Lohnt sich die PayPal-Alternative „Wero“ für das Handwerk?
Viele Handwerksbetriebe akzeptieren schon eine bargeldlose Zahlung. Ein großer Kritikpunkt sind dabei jedoch die vergleichsweise hohen Transaktionsgebühren bei etablierten Anbietern. Der europäische Zahlungsdienst Wero könnte hier eine kostengünstigere Alternative darstellen.
Wero ist seit über einem Jahr am Start und wurde von der European Payments Initiative (EPI) entwickelt. Der Name kombiniert die beiden Wörter „We“ (engl. wir) und „Euro“ und positioniert den Dienst als europäische Alternative zu US-amerikanischen Anbietern wie PayPal, Apple-/Google Pay, Mastercard oder Visa. Nicht nur die Möglichkeit, europäische Zahlungswege unabhängig von US-Tech-Konzernen zu nutzen, sondern auch die geringen Transaktionsgebühren machen den neuen Anbieter für das Handwerk interessant. Lohnt sich ein Blick darauf?
Foto: European Payments Initiative (EPI)
In einer Umfrage des Zentralverbandes des deutschen Handwerks (ZDH) zur Nutzung und Verbreitung verschiedener Zahlungsmethoden im Handwerk gaben 57 Prozent der Betriebe an, Kartenzahlung oder digitale Bezahlverfahren anzubieten. Weitere 8 Prozent ermöglichen dies nur unter bestimmten Voraussetzungen, etwa ab einem Mindestumsatz. Die durchschnittlichen Transaktionsgebühren von bargeldlosen Zahlmethoden betrugen dabei im Durchschnitt 1,7 Prozent für die Betriebe, PayPal verlangt bei Inlandstransaktionen standardmäßig sogar 2,99 Prozent, plus eine feste Gebühr von 39 Cent pro Transaktion. Mehr als die Hälfte der Betriebe bewertet die Kosten als zu hoch.
Wero könnte hier eine günstigere Alternative sein: Die Transaktionsgebühr liegt bei Wero, je nach Bank, nur zwischen 0,55 und 0,77 Prozent und ist damit deutlich günstiger.
Wie funktioniert Wero?
Foto: European Payments Initiative (EPI)
Im Gegensatz zu PayPal ist Wero kein Drittanbieter, bei dem man sich neu registrieren muss, um Geld zu senden oder zu empfangen. Auch eine extra App ist nicht notwendig. Der Anbieter kooperiert stattdessen direkt mit Banken in Deutschland, Belgien, Frankreich und im Laufe des Jahres 2026 auch in Luxemburg und den Niederlanden. So sind Echtzeitüberweisungen von einem Konto auf ein anderes möglich. Voraussetzung ist dabei immer, dass sowohl der Sender, als auch der Empfänger die Option im Online-Banking der jeweiligen Bank aktiviert haben. In Deutschland bieten aktuell unter anderem die Sparkassen und Volksbanken, Postbank, Deutsche Bank, die Sparda-Banken, ING und die Digitalbank Revolut den Dienst an. Weitere Banken folgen, etwa die Digitalbank N26 im Sommer 2026. Anders als bei Sofortüberweisungen ohne Wero muss die IBAN des Empfängers nicht bekannt sein; eine E-Mail-Adresse oder Handynummer des Empfängers genügen. Auch über das Scannen eines QR-Codes kann eine Zahlung erfolgen, in diesem Fall müssen jedoch beide die Wero-App installiert haben.
Vorteile für das Handwerk
Foto: Michaela Podschun
Mit Wero stehen Handwerksbetrieben niedrigere Transaktionsgebühren und eine unmittelbare Zahlungsabwicklung zur Verfügung. Gleichzeitig ermöglicht der Dienst bargeldlose Zahlungen unabhängig von US-Tech-Konzernen direkt von Konto zu Konto, ohne dass die lange IBAN bekannt sein muss. Es ist lediglich eine E-Mail-Adresse oder Handynummer erforderlich. Dabei gelten europäisches Recht und Sicherheitsstandards, Kundendaten werden weder auf US-amerikanischen Servern gespeichert noch an US-Anbieter weitergegeben. Das Geld ist innerhalb von Sekunden auf dem Konto, was zudem die Liquidität der Betriebe sichert. Ob sich der Einsatz lohnt, hängt von den individuellen Zahlungsgewohnheiten und den vorhandenen Bankverbindungen ab.
Autor
Dennis Rabeneick ist Volontär in den Redaktionen dach+holzbau und bauhandwerk.
