Alles im Lot

Die Redaktion der dach+holzbau zu Besuch beim Messgerätehersteller Stabila

Die gelben Wasserwaagen von Stabila kennt fast jede Handwerkerin und jeder Handwerker. Wir haben uns die Produktion in Annweiler am Trifels angeschaut und sind auf interessante Fakten und neue Produkte gestoßen.

10 Millionen Zollstöcke. Diese stattliche Summe produziert das deutsche Unternehmen Stabila jedes Jahr im eigenen Werk. So viele, dass Stabila 2025 sogar ein eigenes Sägewerk in Tschechien kaufte, um das Buchenholz aus nachhaltiger Waldbewirtschaftung (PEFC) selbst zu verarbeiten. Der Zollstock, offiziell Gliedermaßstab genannt, ist allerdings nur im deutschen Sprachraum verbreitet und im Rest der Welt teils sogar unbekannt. „Die USA sind für uns einer der größten Märkte für Wasserwaagen, aber sie von den Vorteilen des Zollstocks zu überzeugen, haben wir schonmal versucht, das funktioniert nicht,“ erzählt Ulrich Dähne, Geschäftsführer von Stabila. Dort wird statt des Zollstocks das Bandmaß verwendet, das Stabila ebenfalls im Portfolio hat. Zollstöcke sind vor allem als Werbegeschenk beliebt, so ist das Unternehmen in der eigenen Digitaldruckerei bis zu 30 000 Maßstäbe individuell nach Wunsch zu bedrucken.

Die Ursprünge des Zollstocks

Zollstöcke bilden den Ursprung des Unternehmens
Foto: Dennis Rabeneick

Zollstöcke bilden den Ursprung des Unternehmens
Foto: Dennis Rabeneick
Der Zollstock, wie wir ihn heute kennen, geht auf die Brüder Anton und Franz Ullrich zurück, die bereits 1886 ein Patent auf ein Federgelenk für Gelenkmaßstäbe erhielten. Damit legten die beiden Brüder den Grundstein für die Erfolgsgeschichte des Unternehmens Messgeräte Gustav Ullrich GmbH. Dieses wurde 1889 von Franz Ullrichs Sohn Gustav in Annweiler am Trifels gegründet wurde und ist seit 1929 als Stabila bekannt. Die Lage im Pfälzerwald bot sich als Produktionsstätte an, da hier genug Holz vorhanden ist. Die Queich, ein fast 52 km langer Nebenfluss des Rheins, fließt direkt über das Betriebsgelände und bot zudem genug Wasser für die Produktion. Bis heute befindet sich das Unternehmen im Familienbesitz der Nachfahren der Gebrüder Ullrich, die allerdings nicht mehr in der operativen Führung des Unternehmens tätig sind. Heute beschäftigt Stabila weltweit ca. 600 Mitarbeitende, davon 350 in Deutschland, und ist in mehr als 80 Ländern der Welt aktiv.

Fertig verpackt gehen Wasserwaagen in allen Größen vom neuen Logistik- und Verteilzentrum raus in die ganze Welt
Foto: Dennis Rabeneick

Fertig verpackt gehen Wasserwaagen in allen Größen vom neuen Logistik- und Verteilzentrum raus in die ganze Welt
Foto: Dennis Rabeneick
Neben Zollstöcken, ist Stabila bekannt für seine Wasserwaagen. Rund 2,5 Millionen davon stellt das Unternehmen pro Jahr her. Die Redaktion der dach+holzbau durfte während eines Pressetages im Oktober 2026 einen Blick in die Produktion am Unternehmenssitz in Annweiler werfen, wo auch elektronische Messwerkzeuge und Baulaser hergestellt werden. Erst 2019/2020 wurden hier rund 5 Mio. Euro in die Kapazitätserweiterung der Wasserwaagenproduktion investiert. Dort werden bis zu 14 000 Wasserwaagen pro Tag für den weltweiten Vertrieb produziert. Bis auf die Aluminiumprofile, von denen es unterschiedliche Längen und Querschnitte gibt, werden alle Teile der Wasserwaagen im Werk hergestellt. Das Herzstück des Messwerkzeugs ist dabei die Libelle, das lateinisch für „kleine Waage“ steht.

Patentiertes Libellen-Einbausystem

Die Libelle wird bei Stabila im Spritzgussverfahren aus Acryl hergestellt, die Acryl-Libelle ließ sich das Unternehmen 1952 patentieren. Im Inneren befindet sich ein Hohlraum, in dem eine Blase zwischen zwei Ringen in einer fluoreszierenden Flüssigkeit hin und herwandern und so die horizontale oder vertikale Ausrichtung eines Objektes anzeigen kann.

Der Herstellungsprozess der patentierten Acryl-Libelle durchläuft verschiedene Produktionsschritte, das Einlegen der korrosionsfreien Ringe erfolgt in präziser Handarbeit
Foto: Stabila

Der Herstellungsprozess der patentierten Acryl-Libelle durchläuft verschiedene Produktionsschritte, das Einlegen der korrosionsfreien Ringe erfolgt in präziser Handarbeit
Foto: Stabila
Die beiden korrosionsbeständigen Ringe werden dabei präzise in Handarbeit eingelegt. Anschließend wird die Libelle unverrückbar in einen Halter eingegossen, der wiederum mit flüssigem Kunstharz fest im Profil verankert und justiert wird. Durch dieses spezielle Einbausystem, sind die Wasserwaagen auch nach starken Erschütterungen immer noch präzise. Holger Binder, Leiter Marketing und Vertrieb bei Stabila, demonstrierte das eindrucksvoll beim Pressetermin vor Ort, in dem er eine Wasserwaage auf den Boden fallen ließ. Die Blasengröße und der Abstand zwischen den Ringen sind so ausgelegt, dass die optimale Ablesbarkeit und präzise Messung bei einem Arbeitsbereich von -20 °C bis +50 °C gewährleistet ist.

Wasserwaagen-Vielfalt

Stabila hat Wasserwaagen in sämtlichen Größen im Portfolio, die hier gezeigte Teleskop-Wasserwaage „Type 106 TM“ ist auf bis zu 318 cm ausziehbar
Foto: Dennis Rabeneick

Stabila hat Wasserwaagen in sämtlichen Größen im Portfolio, die hier gezeigte Teleskop-Wasserwaage „Type 106 TM“ ist auf bis zu 318 cm ausziehbar
Foto: Dennis Rabeneick
Stabila bietet über 600 Wasserwaagenvarianten an, die sich vor allem in Form und Funktion unterscheiden. Neben der klassischen „Type 70“ gibt es zum Beispiel Modelle mit Griffen, mit einem speziellen griffigen Profil, etwa zum Abziehen von Baumaterial oder mit einer um 360 Grad drehbaren Winkel-Libelle. Viele der Wasserwaagen sind außerdem mit starken Seltenerd-Magneten ausgestattet. Sie haften an Stahlprofilen und erleichtern das Ausrichten und Justieren von Bauelementen an metallischen Oberflächen. Mini-Wasserwaagen, etwa für Elektriker, passen bequem in die Hosentasche. Seit den 1990er Jahren hat Stabila auch elektronische Wasserwaagen im Programm. Sie zeigen zusätzlich zur Libelle über ein Display die Nullposition bzw. den entsprechenden Winkel an. Die akustische Zielführung ermöglicht das schnelle Ausrichten von Bauteilen ohne Blick auf die Wasserwaage, beispielsweise in beengten Umgebungen, die „Hold-Funktion“ speichert den gemessenen Wert. Die dach+holzbau unterzog die elektronischen Wasserwaagen 2025 einem Praxistest, der unter diesem Link abrufbar ist.

Grundsätzlich gilt die Anwenderregel, dass die Wasserwaage ungefähr so lang sein sollte wie das zu messende Bauteil, um eine präzise Messung zu gewährleisten. Daher bietet Stabila auch ausziehbare Wasserwaagen an. Die Längen reichen von 7 cm bei der Pocket-Wasserwaage bis zu 379 cm bei der ausgezogenen „Type 106 TM“.

Lasermessgeräte mit Zubehör

Im Bereich der elektronischen Messgeräte hat Stabila, neben den elektronischen Wasserwaagen, auch Lasermessgeräte im Programm, die ebenfalls im Stammwerk in Annweiler produziert werden. Einstiegsmodelle der Linien- und Rotationslaser werden in einem eigenen Werk in Changzhou in China hergestellt.

Vorgestellt wurden vor Ort der „LD 530 BT“ und die „Lax“-Reihe. Der Laserentfernungsmesser „LD 530 BT hat eine Reichweite von 200 m mit einer Messgenauigkeit von +-1,0 mm. Die Gestensteuerung erlaubt eine berührungsfreie Messauslösung, wodurch das Messgerät nicht unabsichtlich bewegt werden kann. Via Bluetooth ist der „LD 530 BT“ sowohl mit Windows-Geräten, als auch Mac, iPhone und Android-Smartphone koppelbar, was eine automatisierte Übertragung der Messwerte, beispielsweise in eine Exceltabelle erlaubt. Der Laserentfernungsmesser kann darüber hinaus Positions- und Bewegungsdaten aufzeichnen und mit Hilfe eines Smartphones automatisch eine Skizze anfertigen.

Der selbstnivellierende Kreuzlinien-Laser „Lax 60 G“ projiziert grüne Laserlinien, die bis zu 30 m Entfernung auch bei Tageslicht sichtbar sind
Foto: Stabila

Der selbstnivellierende Kreuzlinien-Laser „Lax 60 G“ projiziert grüne Laserlinien, die bis zu 30 m Entfernung auch bei Tageslicht sichtbar sind
Foto: Stabila
Vorgestellt wurde auch der selbstnivellierende Kreuzlinien-Laser „LAX 60 G“ für Markier- und Ausrichtarbeiten in der horizontalen und vertikalen Ebene. Mit der „Green-Beam“-Technologie projiziert er grüne Laserlinien, die bis zu 30 m Entfernung auch bei Tageslicht sichtbar sind. Im manuellen Modus lassen sich die Linien in jeder Neigung positionieren, dazu kann das Pendel arretiert werden. Im Pulsmodus erweitert sich der Arbeitsbereich mit einem optional erhältlichen Receiver auf bis zu 80 m. Dank starker Magnete und 1/4"-Gewinde lässt sich der Laser an Stahlträgern oder Heizkörpern befestigen oder auf ein Stativ setzen. Er wird über zwei Tasten bedient und erreicht eine Betriebszeit von bis zu 15 Stunden. Das Gehäuse ist nach IP 54 gegen Staubablagerungen im Inneren und Spritzwasser geschützt.

Der Arbeitsbereich des Kreuzlinien-Lasers „Lax 320 G“ kann in Kombination mit dem Receiver „RLD 250 RG“ ausgeweitet werden
Foto: Dennis Rabeneick

Der Arbeitsbereich des Kreuzlinien-Lasers „Lax 320 G“ kann in Kombination mit dem Receiver „RLD 250 RG“ ausgeweitet werden
Foto: Dennis Rabeneick
Als Zubehör für pulsmodulierte Linienlaser hat Stabila verschiedene Receiver im Programm. Diese kommen ins Spiel, wenn die Entfernung zu weit ist und die Laserlinien nicht mehr mit bloßem Auge erkennbar sind. Vorgestellt wurden die Receiver „RL 230 RG“ und „RLD 250 RG“. Sie haben ein beleuchtetes Display, sind IP 66 geschützt und haben ein integriertes Magnetsystem. Der „RLD 250 RG“ hat darüber hinaus eine digitale Höhendifferenz-Anzeige mit akustischer und visueller Zielführung.

Ausblick

Das neue Logistik- und Verteilzentrum in der Verbandsgemeinde Hauenstein wurde im Juni 2024 eröffnet
Foto: Dennis Rabeneick

Das neue Logistik- und Verteilzentrum in der Verbandsgemeinde Hauenstein wurde im Juni 2024 eröffnet
Foto: Dennis Rabeneick
Trotz der aktuellen Wirtschaftskrise investiert das Unternehmen Stabila in die Zukunft und setzt weiterhin auf den Standort Deutschland. Erst 2023/2024 investierte das Unternehmen 15 Mio. Euro in den Bau eines neuen Logistikzentrums mit einer 8000 m² großen Halle, ca. 15 min vom Unternehmenssitz in Annweiler entfernt. Das neue Logistik- und Verteilzentrum in Hauenstein wurde im Juni 2024 offiziell eröffnet und ist auf 200 Mio. Euro Umsatz ausgelegt. Bei einem aktuellen Unternehmensumsatz von 100 Mio. Euro, ist also genug Platz für weiteres Wachstum eingeplant.

Autor

Dennis Rabeneick ist Volontär in den Redaktionen der Magazine dach+holzbau und bauhandwerk.

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