Die Last mit dem Schnee

Ein richtig geplantes und fachgerecht montiertes Schneesicherungssystem ist unerlässlich. Das haben die vergangenen schneereichen Winter gezeigt. Für die theoretische und praktische Umsetzung gilt es, die neuen Regeln des ZVDH, basierend auf Schneelastberechnungen, zu beachten.

Bislang war für den Einsatz von Schneefangsystemen nicht die zu berechnende Schneelast, sondern die Ortsüblichkeit ausschlaggebend. Ob Schneeschutz überhaupt gefordert ist, ist in den jeweiligen Landesbauordnungen beziehungsweise den örtlichen Vorschriften geregelt. Der Bauherr muss zum Beispiel die Verkehrssicherungspflicht gewährleisten, diese ist wiederum über baupolizeiliche Vorschriften geregelt. Zudem kamen bislang natürlich die Erfahrungswerte der Dachdecker und Zimmerer zum Tragen. Eine statische Bemessung war bislang eher der Ausnahmefall.

Neu: Die objektbezogene Berechnung

Dies hat sich jetzt grundlegend geändert. Seit dem 1. August 2013 gelten die neuen Regeln des Zentralverbandes des Deutschen Dachdeckerhandwerks (ZVDH) bezüglich des Schneeschutzes, veröffentlicht im Merkblatt für Einbauteile. Damit setzt der ZVDH die Anforderungen und Normen der DIN EN 1991 Eurocode zur „Einwirkungen auf Tragwerke – Schneelasten“ um. Mit diesen Regeln der Technik sind Verarbeiter und Planer jetzt angehalten, die tatsächliche Schneelast bei jedem Dach zu ermitteln und entsprechende Vorkehrungen gegen herabstürzende Schneemassen zu treffen und diese richtig zu dimensionieren.

Bei der Berechnung stehen das Schneefangsystem auf der Widerstandsseite sowie die einwirkende Schneelast auf der Belastungsseite. Das klingt kompliziert, ist jedoch dank Herstellerhilfen relativ einfach. Zur Berechnung der Schneelast und zur Auswahl der passenden Schneeschutzsysteme bieten viele Hersteller im Internet ihre Hilfe an, wie zum Beispiel der Online-Rechner der Erlus AG, der in fünf Schritten wesentliche Daten zur Schneesicherheit ermittelt.

Einfache Online-Berechnung der Schneelast

Zur Festlegung der Schneelastzone muss der Nutzer zu Beginn der Berechnung unter www.erlus.de/Schneesicherung lediglich die deutsche Postleitzahl des entsprechenden Bauprojektes angeben. Die Höhenlage des Hauses über der Meereshöhe spielt zur Berechnung der Schneelast eine weitere entscheidende Rolle. Ein Gebäudedach in der niederschlagsarmen Schneelastenzone 1 auf 100 m über N/N ist einem rechnerischen Schneedruck von 0,65 Kilonewton pro Quadratmeter ausgesetzt, ein Haus auf 1100 m Höhe in Schneelastenzone 3 bereits einem von 8,06 Kilonewton pro Quadratmeter. Für alle weiteren Länder Europas kann die Schneelast auch als individuelle Eingabe erfolgen. Die Berechnungen, welche gemäß dem ZVDH Merkblatt für Einbauteile lediglich bis zu einer Höhenlage von bis zu 1100 m über Normalnull in vereinfachter Art gerechnet werden können, sind nicht ohne weiteres auf andere Dächer, Dachaufbauten oder Verhältnisse übertragbar. Denn Gebäudestandorte über dieser Höhe bedürfen besonderer Schneelastansätze, jeweils in Abstimmung mit den zuständigen Behörden.

Neben der von der Höhenlage abhängigen Schneelast sind zudem die Dachneigung und die Sparrenlänge bis zum geplanten Schneeschutzsystem bei der Berechnung entscheidend. So kann der Rechner das gewählte beziehungsweise das vorhandene Dachziegelmodell mit seinen Bruchlasten beziehungsweise den Versagenslasten des Schneeschutzsystems nach ÖNORM B 3418 gegenrechnen.

Bei der Sicherung müssen grundsätzlich zwei Varianten im Schneeschutzsystem-Rechner gewählt werden. Bei der sogenannten Verkehrssicherung wird nur ein Dach gerechnet. Enthält der Gebäudekomplex neben einem eventuellen Hauptdach auch tiefer liegende Gebäudeteile, wird eine höhere Sicherheit veranschlagt, um eventuell überfließende Schneedecken zu vermeiden. Bei der Sicherung tiefer liegender Gebäudeteile oder Dachaufbauten erhöht sich der Sicherheitsfaktor auf 1,5.

Korrosionsbeständige Qualitätssysteme

Zudem muss die objektbezogene Bemessung von Schneefangsystemen nach den ZVDH „Hinweise zur Lastenermittlung“ unter Berücksichtigung der sys­­tembezogenen Tragfähigkeiten nach Herstellerangabe erfolgen. Drei korrosionsbeständige Schneeschutzsysteme aus Aluminium mit Edelstahlverschraubung bietet zum Beispiel der Hersteller Erlus als Zubehör an. Dazu gehören der Rundholzhalter, der Doppelrohrhalter und der Schneefanggitterhalter.

Berechnungsergebnis als pdf-Datei

Ist die entsprechende Variante im Internetportal ausgewählt, produziert der Schneeschutzsystem-Rechner eine pdf-Datei mit allen wesentlichen Angaben. Dazu gehören die maximale Haltelast und die Angabe, in welchen Abständen die Halterungen auf Aluminiumgrundplatten einzusetzen sind. All diese Berechnungen sollen Planern und Verarbeitern bei der Wahl des geeigneten Schneeschutzsystems helfen, sie erfolgen wegen ihres generalisierenden Aussagegehaltes jedoch unverbindlich.

Fachliches Know-how unerlässlich

Für die zuverlässige Planung ist der Fachmann gefragt. Ausschließlich Dachhandwerker und Fachplaner können eine individuelle Gesamtbeurteilung des Gebäudetragwerks vornehmen – unter Einbeziehung der örtlichen Gegebenheiten, der einzelnen Tragwerkteile und eventuell auch geplanter technischer An­lagen, wie zum Beispiel Sonnenkollektoren oder ­PV-Anlagen. Auch die besonderen regionalen Bestimmungen, Verordnungen, Vorschriften oder sonstige Regelungen oder Auflagen von Baugenehmigungen müssen berücksichtigt werden. Denn diese fließen in die allgemeine Berechnung von Schneeschutzsystemen nicht ein.

AutorPaul Zielinski ist Leiter der Technischen Beratung (Dach) bei der Erlus AG.

Mit den neuen Regeln des ZVDH muss nun

die tatsächliche Schneelast bei jedem Dach ermittelt werden

Die Berechnungen sollen Planern und Verarbeitern bei der Wahl des Schneeschutzsystems helfen, sie sind jedoch unverbindlich

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