Flüchtlingsheim in Rheda-Wiedenbrück

Der Flüchtlingsstrom lässt nach – jetzt werden Flüchtlinge aus Notunterkünften und Turnhallen in dauerhaften Wohnungen untergebracht. Die Firma Holzbau Hollenbeck baut in Rheda-Wiedenbrück an vier Standorten dauerhafte Unterkünfte in Holztafelbauweise. Die erste ist seit April fertig.

Mit Holzbau Hollenbeck hat Rheda-Wiedenbrück einen Spezialisten im Bereich Holztafelbauweise vor Ort. Ob Kindertagesstätten oder McCafés: Der Handwerksbetrieb mit 75 Mitarbeitern baut nicht nur Holztafelgebäude, sondern entwirft sie selbst. Geschäftsführer Frank Hollenbeck verfügt über ein Team von Dachdeckern, Zimmermännern, Klempnern und Trockenbauern. Dieses Team baut die Holztafelhäuser fast im Alleingang.

In Rheda-Wiedenbrück baut der Handwerksbetrieb momentan für die Stadt Flüchtlingsunterkünfte. Die erste Unterkunft am Lattenbusch in St. Vit ist schon fertig, gebaut innerhalb von zwei Monaten. „Eigentlich hätte es nur sechs Wochen gedauert. Wegen des starken Regens hat der Bau sich aber um zwei Wochen verzögert“, sagt Martin Pollklas, Pressesprecher der Stadt Rheda-Wiedenbrück.

Vom Fundament zum Fertighaus

Die Unterkunft im dörflichen Stadtteil St. Vit liegt direkt neben einer Feuerwehrschule. Nebenan liegen Felder, dahinter beginnt eine Siedlung, ein großer Kirchturm ist zu sehen. Anfang Februar begannen hier die Fundamentarbeiten für die Flüchtlingsunterkunft. Frank Hollenbeck entschied, dass die Unterkunft auf einem Streifenfundament stehen sollte, das war günstiger und verringerte den CO2-Ausstoß. Dafür wurden Schalungen erstellt und fünf Betonstreifen, jeweils 54 m lang, gegossen. Nach dem Trocknen des Betons schraubten die Handwerker die Bodenplatten mit Schwerlastdübeln in den Beton. Über dem Stahlblech der Bodenplatte verlegten die Zimmermänner eine Folie gegen die aufsteigende Feuchtigkeit, darüber den vorgefertigten Holzrahmen. Der ist zwischen den Holzstegen mit 200 mm Mineralfaserdämmstoff ausgefacht. Eine OSB-Platte kam als oberste, luftdichte Schicht darauf. Auf der OSB-Platte verlegten die Handwerker später Laminat. Doch zunächst errichteten sie die Wände und das Dach.

Fassadenfolie direkt über der Dämmschicht

Die Zimmerleute schraubten die fertigen Holztafelelemente für die Wände auf der Bodenplatte fest. Die Holztafeln bestehen aus einem 16 cm dicken Holzständerwerk mit eingebauter Mineralfaserdämmung. Nur bei den Zwischenwänden war die Dämmung noch nicht werkseitig eingebaut, die Handwerker setzten die Mineralwolle auf der Baustelle ein. Als luft- und winddichte Ebene montierten die Zimmerleute OSB-Platten auf die Dämmschicht. Um den entsprechenden Brandschutz zu erreichen (F30), montierten sie anschließend Gipskartonplatten mit 12,5 mm als inneren Abschluss auf die OSB-Platten. Abschließend wurden diese Platten verspachtelt und weiß gestrichen. An der Außenseite des Hauses verlegten die Handwerker eine schwarze Fassadenfolie und befestigten sie am Holzständerwerk, an den Fenster- und Türenanschlüssen und am Dachrand. Hier verzichteten sie auf eine OSB-Platte, stattdessen verlegten sie die Folie direkt über der Dämmschicht. Darüber nagelten sie eine Konterlattung und darauf die Glattkant-Lärchenholzbretter der Fassade fest.

Attika aus Lärchenholzbrettern

Die Decke der Unterkunft besteht aus Holztafelelementen mit einer integrierten 200 mm Mineralfaserdämmung von Knauf. Auf die Holztafeln montierten die Handwerker 22 mm dicke OSB-Platten, die an der Außenseite mit Klebeband luftdicht abgedichtet wurden. Anschließend verlegten die Dachdecker als Schutz lose einen Rohglasvlies auf die OSB-Platte. Als Abschluss befestigten sie darüber eine 1,5 mm dicke PVC-Folie des Herstellers Bauder. „Insgesamt haben wir ein 2°-Gefälledach gebaut“, erklärt Geschäftsführer  Hollenbeck.

Außen erstellten die Dachdecker eine Attika aus Lärchenholzbrettern und versahen sie mit einer Zink-Abdeckung. An der Längsseite des Daches wurden Regenrinnen installiert. Von innen montierten die Handwerker Gipskartonplatten an die Decke, um den Brandschutz zu erfüllen. Alle Gipskartonplatten verspachtelten sie in der Qualitätsstufe Q2 und strichen sie weiß. Die Kunststofffenster und Türen bauten ebenfalls die Handwerker von Holzbau Hollenbeck ein.

Vor jedem der Eingänge sind zwei Stufen aus Beton, davor ein Weg aus Pflastersteinen. „Das sind die einzigen Arbeiten, die wir nicht selbst erledigt haben“, erklärt Geschäftsführer Frank Hollenbeck. Ein kleiner Carport aus Lärchenholzbrettern ergänzt die Flüchtlingsunterkunft.

Platz für bis zu 64 Flüchtlinge

In der Unterkunft gibt es insgesamt 17 Wohn- und Schlafräume. Dazu kommt ein Hauswirtschaftsraum mit Waschmaschinen und Haustechnik. Küchen und Badezimmer liegen jeweils zwischen zwei Räumen. Ein paar Doppelbetten hat die Stadt schon in die Unterkunft stellen lassen. Aber wie viele Flüchtlinge hier wohnen werden, ist noch unklar. „Wir warten auf Zuweisungen“, sagt Thomas Becher vom Fachbereich Immobilienmanagement der Stadt Rheda-Wiedenbrück. Bauherr ist ebenfalls die Stadt Rheda-Wiedenbrück. Sie hat für die Unterkunft am Lattenbusch 650 000 Euro investiert, 620 000 Euro sind davon Materialkosten. „Wir werden wahrscheinlich nicht alles vom Bund zurück bekommen“, sagt Martin Pollklas, „aber wir wollten den Flüchtlingen hochwertige Unterkünfte bieten.“

Sporthallen werden zurückgebaut

Momentan tut sich einiges in der Stadt Rheda-Wiedenbrück, was Flüchtlingsunterkünfte angeht. Die ehemalige Notunterkunft in einer Turnhalle wurde aufgelöst, hier haben über 240 Männer gewohnt. Bald wird auch die neue Flüchtlingsunterkunft nebenan am Südring fertig sein. Sie wird ebenfalls in Holztafelbauweise von Hollenbeck gebaut, das gleiche Modell wie am Lattenbusch. „Danach haben wir keine weiteren Unterkünfte mehr geplant“, sagt Thomas Becher von der Stadt Rheda-Wiedenbrück, „wir warten erst mal ab, wie der Bedarf ist.“ Dass die Stadt schnell Unterkünfte in Holzbauweise bauen lassen kann, hat sie nun bewiesen. Die Unterkünfte sind hochwertig und bieten den gleichen Komfort wie Jugendherbergen oder Ferienhäuser. Einer Nachnutzung zu anderen Zwecken steht nichts im Wege.

Autor
Stephan Thomas ist Volontär in der Redaktion der Zeitschriften bauhandwerk und dach+holzbau.

Bautafel

Projekt Bau von Flüchtlingsunterkünften in Holztafelbauweise in Rheda-Wiedenbrück

Bauherr Stadt Rheda-Wiedenbrück

Entwurf, Zimmerei-, Dachdecker-, Trockenbau- und Klempnerarbeiten         

Holzbau Hollenbeck, Rheda-Wiedenbrück,

www.hollenbeck-holzbau.de

Bauzeit Februar bis April 2016

Gesamtgröße 864 m²

Gebäudeabmessungen 16 x 54 m

Kapazität  60 Personen

Preis rund 750 Euro/m2

Baukosten 650 000 Euro

Fassade Glattkant-Lärchenholzbretter, Maße: 20 mm x 100 mm, Fugengröße 15 mm

x

Thematisch passende Artikel:

Ausgabe 06/2016

Schnell gebaut und eingerichtet in Würzburg

Allerorts entstehen derzeit Flüchtlingsunterkünfte. Im Unterschied zu früheren Jahren werden aber nicht mehr Baracken aufgestellt, sondern es entstehen Bauwerke, die optisch ansprechend sind. Auch...

mehr
Ausgabe 06/2016

Flüchtlingsunterkunft mit Nachnutzung in München

„Die Flüchtlingskrise ist allgegenwärtig. Die Flüchtenden, deren Asylgesuch stattgegeben wird, reihen sich ein in die große Zahl der Menschen, die bereits heute nach einer bezahlbaren Unterkunft...

mehr
Ausgabe 06/2018

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

das Bauen mit Holz wird ab dem nächsten Jahr in Nordrhein-Westfalen einfacher: Ab Januar 2019 ist der Holzbau in NRW, der bis jetzt auf drei Geschosse beschränkt war, offiziell bis zur...

mehr
Ausgabe 06/2016

Baurecht und EnEV: Ausnahmen für Flüchtlingsunterkünfte

Es liegt im Ermessen der Städte und Gemeinden, Flüchtlingsunterkünfte dort zu bauen, wo das Leben stattfindet. Um das zu erleichtern, hat der Bund das Baurecht für den Neubau von...

mehr
Ausgabe 06/2016

Holzmodulhäuser für Flüchtlinge in Hannover

In Hannover wurde im vergangenen Jahr eine Flüchtlingsunterkunft für rund 100 Menschen aus Holzmodulen gebaut. Die ersten Flüchtlinge sind bereits Mitte Februar eingezogen. Mittlerweile ist die...

mehr