Barockschloss in der Slowakei mit Titanzink saniert

Das Château Gbeľany, ein Barockschloss in der Slowakei, wurde zu einem modernen Tagungshotel umgebaut. Das Dach erhielt eine Titanzinkeindeckung in Großrauten- und Stehfalztechnik. Das historische Dachtragwerk blieb erhalten, ein Aussichtsturm wurde bei der Sanierung abgenommen und restauriert.

Der Gebirgszug Malá Fatra, Kleine Fatra, liegt im Nordwesten der Slowakei und hat landschaftlich viel zu bieten. Im Sommer lädt er mit Klammen, Schluchten und vielfältiger Pflanzenwelt zum Wandern ein, im Winter mit steilen Bergen zum Skifahren. An seinem Fuße liegt Gbeľany, ein Dorf, das auf eine knapp 600jährige Geschichte zurückblicken kann und Touristen mit dem Château Gbeľany in diese Gegend einlädt. Das Barockschloss wurde 1756 erstmals urkundlich erwähnt. 2014/2015 wurde es mit Mitteln der EU saniert und ist heute ein modernes Hotel mit Tagungs- und Wellnessbereich.

Im denkmalgeschützten Schlosstrakt beherbergt das Gebäude die Rezeption, mehrere Hotelzimmer, die Bücherei, eine Kapelle und einen Weinkeller. Im modernen, mit Holz verkleideten Anbau sind Konferenzräume und ein Wellnesbereich untergebracht. Das Château Gbeľany beeindruckt schon von weitem durch die Gegensätze von historischer und moderner Architektur. Hautnah erlebbar wird das im Innenhof, der auch für Open-Air-Veranstaltungen genutzt wird.

Zwischen Denkmalschutz und Hotelbetrieb

Bei der Restaurierung und Erweiterung hatten die Architekten unterschiedliche Vorgaben zu berücksichtigen. Die EU-Mittel flossen mit dem Ziel, in der Region den Fremdenverkehr zu stärken und Arbeitsplätze zu schaffen. Die Denkmalschutzbehörde achtete darauf, dass die Um- und Anbauten denkmalgerecht realisiert wurden. Der Investor wollte ein Hotel, das einen wirtschaftlichen Betrieb ermöglichte. „Wir haben diese Herausforderung angenommen und sind stolz darauf, dass die Denkmalpfleger die von uns vorgeschlagene Kombination von Alt und Neu akzeptiert haben“, sagt Architekt Viktor Šabík. Großen Wert legte die Denkmalschutzbehörde auf die Beibehaltung der barocken Gestaltung und der Dachform. Aus diesem Grund musste auch die bestehende historische Holzkonstruktion des Mansarddaches erhalten werden. Als besondere Herausforderung erwies sich, dass der neue Dachaufbau aus statischen Gründen leicht sein musste. In einigen Bereichen musste er über der vorhandenen, nicht mehr tragfähigen Konstruktion neu aufgebaut werden. Dabei war es notwendig, den kleinen Aussichtsturm auf dem Südwestflügel des Altbaus abzunehmen und erst nach dem Aufbau einer neuen Dachkonstruktion wieder mit einem Kran an seinen Platz zu heben. Gleichzeitig bot diese Maßnahme die Gelegenheit, den Turm unter guten Arbeitsbedingungen zu restaurieren und zu bekleiden.

Für die neue Dacheindeckung wählten die Architekten Titanzink der Oberflächenqualität „prePatina walzblank“ von Rheinzink. Das Titanzink entwickelt durch die natürliche Bewitterung eine schützende Patina. Diese Schutzschicht bildet sich durch Regenwasser und das Kohlendioxid in der Luft von selbst und entsteht auch nach Beschädigungen neu.

Großrauten als Dachdeckung

Für die Konstruktion und Deckung des Daches waren die beiden Firmen Kontrakting stavebné montáže, spol. s r.o. aus Žilina und Pluta – Strechy s.r.o. aus Kežmarok (beide Slowakei) verantwortlich. Die Umsetzung erfolgte mit dem Rheinzink-Großrautensystem. Lediglich in einem Dachbereich mit einer geringeren Dachneigung kam das Doppelstehfalzsystem zum Einsatz. Die Großrauten wurden in einer Materialdicke von 0,7 mm, einer Breite von 330 mm und einer Länge von 630 mm verarbeitet. Sie wurden als Coils angeliefert, zunächst auf Maß (400 x 700 mm) geschnitten und für die Verarbeitung auf dem Dach gekantet.

Drei Haften für jede Raute

Bevor die Titanzink-Großrauten verlegt wurden, musste das Dach ertüchtigt werden. Das historische Holztragwerk des Daches blieb aus Denkmalschutzgründen erhalten. Als Dachuntersicht bauten die Handwerker Gipskartonplatten ein. Teilweise ertüchtigten sie den Dachstuhl mit neuen Dachsparren mit einer dazwischen liegenden Wärmedämmung. Darüber verlegten sie eine diffusionsoffene Unterspannbahn. Auf der Unterspannbahn montierten sie eine Konterlattung (40/60 mm) für die Hinterlüftung, darüber eine 32 mm dicke Holzschalung. Eine strukturierte Trennlage aus „Rheinzink Vapozinc“ bildet die Unterlage für die Deckung mit den Titanzink-Großrauten. Das Strukturgeflecht „Vapozinc“ hat auf der Unterseite doppelseitiges Klebeband zum Verkleben auf der Holzschalung. Das oberseitige Geflecht führt eventuell auftretende Feuchtigkeit zwischen Unterkonstruktion und Titanzinkdeckung ab. Über dem Strukturgeflecht befestigten die Dachhandwerker jede Titanzinkraute mit drei Einzelhaften auf der Schalung.

Ornamente für den Aussichtsturm

Die Firma Kraal aus Kysucké Nové Mesto hat für das Dach die Schneefanghaken, das Schneefangsystem für die Doppelstehfalzfläche und die ornamentartige Bekleidung für den Aussichtsturm vorgefertigt.

Das Dachentwässerungssystem lieferte die Firma Rheinzink direkt aus Datteln in die Slowakei. Mit großem handwerklichen Geschick erstellten die Handwerker die Übergänge an den Schornsteinen und Fenstern und den zahlreichen Kehlen.

Mit der feierlichen Einweihung des restaurierten Château Gbeľany hat der kleine Ort ein äußerst attraktives Tagungshotel erhalten, das auf einfühlsame und spannende Weise altes Schloss und modernen Anbau miteinander verbindet.

Autor

Frank Neumann ist Senior Projektmanager im Vertrieb und Marketing der Rheinzinzk GmbH & Co. KG in Datteln.

Bautafel (Auswahl)

Projekt Denkmalgerechte Sanierung des Barockschlosses Château Gbeľany, Slowakei

Architekten Barak Architekti, Nitra, Slowakei

Dachdecker Kontrakting stavebné montáže, spol. s r.o., Žilina, Slowakei; Pluta – Strechy s.r.o., 06001 Kežmarok, Slowakei; Kraal spol. s r.o., Kysucké Nové Mesto, Slowakei

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