Alte Dämmung erhält zweites Dachleben
Alte PU-Dämmung als Basis nutzen statt entsorgen: Auf dem Steildach eines Einfamilienhauses in Butzbach kombinierte ein Dachdecker knapp 30 Jahre alte Aufsparrendämmelemente mit einer neuen Dämmschicht, sparte damit Material, Aufwand und Kosten – und halbierte den U-Wert des Gebäudes.
Dachdeckermeister Uwe Euler, Geschäftsführer der Eubu Dach und Fassade GmbH, hatte 1993 das 311 m² große Steildach eines Einfamilienhauses im hessischen Butzbach mit einer Aufsparrendämmung aus 75 mm starken Dämmplatten („Bauder PUR 025 S“) gedämmt. Damit erreichte der damalige Bauherr einen U-Wert von 0,30 W/m²K, der in der damaligen Wärmeschutzverordnung (WSVO) gefordert wurde.
Das Steildach eines Einfamilienhauses in Butzbach hatte die Eubu Dach und Fassade GmbH 1993 mit einer Aufsparrendämmung gedämmt
Foto: Paul Bauder GmbH & Co. KG
Um bei den steigenden Energiepreisen noch mehr Energie einzusparen, kam der zwischenzeitlich neue Eigentümer des Hauses 2022 auf Uwe Euler bezüglich einer energetischen Sanierung zu. Da die auf dem Dach verbauten Dämmelemente noch funktionstüchtig waren, überlegte Uwe Euler sich zusammen mit dem Bauder-Gebietsverkaufsleiter Thomas Schumann einen nachhaltigen, ressourcenschonenden Dachaufbau, der die alte Dämmung integriert.
Energie sparen und Wohnkomfort gewinnen
Nachhaltigkeit ist gerade in Zeiten von hohen Energiepreisen und knappen Ressourcen wichtiger denn je. Zunehmend werden auch auf dem Dach Baustoffe gefordert, die Energie einsparen und den Wohnkomfort steigern. Eine Aufsparrendämmung gilt dabei energetisch als die beste Dämmmethode: Die geschlossene Haube aus Dämmelementen über der gesamten Dachkonstruktion schützt den Wohnraum und das Dach vor Feuchteschäden. Wärmebrücken durch Sparren und Zwischenwände, wie bei der immer noch häufig eingesetzten Zwischensparrendämmung, werden damit vermieden.
Knapp 30 Jahre alte Dämmung voll funktionstüchtig
Der zwischenzeitlich neue Eigentümer kam 2022 auf den Dachdeckerbetrieb von Uwe Euler bezüglich einer energetischen Dachsanierung zu. Unter der Dachlattung ist hier die alte PUR-Dämmung zu erkennen, die Zwischenräume blieben damals leer
Foto: Paul Bauder GmbH & Co. KG
Viele Dächer wurden vor rund 30 Jahren mit einer Aufsparrendämmung gedämmt oder energetisch saniert. So auch das Einfamilienhaus in Butzbach. „Als wir 29 Jahre später das Dach geöffnet haben, fanden wir eine funktionstüchtige Wärmedämmung vor,“ so Euler. „Die alte Dämmung war oberseitig etwas staubig, sonst aber völlig ok“, freute sich auch Gebietsverkaufsleiter Thomas Schumann. „Sie war nicht wie andere ältere Dämmungen in der Dicke zusammengesackt oder feucht und somit in ihrer Dämmleistung reduziert. Die Dämmung war trocken und in voller Dämmstoffdicke erhalten.“ Der Dachdeckermeister hatte sofort die Idee, die intakte Dämmung weiterzuverwenden. Der alte Aufbau könnte so auf dem Dach bleiben und müsste nicht teuer zurückgebaut und entsorgt werden. Zudem könnte mit wenig neuem Dämmstoff eine hohe Dämmleistung erreicht werden. Mit diesen Gedanken wandte er sich an Thomas Schumann. Die beiden kennen sich seit vielen Jahren und arbeiten eng zusammen. Um das Dach auf nachhaltige Weise auf einen förderfähigen U-Wert von 0,14 W/m²K zu sanieren, wurde in Zusammenarbeit zwischen Dachdeckermeister, Gebietsverkaufsleiter und dem damaligen Bauder-Produktmanager Ekkehard Fritz ein neuer Dachaufbau auf der vorhandenen Aufsparrendämmung geplant.
Ressourcenschonende neue Dämmung
Auf der bestehenden, funktionstüchtigen Aufsparrendämmung wurden die neuen Dämmelemente „Bauder Eco S“ aus biomassebilanziertem Polyurethan und Recyclingmaterial verlegt. Für die Herstellung der Dämmplatten verwendet Bauder 80 Prozent Biomasse und anorganische Rohstoffe (wie Sauerstoff oder Stickstoff) gemäß Massebilanzverfahren. Damit wird der fossile Rohstoffanteil fast vollständig ersetzt. Die oberseitig aufkaschierte Spezialbahn von „Bauder Eco S“ besteht aus sortenreinem PP-Vlies, das nach seiner Nutzung recycelt werden kann. Außerdem werden anfallende Säge- und Frässtäube aus der Produktion für neue Dämmstoffe wiederverwendet. Fein gemahlene Muschelschalen – ein Abfallprodukt in der Lebensmittelindustrie – und Glasvlies bilden die Deckschicht für die atmungsaktive Dämmplatte. PU-Dämmstoffe, vor allem „Bauder Eco“, sparen laut Hersteller über ihren Lebenszyklus deutlich mehr CO2 ein als sie bei der Herstellung benötigen. Der neue Dachdämmstoff ist nach den strengen Vorgaben des Ausschusses zur gesundheitlichen Bewertung von Bauprodukten (AgBB) geprüft und kann somit als „wohngesund“ bezeichnet werden. „Bauder Eco“-Dämmplatten sind hagelschlaggeprüft, schützen also selbst bei defekter Eindeckung das Dach vor Hagel und Starkregen und halten das Haus trocken und sicher – während der Bauphase und darüber hinaus. Die Dämmplatten können recycelt werden.
Der alte Dachaufbau
Das Haus in Butzbach besteht aus zwei Gebäuden. Das gleichschenklige Satteldach des Hauses mit Eingangsbereich parallel zur Straße schneidet in das Haupthaus mit einem ungleichen Satteldach mit steiler Nordseite ein. Auf der Holzschalung liegen, ohne der heute üblichen Vordeckung, die vorhandenen „Bauder PUR“-Aufsparrendämmelemente, darauf die Konter- und Traglattung und die stark verwitterten, alten „Eternit“-Kurzwellplatten, die damals aber schon asbestfrei waren. Für die Förderung der Dachsanierung hatte der Bauherr einen Energieberater hinzugezogen, der beim ersten Gespräch mit den Dachexperten von Eubu und Bauder dabei war und danach jeden Schritt begleitete.
Aufsparrendämmung auf Aufsparrendämmung
Zwischen der Konterlattung wurden bei dem neuen Dachaufbau 30 mm Mineralfaserdämmplatten (WLS 035) verlegt
Foto: Paul Bauder GmbH & Co. KG
Ende August 2022 konnten die Dacharbeiten beginnen. Zunächst entfernten die Handwerker die alte Bedachung und die Dachlatten. Die alten Konterlatten konnten leider ohne größeren Schaden nicht entfernt werden. Sie wurden damals mit 180 mm und noch längeren Sparrennägeln in den Sparren befestigt und saßen fest. Deshalb begann der Aufbau hier bereits über der Konterlattung. Entsprechend der Planung wurde die funktionstüchtige „Bauder PUR S“-Dämmung belassen. Dachdecker und Statiker beschlossen gemeinsam mit dem Bauherrn, die alte Konterlattung ebenfalls zu belassen und als Basis zur Befestigung der neuen Konterlatten zu nutzen. In die Zwischenräume wurde eine 30 mm dicke Mineralfaserdämmplatte (WLS 035) eingelegt. Über die Konterlattung hinweg verlegten die Verarbeiter „Bauder Tex DB“ als luftdichte und dampfbremsende Schicht.
Eine weitere Sanierungsmöglichkeit ist das „Bauder Sanierungsdach 04“. Anstelle von Mineralfaser, wie bei der Sanierung in Butzbach, wird hier zwischen den alten Konterlatten eine Dämmung aus „Bauder PIR FA TE“ verlegt
Grafik: Paul Bauder GmbH & Co. KG
Eine weitere Sanierungsmöglichkeit, die hier allerdings nicht zum Einsatz gekommen ist, ist das „Bauder Sanierungsdach 04“. Anstelle von Mineralfaser wird hier zwischen den alten Konterlatten eine Dämmung aus „Bauder PIR FA TE“ verlegt, bevor der Aufbau mit „Bauder Tex“-Bahnen überdeckt wird.
Verlegung der Dampfbremsbahnen
Über der Konterlattung wurden „Bauder Tex DB“-Bahnen als luftdichte und dampfbremsende Schicht verlegt
Foto: Paul Bauder GmbH & Co. KG
Die Dampfbremsbahn wurde in Butzbach über Dämmung und Konterlatten hinweg plan ausgerichtet und in die vorhandenen Konterlatten befestigt. Dank der Nahtselbstklebestreifen konnten die Handwerker die Längsnähte durch beidseitiges Abziehen der Schutzfolie und Andrücken der Klebeflächen schnell und sicher verschließen. Mit dem Klebeband „Bauder Top TA 50“ wurden Kopfstöße geschlossen, Details und Durchdringungen luftdicht verarbeitet. Anschließend wurde die Bahn mit dem Kartuschenkleber „Bauder Top KKL“ sicher an Massivbauteile angeschlossen. „Die Herstellung der luftdichten Schicht war ein enormes Gefummel, jede Traufe war anders,“ erzählt Uwe Euler. Die Verlegung gelang den geschulten Handwerkern jedoch. Sie führten die Bahnen entweder bis an die Außenmauern oder nach innen an die nächste luftdichte Schicht, dort wurden sie mit Kartuschenkleber eingeklebt und mit Klebeband abgedichtet.
Verlegung der Dämmelemente
Auf der Dampfbremsbahn verlegte der Dachdeckerbetrieb „Bauder Eco“-Dämmplatten. Das aufgedruckte 10-cm-Schnittraster erleichterte den Zuschnitt der Dämmung an den Anschlüssen und Details
Foto: Paul Bauder GmbH & Co. KG
Dank der Funktionstüchtigkeit der bestehenden 75 mm dicken PUR-Platten (WLS 025) waren neben der 30 mm Mineralfaserdämmung zwischen den Konterlatten noch 80 mm „Bauder Eco“ erforderlich, um einen U-Wert von 0,14 W/m²K zu erreichen. Die Dachdecker ordneten die Wärmedämmelemente versetzt an und verlegten sie dank der umlaufenden Nut- und Feder-Verbindung schnell und wärmebrückenfrei. Nach dem Verkleben der Stöße der aufkaschierten Unterdeckbahn „Bauder Tex“ mit Hilfe der 10 cm breiten, selbstklebenden Horizontal- und Vertikalüberlappungen war die gedämmte Fläche winddicht und rückstausicher. Das aufgedruckte 10-cm-Schnittraster erleichterte den Zuschnitt der Dämmung mit Säge und Messer an Anschlüssen und Details sowie das Verlegen der Konterlattung.
Alle Fugen, die beim Anpassen der Dämmelemente entstanden, wurden sorgfältig mit PU-Montageschaum ausgeschäumt und mit der „Bauder Top SDK“-Anschluss- und Detailbahn abgeklebt. Am Kamin verlegten die Eubu-Mitarbeiter die Wärmedämmelemente mit Abstand, den sie mit Mineralwolle verfüllten und mit Bahn-Streifen abdichteten. Auch die Dämmstoffschnittfuge im Firstbereich wurde dicht ausgeschäumt und mit selbstklebender Kaschierlage abgedichtet. Als Kehldichtbahn kam die selbstklebende Bitumendachbahn „Bauder Tec KSA“ zum Einsatz.
Zur statischen Lastabtragung wurden Bauder Systemschrauben gegen Schub und Windsog durch die neuen Konterlatten und den „Eco“-Dämmstoff hindurch in die alten Konterlatten eingedreht. Das erfolgte gemäß der von Bauder für das Dach erstellten objektbezogenen Statikempfehlung. Schließlich folgten Dachlatten und die Eindeckung mit Metalldachplatten, die von oben nach unten auf die Dachlatten genagelt wurden.
Mit der leichten Dämmung und den extraleichten Metallziegeln entstand ein statischer Spielraum, der den Aufbau von Photovoltaikmodulen mit einer Gesamtleistung von 10 kWp zuließ. Auf dem 311 m² großen Dach wird jetzt in allen Richtungen mit Morgen-, Mittag- und Abendsonne Strom zum Eigenverbrauch produziert.
Beginn des zweiten Dachlebens
Der Bauherr war begeistert, dass die alte Dämmung auf dem Dach bleiben konnte, nicht teuer zurückgebaut und entsorgt werden musste und er weniger neue Dämmung benötigte
Foto: Paul Bauder GmbH & Co. KG
Das zweite Dachleben der Dämmplatten aus „Bauder PUR“-Hartschaum hatte begonnen. Die Kombination aus 75 mm bestehendem „Bauder PUR 025 S“, 30 mm Mineralfaserplatten WLS 035 zwischen den alten Konterlatten und 80 mm „Bauder Eco S“ erreicht einen U-Wert von 0,14 W/m²K. Somit ist das Dach förderfähig nach BEG (Bundesförderung für effiziente Gebäude) oder auch nach der ESanMV (Energetische Sanierungsmaßnahmen-Verordnung). Dadurch können Hausbesitzer entweder einen Zuschuss und somit eine Beteiligung an den Sanierungskosten oder eine Steuerermäßigung und ebenfalls indirekten Zuschuss erhalten (Stand: Mai 2026). Dieses Sanierungsmodell wird für viele ältere Aufsparrendämmungen aus PUR funktionieren. „Die gute Zusammenarbeit für ein solch überzeugendes Konzept hat wieder viel Freude gemacht“, schätzt Uwe Euler die gute Betreuung und die hilfreichen Besprechungen zu Dachaufbau und Details mit den Bauder-Experten. „Das Haus in Butzbach war das erste Gebäude, das wir mit Aufsparrendämmung auf Aufsparrendämmung unter Beibehaltung funktionstüchtiger Dämmelemente saniert haben. Da aber immer mehr Dächer in die Jahre kommen, mit Energiewende und bei den jetzigen Preisen, ist das ein sehr interessantes Konzept.“ Auch der neue Bauherr war begeistert, dass die alte Dämmung auf dem Dach bleiben konnte, nicht teuer rückgebaut und entsorgt werden musste und er weniger neue Dämmung benötigte.
Sabine Ziebart ist Produktmanagerin im Bereich Dämmstoffe und Steildach bei der Paul Bauder GmbH & Co. KG.
