Paradome in Potsdam denkmalgerecht saniert
Ehemalige Montagehalle für Züge saniert, erweitert und zum Verwaltungsstandort umgebautEine historische, ehemalige Montagehalle für Züge in Potsdam musste denkmalgerecht saniert werden – gefragt war eine Dämmlösung mit geringer Aufbauhöhe. Wie das später „Paradome“ genannte Gebäude durch den Umbau zum modernen Verwaltungsstandort wurde, zeigt unser Artikel.
Lange stand das „Paradome“ in Potsdam leer. In die historische Montagehalle von Orenstein & Koppel fuhr längst keine Lokomotive mehr ein. Wind und Wetter setzten dem Bauwerk mit der 27 m hohen Stahlkonstruktion samt radialen und ringförmigen Trägern erheblich zu. Das einst so markante Gebäude rostete und rottete aufgrund fehlender Nutzungsalternativen lange Zeit vor sich hin. Inzwischen ist dort aber das Hauptzollamt eingezogen. Die Schwedlerkuppel blieb erhalten, darunter entstand ein neuer, eingeschossiger Baukörper mit begehbarem Stahlbetondach.
Vom „Lok-Zirkus“ zum Verwaltungsstandort
Unter der Regie der Paradome GmbH & Co. KG aus Berlin wurde das Industriedenkmal so umstrukturiert, dass dort heute rund 450 Beschäftigte des Hauptzollamtes Potsdam arbeiten können
Foto: Puren
Die auch als „Lok-Zirkus“ bekannte, sechseckige Halle wurde unter der Regie der Paradome GmbH & Co. KG aus Berlin so umstrukturiert, dass hier heute rund 450 Beschäftigte des Hauptzollamtes Potsdam arbeiten können. Dabei ging man sensibel mit der historischen Substanz des Gebäudes um. Ziegelmauerwerk und Stahlkonstruktionen wurden ertüchtigt und bleiben sichtbar. Die Gründung, das Tragwerk und die Dachaufbauten passte man den aktuellen Nutzungsbedingungen an. Mehr als 1400 Mikropfähle dienen der Unterfangung des Bestandsbaus wie auch der Auftriebssicherung des neuen, in die Hülle eingezogenen Baukörpers. Dessen oberen Abschluss bildet ein Stahlbetondach unterhalb der historischen, teilweise überdeckten Kuppel, die als Witterungsschutz dient.
Dachsanierung unter Auflagen
Aufgrund der begrenzten Aufbauhöhen und definierten Anschlüsse verlegten die Dachdecker auf den innenliegenden Dachflächen unter anderem „Puren MV-FB“-Dämmplatten in 60 und 80 mm Dicke
Foto: Puren
Sowohl der Zustand der Bestandsdächer als auch die Vorgaben des Denkmalschutzes hatten wesentlichen Einfuss auf die notwendigen Sanierungsmaßnahmen. Unterschiedliche Höhen, gealterte Abdichtungen sowie eine unzureichende Wärmedämmung mussten an die neue Nutzung als Verwaltungsbau angepasst werden. Gleichzeitig durften die neuen Dachaufbauten die historische Silhouette nicht verändern und notwendige Lasten die vorhandene Bausubstanz und Stahlkonstruktion nicht beeinträchtigen. Gesucht war eine Lösung, die eine hohe Dämmleistung bei geringer Aufbauhöhe ermöglicht und zugleich eine dauerhafte Dichtheit sowie eine funktionierende Entwässerung sicherstellt. Die Entscheidung fiel auf ein PU-Dämmsystem von Puren, kombiniert mit einer selbstklebenden EPDM-Abdichtung.
Komplett neuer Dachaufbau
Realisiert wurden die Dacharbeiten von der Ortmann Dachbau GmbH aus Berlin. Nach dem bauseitigen Rückbau der vorhandenen Dachschichten und dem Austausch der alten Holzbalken- gegen Stahlbetondecken folgte der neue Aufbau aus Dampfsperre, PU-Flächen- und Gefälledämmung sowie abschließender Abdichtung. In Bereichen, in denen in der Folge Photovoltaikmodule installiert werden sollten, kam zusätzlich eine Bautenschutzmatte als Trennlage zum Einsatz. Entsprechend der Berechnungen wurden nicht nur die vorhandenen Dachabläufe erneuert, sondern auch Notüberläufe eingebaut, um eine regelgerechte Entwässerung des Daches zu ermöglichen. Zudem wurden die Dachflächen um RWA-Elemente, Ausstiege und Einzelanschlagpunkte ergänzt.
Auf der Dampfsperre verlegten die Handwerker zunächst „Puren MV“-Dämmplatten und darüber Gefälledämmplatten
Foto: Puren
Über der neuen Dampfsperre verlegten die Fachhandwerker als Flächendämmung „Puren MV“ in den Wärmeleitstufen 026 und 027, je nach Bereich in 80, 100 oder 140 mm Dicke. Die beidseitig vlieskaschierten PU-Dämmplatten ermöglichen eine hohe Dämmwirkung bei dünnem Aufbau. So mussten weder die Attiken erhöht noch Anschlüsse grundlegend verändert werden. Die im Verband verlegten Platten sorgen dank umlaufendem Stufenfalz für lückenlosen Wärmeschutz.
Gefälledämmung
Darauf folgte die objektspezifsch geplante Gefälledämmung „Puren NE 120“. Dabei erforderten die unterschiedlichen Bereiche des Gebäudes individuelle Lösungen, unter anderem Strukturkeile in verschiedenen Längen zur Linienentwässerung. Vor allem das Auffüllen der ehemaligen Drehscheibengrube erforderte unterschiedliche Gefällegebungen von 0,57 bis 2,1 Prozent und wäre mit standardisierten Gefälledämmplatten nicht lösbar gewesen. Hier ersetzte die Kombination aus Grund- und Gefälledämmung konventionelle, zementgebundene Ausgleichsschichten. Mithilfe farblich markierter Platten und dem entsprechenden Gefälleplan konnten die Dachdecker die Dämmelemente auf der Baustelle einfach und schnell zuordnen. Die selbst bei geringer Materialstärke druckfesten Platten nehmen nicht nur alle Lasten aus dem Betrieb und der Wartung des Daches auf, sondern bieten auch ein geringes Flächengewicht – ein wichtiger Aspekt bei der Ertüchtigung historischer Tragwerke.
Abdichtung ohne offene Flamme
Die auf Maß abgelängten EPDM-Bahnen wurden ausgerollt, ausgerichtet und nach dem Abziehen der Trennfolie verklebt
Foto: Puren
Den oberen Abschluss des neuen Dachaufbaus bildet die Abdichtung mit selbstklebenden EPDM-Bahnen. Zur Verklebung der flächig aufgebrachten Bahnen wurde zunächst eine Grundierung als Haftvermittlung auf die Dämmung aufgesprüht. Anschließend wurden die auf Maß abgelängten Bahnen ausgerollt, ausgerichtet und nach dem Abziehen der Trennfolie verklebt. Abschließend wurden die Bahnen im überlappenden Nahtbereich mittels Heißluft gefügt. Alle Einbauten wie Dachabläufe, RWAs und Anschlagpunkte sowie aufgehende Bauteile wurden fachgerecht in die neue Abdichtungslage eingebunden.
Neue Dachfläche unter historischer Kuppel
Mit der Errichtung eines eingeschossigen Baukörpers unterhalb der markanten Stahlkuppel ergaben sich zusätzliche Anforderungen. Das neue und begehbare Stahlbetondach dient als Terrasse, Technikfläche und Erschließungsebene. Gleichzeitig trennt es die klimatisierten Büroräume vom darüberliegenden Kuppelraum. In diesem Bereich führten die Handwerker der Ortmann Dachbau GmbH ebenfalls Dämm- und Abdichtungsarbeiten durch. Aber auch hier durfte der Dachaufbau nicht die historische Konstruktion verändern. Aufgrund der begrenzten Aufbauhöhen und definierten Anschlüsse verlegten die Dachdecker auf den innenliegenden Dachfächen unter anderem „Puren MV-FB“-Platten in 60 und 80 mm Dicke. Ergänzend kamen Gefälledämmplatten hinzu, die anfallendes Niederschlagswasser zu den innenliegenden Abläufen führen. Als oberste Lage wurden EPDM-Bahnen verlegt.
Industriedenkmal mit Zukunft
Mit der Errichtung des eingeschossigen Baukörpers unterhalb der Stahlkuppel ergaben sich zusätzliche Anforderungen. Das neue, begehbare Dach unter der Kuppel dient unter anderem als Terrasse und Technikfläche
Foto: Puren
Trotz der umfassenden Sanierung prägt die Schwedlerkuppel weiterhin das Bild des Potsdamer Paradome. Gemeinsam mit der historischen Hülle erinnert sie an die Blütezeit der Industriearchitektur. Gleichzeitig sorgen auf den äußeren und den neuen, innenliegenden Dachflächen dem aktuellen Stand der Technik angepasste Dachaufbauten für Witterungsschutz. In Verbindung mit der auf das historische und neue Bauwerk angepassten Dämmung ermöglichen die Dächer ein angemessenes Raumklima und reduzieren den Energiebedarf. Dank der neuen Nutzung als Verwaltungsbau wurde das Industriedenkmal somit nicht konserviert, sondern weitergebaut.
Sven-Erik Tornow ist Baufachjournalist, Fachautor und betreibt die Agentur Flüstertüte in Köln. Er unterstützt die Puren GmbH in der Pressearbeit.
