelligen Bereich liegt, lässt die Leute erstmal schlucken“, sagt Kaulartz. Doch die Ernüchterung, die mit dieser Transparenz einhergeht, zahle sich aus. Die Kund:innen können einschätzen, was auf sie zukommt und würden dann erfahrungsgemäß sparen, um schließlich in Kaulartz' Leistungen zu investieren.
Starke Preissteigerungen bereiten große Sorgen
Die Preissteigerungen für Baustoffe in den vergangenen Monaten machen aber auch dem Unternehmer aus der Eifel große Sorgen. Schon im April und Mai dieses Jahres kündigten erste Hersteller von Bitumenbahnen und Dachdämmstoffen starke Preiserhöhungen an. Begründet wurden diese unter anderem mit gestiegenen Rohstoff- und Energiekosten, die mit der sich rasch verändernden Lage in Nahost durch den Iran-Krieg in Zusammenhang gebracht wurden. Auf die Frage, ob das Rahmenabkommen zwischen den USA und dem Iran aus dem Juni 2026 eine zwischenzeitliche Entspannung der Preise gebracht habe, sagt Pascal Kaulartz: „Null. Die Spritpreise sind runtergegangen, die Bitumenpreise nicht.“
Laut der aktuellen Rechtslage dürfen Angebotspreise für die öffentliche Hand bei Überschreitung der Vertragslaufzeit angepasst werden. Da 40 bis 50 Prozent der Auftragssumme Materialkosten sind, sei insbesondere bei öffentlichen Auftraggebenden eine Preisgleitklausel innerhalb der Vertragslaufzeit eine gute Lösung, meint Kaulartz.
Investition in neuen Standort
Bei der Prognose für die Zukunft seines Betriebs ist Kaulartz deutlich optimistischer. Fachkräftemangel habe er in seinem Betrieb nicht. Demnächst fangen wieder neue Azubis an und seine Investition in Recruiting seit drei Jahren zahle sich aus, auch wenn ihn das rund 1500 EUR pro Monat koste.
Im März 2025 wurde der neue Standort der Dachdeckerei Kaulartz in Simmerath eröffnet. Dieser umfasst große Lager- und Büroflächen, viel Platz für Maschinen und den Fuhrpark des Unternehmens
Foto: Dachdeckerbetrieb Kaulartz
Im März 2025 zog der Betrieb von Monschau nach Simmerath um. Der neue Standort umfasst Büroflächen, bietet viel Platz für Maschinen, den Fuhrpark sowie Lagerflächen. Die Inneneinrichtung der Büroräume des Dachdeckerbetriebs wurde von der Tischlerei Korr aus Aachen geplant und umgesetzt (mehr über die Firma Korr lesen Sie hier). Der Neubau des Firmengebäudes, in den Pascal Kaulartz 2,5 Mio. Euro investiert hat, sei rückblickend eine sehr gute Entscheidung gewesen, wie der Geschäftsführer und Betriebsinhaber erklärt.
Mehr über den Dachdeckerbetrieb von Pascal Kaulartz erfahren Sie hier.
AutorinNathalie Brum ist freischaffende Architektin, Künstlerin und Fachjournalistin. Sie lebt und arbeitet in Köln.
